Survivor

Wer hätte gedacht, daß wir das noch brauchen?
Keiner.
Gestern habe ich den unentdeckten Notausstieg geöffnet, grelles Tageslicht. Erstmals herrlich frische Luft seit Wochen. Es ist ruhig. Keine Auto, kein Flugzeug, kein Kinderlachen.

Dass unser Haus noch steht war klar, denn fast bis zu letzt funktionierte der Draht nach draussen, das Radio. Zumindest wenn Strom da war. Doch dazu später.

Als hätte ich es geahnt, habe ich im Sommer 2019 dieses Relikt aus den 70ern auf Vordermann bringen lassen.
1972 hatte mein Vater Werner, staatlich gefördert, ein großes Loch im Garten ausheben und einen Atombunker darin versenken lassen.
Einen ASB4. Dabei steht ASB4 für Atomarer Schutzbunker der Typklasse 4.
Drei Räume für maximal 4 Personen.
Drei Meter unter der Grasnabe und vom Hauskeller aus schnell erreichbar. Das ganze Paket inkl. Notausstieg für 90.000 DM bei 60% staatlicher Förderung.
Moskau konnte ja jeden Moment zuschlagen und dann hiess es rein und das Kurbelradio anwerfen um den Nachrichten zu lauschen.

Schneiders nebenan haben damals schon gelacht.
Sie sind längst tot, die Enkel haben das Haus Anfang 2000 übernommen. Wenn ich jetzt hinübersehe, dann wirkt es wie ausgestorben.
Ohnehin, die ganze Strasse scheint ausgestorben. Sieht man von den Hunden ab die in kleinen Rudeln umherziehen.
Die Hunde, da muss ich mir noch etwas einfallen lassen.

Ich gehe zum Haus hinüber und fasse es nicht.
Irgendjemand hat “Arschlöcher” an unsere Fassade gesprüht. Wut steigt in mir auf, ich muss das melden. Irgendwo wird es ja noch Polizei und Recht und Gesetz geben. Aber bis dahin? Ich muss das übermalen.
Ich haste zur Garage – die steht offen. Das Auto ist weg. Die Fahrräder sind weg, selbst unser Bollerwagen. Alles ist verwüstet.
Ich hetze zum Haus zurück. Drücke den Schlüssel ins Schloß, aber die Tür schwingt auf. Ich würde mich setzen wenn es etwas gäbe. Das Haus ist leer geräumt.

Im Keller herrscht noch mehr Chaos. Alles liegt kreuz und quer. Es sieht nach unbändiger Wut aus. Die Stahltür zum Bunkereingang ist zerkratzt, tiefe Beulen im Metall und auch Spuren einer Flex sind zu sehen.
Das war also dieser infernale Lärm der uns Anfangs so zusetzte.
Aber letztendlich hat des Teil gehalten. 1972 gab es eben noch deutsche Qualität fürs Geld.

“Da kommt eine Grippe aus Asien”. Ich war da gleich hellhörig. Während RKI und Gesundheitsministerium noch einen heftigeren Schnupfen erwarteten habe ich gehandelt.

Was wurde ich als Prepper damals insgeheim belächelt.
8000 Liter fasst der Frischwassertank unter dem Bunker. 2000 Dosen Ravioli, 1500 Pack Nudeln, 600 Dosen Corned Beef, 1200 Dosen Früchte, 500 kg Mehl, 100 kg Trockenmilch, 1000 Packungen Hülsenfrüchte usw. usf. Alles gut gelagert in Raum 1. Dazu 200 Dosen Bier und drei Flaschen Faber Sekt, man muß sich auch mal was gönnen.
Brettspiele, Fitnessmatten, ein Trimmrad mit Generator, 6 Autobatterien, 1 Laptop mit Win95, weil es läuft. 100 DVDs mit Filmklassikern wie Sissi, Dallas, Denver Clan oder Magnum. Darunter auch, gut versteckt, drei Filme aus der Josefine Mutzenbacher Reihe. Für die Frau drei große Flaschen Parfum von Douglas.

Eine ganze Woche waren wir auf Einkaufstour. Eine Woche in der die Nachrichten immer dramatischer wurden. Als in Suapeng in China die Leute auf der Strasse hustend zusammenbrachen deckte ich das Auto in der Garage ab, die Frau saugt noch einmal das komplette Haus, selbst unsere beiden Kinder räumten ihre Zimmer auf. Dann machten wir uns auf den Weg in unser neues zu Hause. Mit dem satten Schließen der Bunkertür aus Kruppstahl wussten wir, dass wir in Sicherheit sind.

