Das Kilometerfresserchen

Kilometerfresserchen, das. Das Kilometerfresserchen kommt meist im kleinen Van daher, vollgepackt mit Aufnahmeequipment und besetzt mit drei Mann und der Idee, jeden Tag eine neue Geschichte einzufangen.
Wie schon des öfteren angesprochen – die Geschichten kommen nicht zu uns, daher kilometern wir uns zu ihnen. Davon lebt das Kilometerfresserchen.
Ein Beispiel dafür wie man es satt bekommt bieten die vergangenen vier Tage. Wir wurden von Süd nach West und in den Osten geführt, nur um dann im Süden wieder fast punktgenau zu landen.

lassofahrt
Eine richtige Lassofahrt bei gemischtem Wetter

Vier Tage – vier Themen – viermal fahren, drehen, schlafen, fahren, drehen….
Das freut die Hotelbesitzer und die Freunde von der Mineralölindustrie.

verbrauch
Glaubt man der Grafik – saßen wir 15 Stunden und 5 Minuten im Auto.
Was so nicht stimmt.
Ab und an verweilt man auf Autobahnen einwenig länger, wird Teil eines Staus und freut sich, dass man bei diesem automobilen Flashmob mit dabei sein kann.

Los ging es in München. 09:00 Uhr treffen mit den Akteuren des Tages.

Der Tag beginnt mit warten auf die um die es geht
Der Tag beginnt mit warten auf die um die es geht

Das geht bis 17:00 – dann müssen wir weg, das Kilometerfresserchen hat Hunger.
Über Augsburg geht es in Richtung Frankfurt/Main. Da ist Buchmesse und die Hotels sind entsprechend überteuert.

Bei Frankfurt gibt es erstmal Kaffee zum Dreh
Bei Frankfurt gibt es erstmal Kaffee zum Dreh

Wir sind da wo der Verein daheim ist und es geht dann doch länger. Weil nett und angenehm.

im Vereinsheim
im Vereinsheim

Dann jault das Kilometerfresserchen vor Freude auf. Auf 580 Kilometern gibt es besten Asphalt unters Profil, fast neu sind Teile der A4 und auf dem Weg in die B-Hauptstadt wird einem wieder klar woher der Name Dunkeldeutschland kommt.
Es regnet. 01:20 Ankunft in Spandau. Drehort morgen: Berlin Neuköln.

Wenn man mitten in Berlin Neuköln dreht muss man nur grantig schauen. Dann hat man seine Ruhe.
Wenn man beim Dreh des öfteren grantig schaut, dann hat man seine Ruhe.

Einer fragt einer antwortet und schon hat man das perfekte Interview im Kasten
Einer fragt, einer antwortet und schon hat man das perfekte Interview im Kasten

Laute Knurrgeräusche stören immer häufiger den Ton. Das Kilometerfresserchen hat Hunger. Ihm dürstet nach frischem Teer. Mit dem Stadtverkehr in Berlin bekommt man es nicht satt. Also ab auf die A9 Richtung Heimat. Dort schlagen wir um 01:00 Uhr auf. Wir müde, das Kilometerfresserchen satt.

Am nächsten Morgen gehts um 9:30 nach Dachau. Das ist nicht weit, ein Appetithappen. Der Dreh ist kurz, wir kommen um 17:00 zurück, freuen uns auf den freien Sonntag.
Aber das Kilometerfresserchen hat schon wieder Hunger…..

Nachtrag: Aktuell füttern wir es wieder ordentlich, es wird noch fett wenn das so weiter geht.

 

Hoch das Bein

In den 20ern war man ja bei weitem nicht so verklemmt wie heute. Liest man ab und an, ich kann es nicht beurteilen, war ja nicht dabei.
Die 20er waren das Thema eines Shootings im Alten Stadtbad zu Augsburg. Jener ehrwürdigen Stadt mit den Bewohnern und ihrem merkwürdigen Dialekt.
Es ist immer wieder total entspannend wenn man in einem Schwimmbad dreht.
LoaPeople Fotograf Reinhold Bader hat rundum Blitzlampen aufgestellt und munter summt der Strom in den Trafos. 220V, zig Kabel, Feuchtigkeit und überall lauern Wasserbecken, was will man mehr um dem Schnitter mal so richtig zur Seite zu stehen.
Mit einem munteren klonk flog dann auch mal die Sicherung weil die Feuchtigkeit nicht von der Elektronik lassen konnte.

Übrigens Feuchtigkeit – wie lange mache ich den Job schon? 20 Jahre?

Aber natürlich die Kamera über Nacht im Auto lassen – ist ja nur die kleine EX1. Und dann vor Drehbeginn am Kiosk Kleingeld wechseln um die Mühle mit dem Münzföhn 30 Minuten zu bearbeiten um die Linsen frei zu kriegen.

Andererseits war der Hamilton Effekt in den 80ern auch mal hip.

Schon verrigt?

Würden Sie eine Bohrmaschine in ein Rig spannen um sie dann als Mixer zu verwenden? – Das fragte man sich in der letzten Ausgabe des Kameramanns.
Da hatte man seit dem Erscheinen des Sony BVW200 vor über 20 Jahren kompakte AllInOne Camcorder mit Wechseloptiken auf der Schulter und erfreute sich über deren Ergonomie, Robustheit und Handling.

bvw200
Betagte, ausgemusterte, BVW200 – früher 60.000 DM, heute 50 Euro

Und dann kamen die filmenden Fotoapparate auf – wurden zum Hype und waren doch praktisch unbedienbar, weil Fotoapparat.
Aber zum Glück gibt es das Rig. Stangen und Polster und Auflagen und Cheeseplates und Handgriffe und Schärfezieeinrichtungen und was der Baukasten sonst noch hergibt. Das Zubehör kostet dabei gerne den vielfachen Kamerapreis. Damit wurde das Filmen mit der 5D auf eine professionelle Ebene gehoben. Sony hat mit der FS100/700 seinerseits auf den Boom reagiert und eigene Kameras mit 35mm Chip herausgebracht. Mit praktischen, professionellen Features wie HDMI, SDI und XLR. Aber auch diese, ohne Rig nur bedingt handlich.

fs100rig1
FS100 im Rig mit 35mm Prime, Schärfenzieheinrichtung und 2tem Sucher

Obiges Setting verwenden wir aktuell in Frankfurt und München für Business Interviews, da kommt die Tiefenunschärfe gut an.

Für szenisches Arbeiten oder Interviewsituationen ist die Arbeit im Rig auch kein Problem.

Bei der Reportage habe ich dann doch lieber die PDW700 auf der Schulter und die Hand am Fujinon. Und wenn es eng wird die EX1 unterm Arm.
Aber ist ja alles da.

Sensitiv

Heute also die erste Bluebox bei einem Mittelständler mit Niederlassungen in der ganzen Welt. Sensorik, in der Nähe von Stuttgart.
Vier Menschen in der Box – das wird dann eine Herausforderung in der Post. Jeder sollte zu Wort kommen und das bei 3:30 min. Aber wir machen das.
Ansonsten nette Firma mit freundlichen Leuten. Mittagessen gab es auch – wir wurden gut umsorgt.
Rundherum ist Winter und es geht weiter 100km in Richtung Nordosten. Unser Hotel dort hat bei Ankunft was von Shining – im Nichts, im Schnee aber bei Tag nett anzusehen.
Hotel1Der da qualmt ist Tom – beim T5 sieht man es nicht, aber da rumpelt die Standheizung. Aussentemperatur -15 Grad.