Die Mogelpackung

Die Mogelpackung ist salonfähig geworden.
Sie hilft uns im Alltag ein reines Gewissen zu bewahren. Mogeln ist ja auch der sehr sehr nette Vetter der Lüge.
Wenn wir ein “Plant based Extra long Chicken” bei einer amerikanischen Restaurtantkette, die vor allem für gegrilltes Rinderhack bekannt ist, bestellen, dann bemogeln wir uns einwenig selbst.
Statt also ein Weizenmußbrötchen mit Huhnaroma sehen wir doch den Chickenburger vor uns. Aber ohne die toten Hühner.
Irgendwie ist hier das Gewohnte mit dem Neuen clever verknüpft.
Hergestellt wird das Foodwonder vom Vegetarien Butcher – neudeutsch und martialisch für Gemüsehändler.

Gut-Mogeln

Man könnte das jetzt unter dem Punkt Gutes Mogeln ablegen.
Es stirbt kein tagblindes Huhn aus der Geflügelmanufaktur.
Chickenburger sind ohnehin geschmacklos und erreichen die Gaumenfreude von jeher nur durch viel externe Würze.
Damit ist es egal, ob auf der Semmel ein frittierter Weizenbrei oder zermanschtes Huhn in Gewürzmischungen ertrinkt. Solange es warm ist bekommt man es runter und es macht satt.
Und bestimmt ist es auch irgendwie gut fürs Klima.

Schlecht-Mogeln

So würde ich etwas bezeichnen, dessen Kern oder Inhalt sich rapide verändert und damit schlichtweg nicht mehr dem gewohnten Urprodukt entspricht.
Ich meine jetzt hier nicht die klassischen Werbelügen, denn die Werbung mogelt nicht, sie lügt meistens. Und das so dreist, daß es immer wieder funktioniert.

CSU – drei Buchstaben, deren Bedeutung nicht jeder kennt.
Christlich Soziale Union. Die CSU ist eine regionale Partei aus Bayern die seit jeher eine Stressehe mit der CDU(*) führt.
Es gab eine Zeit, da standen die drei Buchstaben C S U für diese Werte.
Aber mit der Zeit wurde man die Werte los.
Natürlich war die CSU von jeher eine Partei voller Haderlumpen, aber wenn es darauf ankam sozial und dadurch christlich. Es ist ja eh doppelt gemoppelt, denn wer wirklich christlich agiert, der handelt sozial.

Die CSU von heute ist nur noch populistisch aufgestellt, was sicher auch an ihrem Vorsitzenden liegt, der die Meinung schneller wechselt als mancher in der Opposition das Hemd.
Heute ist die CSU nicht besonders Christlich, da sie es u.a. achselzuckend hinnimmt, dass Menschen im Mittelmeer ertrinken, Tafeln geschlossen werden oder die Gesellschaft gespalten wird.

Sie ist nicht sozial, da die sozial Schwachen, darunter viele Familien und Kinder kein Gehör bei dieser Partei finden. Kinder wurden von dieser Partei als Pandemietreiber stigmatisiert und stellen eine Bedrohung für das Wähler:innenklientel der Partei dar. Menschen über 60.

Und die Union? Da ist nicht viel übrig. Das Verhältnis zu CDU war noch nie so schlecht wie unter Söder und der bayerische Ministerpräsident schaufelt emsig am Umfragetief seiner Partei, was die innerbayerische Union zu Zerreissen droht. Der Einfluss in Berlin ist auf ein Minimum geschrumpft.

CSU steht jetzt aktuell für Corona, Söder, Unvermögen.
So glaubt Herr Markus Söder immer noch, dass man nur mit genug Härte und Strafen vor Ort ein Virus besiegen kann, das weltweit sein Unwesen treibt.
Dabei wollte Herr Söder zu Beginn seiner Amtszeit zum Mars oder wenigstens mit dem Flugtaxi ungestört von Nürnberg nach Fürth reisen.
Corona hat hier viel verändert und auch die weißblaue Mogelpackung der CSU aufgerissen. Viel ist da nicht drin, manche sagen gar nichts.