Ohne Radio hätten wir das nicht überlebt.
Am Anfang war es schwer. Nur drei Räume, statt Tageslicht LED Lampen an der Decke. Sparsam, warmweiß. Disziplin war gefragt und so wurde unser Tagesablauf perfekt durchgeplant.
Zweifel an der Notwendigkeit wurden von den Radiomeldungen hinweggewischt.
Die Bundeswehr hatte offensichtlich 200 Deutsche aus China “evakuiert” und das Virus so nach Berlin eingeschleppt.
Die Folgen waren verheerend. Bereits nach 10 Tagen brach in Berlin die öffentliche Ordnung zusammen. Ein Ring wurde um die Stadt geschlossen.
Die Regierung konnte nicht ausgeflogen werden, da kein Bundesland bereit war sie aufzunehmen.
Wasser und Stromzufuhr in der Hauptstadt waren oft nur über wenige Stunden am Tag aufrecht zu erhalten.
Gebannt saßen wir in diesen Anfangstagen vor unserem Radio.

Der Lärm.
Der Lärm kam nach ca 14 Tagen. Ein Hämmern und Schlagen von Seiten des Bunkerzugangs. Dumpfe Rufe, Heulen, Brüllen. Unmöglich.
Aber was sollten wir machen? Der ASB4 war für 4 Personen zugelassen. Alles andere wäre doch unverantwortlich.
Im Radio wurde verkündet, dass Bayern seine Grenzen mit Fahrzeugsperren, Gräben und Stacheldraht sichert.
Eine Heimatschutzarmee wurde in München eiligst aufgestellt und übernahm die Überwachung. 200.000 Männer und Frauen.
Die Situation klang dramatisch, da selbst die Autobauer die Bänder stoppten.
Bei uns gab es Corned Beef mit Bohnen, was ordentlich auf die Verdauung schlug. Und dazu dieser Lärm. Das ging fast eine Woche.
Eine Woche in der zuerst Italien, dann Frankreich den Notstand ausriefen, das EU Parlament in Brüssel geschlossen in Quarantäne ging und England den Eurotunnel zu schüttete, die Fähr- und Flugverbindungen einstellte und seine Flotte mobilisierte.
Zeitgleich begannen die Gefechte an der bayerischen Grenze. Cattenom war das erste Kernkraftwerk das ausser Kontrolle geriet.
Mit dem GAU verstummte der Lärm, es war herrlich. Wir konnten wieder Alltag leben.
Unvergessen diese Spieltage oder die angeregten Diskussionen über Bobbys Rückkehr auf die Ranch.

Normalität
Wir fügten uns in eine neue Normalität. Der Strom war immer wieder weg, aber dank Batterie und Trimmrad konnten wir die Zeit immer wieder gut überbrücken. Das tat auch der Figur gut.
Dem Radio entnahmen wir, dass in weiten Teilen der westlichen Welt die Wasserversorgung und öffentliche Ordnung zusammengebrochen war.
Unsere 8000 Liter Frischwasser würden für 2 Jahre reichen, die Vorräte ohnehin.
Das Virus mähte sich durch die Städte und Dörfer. Fasziniert lauschten wir bei selbstgebackenem Brot und Dörrfleich einem Beitrag über die Entvölkerung Wuppertals. Berlin gab es nur noch dem Namen nach und Wolfsrudel machten die Ostdeutschen Länder unsicher.

Bayern war gefallen und der Virus hatte sich als wenig christlich und schon gar nicht sozial erwiesen. Der bayerische Ministerpräsident hatte sich zuletzt mit wenigen Getreuen nach Neuschwanstein geflüchtet, aber dort im Schloß wartet bereits das Chinavirus auf ihn.
Das Radio sendete nicht mehr rund um die Uhr. Ständig kamen neue Moderatoren. Ich dachte an die Rundfunkgebühren, die immer noch von meinem Konto abgebucht wurden. Ob wenigstens die Pension noch ordentlich überwiesen wurde?

Wir waren jetzt seit sechs Monaten sicher unter der Erde. Ab und an wurden wir durch ein Schlagen gegen die Bunkertür aufgeschreckt das aber nie lange anhielt.
Aber den 22.09.2020 werde ich nicht vergessen. Gerade als sich Josefine dem Grafen, genau da gab das DVD Laufwerk den Geist auf.
Es folgte eine beklemmende Zeit der Stille. Es war extrem schwer für uns und nur die dürren Meldungen aus dem Radio halfen unserer kleinen Familie darüber hinweg.
Erstmals wurde auch über einen Ausstieg diskutiert.

Hoffnung
Der Gesundheitsminister war jetzt wohl Kanzler sagte das Radio und hatte, dank seiner guten Verbindungen zur Pharma Industrie einen Impfstoff binnen Rekordzeit entwickeln lassen. In kürze sollte mit der Verbliebenenimpfung begonnen werden, so der Kanzler.
Sofort begann im Bunker eine hitzige Diskussion, wie wir als deutsche Familie wohl möglichst schnell an diese Impfung kommen könnten.
Das war eine kurze Flamme der Hoffnung, ich erinnere mich, wir hatten beschlossen die Frau nach draussen zu schicken um das zu regeln.
Aber bereits nach zwei Tagen berichtete das Radio von hochgefährlichen Mutationen. Der Kanzler bat die Leute um Geduld, im Gegenzug wurden die verbliebenen Frisörläden geöffnet.
Jetzt wollte die Frau erst recht nach draussen. Es entspann sich ein hitziger Streit den das Radio letztendlich schlichtete. Es gäbe keine Frisöre mehr, so die Meldung.

60 Wochen
Das Radio ist seit 14 Tagen tot. In der letzten Meldung ging es um irgendwelche Neuwahlen und die Kandidatenauswahl dazu.
Der Strom ist nur noch selten da und die sechs Autobatterien liefern nicht einmal genug Saft für lauwarmes Nudelwasser.
Seit 8 Tagen essen wir kalt. Der Faber Sekt ist vertrunken. Die Bierdosen stehen leer aber unzerdrückt und sauber aufgestapelt in Raum 2. Es ist ja Pfand drauf.
Uns geht es nicht gut. Wir sind der Pandemie müde.
60 Wochen sitzen wir jetzt im ASB4. Die letzten Geräusche der Aussenwelt haben wir vor Monaten vernommen. Ein zaghaftes Klopfen.
Es hilft nichts, jemand muss raus. Die Frau ist immer noch sauer wegen damals, die Kinder zu nix zu gebrauchen, also bleibt es an mir hängen.

Idioten
Die Tür klemmt. Keinen Millimeter lässt sich die Bunkertür bewegen. Sie scheint komplett verklemmt. Ich frage mich was da für Idioten auf der anderen Seite am Werke waren? Welch rohe Gewalt um 25 cm dicke Kruppstahltüren derart zu verbiegen.
Gibt es denn überhaupt keine Mitmenschlichkeit mehr auf dieser Welt? Den Leuten musste doch klar sein, dass hinter dem Stahl Menschen sind. Menschen die Angst haben und überleben wollen. Idioten.
Aber Vater Werner war schlau. Er kannte seine Mitmenschen schon damals. “Egal was passiert, die Schneiders kommen nicht rein” sagte er immer.
Er plante einen perfekt getarnten Notausstieg. Und der war frei.

Grelles Tageslicht
Aber das hatten wir ja schon.
Ich bin jetzt die ganze Siedlung abgelaufen. Die Autos fehlen großteils, in manchen Gärten sind Gräber. Der Supermarkt ist geplündert, der Pfandautomat, ich habe eine Dose mitgenommen, defekt.
Endlich kann ich einmal einen Blick auf das Schwimmbad von Metzgers werfen, das Gartentor ist offen. Hinterm Haus das Becken, naja – so toll ist es auch nicht. Metzgers schwimmen drin. Ich muss mich übergeben.

Dank dem ASB4 scheinen wir die die einzigen verbliebenen Bewohner der Frühlingssiedlung. Dabei war das Viertel mit den vielen Einfamilienhäusern gerade bei gut verdienenden Grünenwählern extrem beliebt.

Verdammt.
Mir wird klar, die Immobilienpreise sind am Boden.
Ich muss husten.

2020 – ein gutes Jahr.

Nur ein paar Worte.

CCC

Corona, Covid, Chaos kurz CCC war die beherrschenden Buchstabenkombi im Jahre 2020. Dicht gefolgt von SSS – Söder, Spahn und Sterbezahlen.
CCC & SSS haben FFF, DSDS und sogar GNTM aus den Medien verdrängt und wir haben erkannt, was biologisch ohnehin unausweichlich ist, wir werden alle sterben.
Jetzt die erste gute Nachricht, wenn Sie diese Zeilen lesen, dann habe Sie überlebt und immer noch Zugang zum Internet, Strom im Kühlschrank und wahrscheinlich ein Dach über dem Kopf.