Ich bin mit der CSU (Strauß, Streibl, Stoiber, Beckstein, Seehofer, Söder) aufgewachsen, habe sie aber noch nie als so hilflos und und inhaltsleer empfunden. Es gibt auch keine klugen Köpfe mehr in der Partei, die herausstechen, so ist mein Eindruck.
Wohl auch ein Kollateralschaden des langen Kampfes Söder vs Seehofer.
Übrig bleiben Blume, Scheuer, Dobrindt und Bär. Mehr ist nicht.

Das kommt dabei heraus, wenn sich die Welt ändert, aber eine Partei dazu nicht in der Lage ist.

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Die Lichtgestalt flackert

Am 07.01.1994 wurde Franz Beckenbauer Trainer beim FC Bayern München. Das blieb er dort bis zum 30.06.96.
Dem voran gingen natürlich erst einmal Gerüchte in den Sport- und Fernsehredaktionen – “Beckenbauer wird Trainer…?!”.
Das war in der Zeit vor dem Internet und auch das Handy war noch nicht so verbreitet. Die Nachrichtenagenturen und deren Tickermeldungen versprachen noch die alleinige Wahrheit zu verbreiten.

Und ich? Ich hatte in diesen Tagen meine ersten Einsätze als Kameramann.
Lange war ich Kameraassistent gewesen und am Tage als es klar wurde, dass Beckenbauer bei den Bayern unterschreibt, war mein erster alleiniger Drehtag als eigenverantwortlicher EB Kameramann.
Damals bei SAT.1″ Wir in Bayern” im Auftrage von Radio Tele 1, mit BetaSP und in vierzudrei.

Natürlich wurden wir losgeschickt mit dem Auftrag, nicht ohne Beckenbauer Interview zurückzukommen. Parallel rückten Teams von RTL, BR und ZDF aus.
Der typische Newswettlauf, der mein Leben fast ein Jahrzehnt bestimmen sollte, begann. Unsere Redakteurin war fix und gegen Mittag fand sie jemanden, der jemanden kannte, der jemanden kannte.
Und der wusste:
In Kitzbühl sollte er sein, in einem Ferienhaus.

Dann ging es los ins winterliche Kitzbühl – ohne Navi, das gab es ja noch nicht – aber die Strecke war bekannt, das Auto ein Allrad und Strassenkarten, sowie ein sogenannter Shell Auto-Atlas mit an Bord.
So einen Shell Auto-Atlas muss man sich als farbig ausgedrucktes stimmloses Navi vorstellen.

Wir waren das einzige Team das diese Spur verfolgte, alle anderen, so erfuhren wir aus Gesprächen waren irgendwo in und um München unterwegs. Da gab es Gerüchte der Kaiser wäre in der Stadt.

Unser Wagen stoppte direkt am verschneiten Ferienhaus, ich weiss noch Wald links, Haus aus Holz und glatter Schnee überall.
Keine Name am Türschild.
Weissabgleich, frischer NP1 Akku für Power, 30 min Band drin, Mühle auf die Schulter, Angel nach vorne.

Klingeln.
Warten.
Erneut klingen.
Noch mehr warten.
Nichts.

Wir waren am Einpacken als ein Herr mit Langlaufski ums Hauseck kam.
Der Beckenbauer.
Es folgte eine kurze, äusserst freundliche Begrüssung. Warum wir da waren, das konnte er sich ausmalen und dann gings ins Haus, weil draussen kalt.

Wir haben das Interview gemacht, ich war echt nervös – erster Tag und es war klar, dass alle Sender ihren Teil vom Material haben wollten.
Aber alles lief gut.

Das ist jetzt über 20 Jahre her und mit dem Beckenbauer ist man älter geworden. Aus dem Franz wurde der Kaiser und dann die Lichtgestalt.
Und jetzt? Jetzt flackert er einwenig. 90 Tage ist er von der FIFA ausgeschlossen wegen Korruptionsvorwürfen. Der Franz. Die Lichtgestalt.
Und es sind bestimmt Kollegen wieder hinter ihm her – ob die Begrüssung auch so freundlich wird wie 1994?
Er wird es überstehen, ich wünsche es ihm.

Auf Uli H. traf ich übrigens erstmals ein Jahr vor Beckenbauer, das verlief anders. Dem Herrn H. wünsche ich daher auch eine besinnliche Zeit in Landsberg…….