Corona ist ein Scheibenreiniger

Als Brandbeschleuniger wurde das Auftauchen des Chinavirus (D. Trump) gerne bezeichnet. Ein Brandbeschleuniger für notwendige Innovationen.
Das seh ich anders. Corona ist nur ein Scheibenreiniger.
Dank Corona habe wir freie Sicht auf den Weg in die Zukunft bekommen.
Dieser Weg ähnelt eher eine Baustelle. Wir sind die Karavane die sich über ihn quält, dabei ist das Gros noch gar nicht gestartet.
Zu bequem war es im Hier und Jetzt.

Der Disrupter

Das ist der, der unterbricht, der Dinge auf den Kopf stellt, der das “… das haben wir schon immer so gemacht” in die Tonne tritt.
Oft handelt es sich dabei aber nur um alten Wein in neuen Schläuchen.
Aber Corona war und ist ein Disrupter.
Das Abführmittel für eine übersättigte, selbstgefällige und überalterte Wohlstandsgesellschaft. Eine Gesellschaft, die von allem zu viel hat. Wir leben in einem chloroformierten Land sagte Roger Willemsen einmal.
Und jetzt kommt Corona und Geschäfte, Theater, Gottesdienste, der Urlaub und sogar das Oktoberfest gehören nicht mehr zu Rhythmus dieser langsam wabernden Gesellschaft.

Survival of the fittest

Wie ein Heuschreckenschwarm fällt das Virus über die Welt her.
Egal wo man hinsieht, es ist überall. Keiner scheint sicher, nicht einmal Reichtum schützt garantiert vor Covid19.
Corona achtet nicht auf Klassenzugehörigkeit, das macht es fast schon sympathisch.
Und die Politik? Steht zunächst orientierungslos mitten um Schwarm.
Eine Aktion erfordert eine Reaktion. Und die Reaktion des modernen Menschen auf Belastungen ist shoppen gehen. Es kommt zu Hamsterkäufen, denn morgen geht die Welt unter. Pflanzte man in den 80ern noch ein Apfelbäumchen, so ist heute Klopapier die erste Wahl bei Krisen.
Die westliche Welt hat die Hosen voll. Ebola, Malaria und Dengiefieber hat ja immer nur die “da unten” betroffen. Die größte Katastrophe war bis dato der Absturz von Urlaubsfliegern.

Die Politik reagiert

Am 27. Januar erreicht Corona Deutschland. Bei einem Autozulieferer in Bayern werden nach einem Meeting 16 Menschen infiziert. Der Spiegel meldet: Die Infektionskette wurde gestoppt.
Am gleichen Tag gibt Gesundheitsminister Jens Spahn Entwarnung. Das Virus sei harmloser als eine normale Grippe.

“Wir haben gelernt aus den letzten Jahren” sagt Jens Spahn am 03.02.2020 zum Thema, wie gut sind Intensivstationen auf C19 vorbereitet.

Und er ergänzt später “Die Folgen von Angst können weit größer sein als das Virus selbst” in einer Rede vor dem Bundestag.

Das Robert Koch Institut schätzt noch am 12. Februar 2020 die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland durch die neue Atemwegserkrankung weiterhin als gering ein.

28. Februar. Der Krisenstab des BMG hat seine zweite Sitzung “Der Aufbau des Krisenstabs zeigt: Wir nehmen den Ausbruch des Coronavirus ernst und reagieren darauf, dass die Epidemie jetzt Deutschland erreicht hat”, so Bundesgesundheitsminister Jens Spahn danach.

Am 9. März informiert Spahn die Öffentlichkeit über den Sachstand der Covid19 Impfung. Fazit – aktuell mau.

Einen Tag später empfiehlt der gemeinsame Krisenstab des BMI und BMG die Absage aller Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 erwarteten Teilnehmern und empfiehlt die Bestellung von 10.000 Beatmungsgeräten bei der Firma Dräger.

Am 14. März 2020 warnt das Gesundheitsministerium warnt vor “Fake News”.

Echte Fake News Warnung aus Spahns Ministerium

Es kursierten “Gerüchte im Netz”, wonach die Bundesregierung weitere Ein-schränkungen des öffentlichen Lebens plane.
Noch 9 Tage …

Am 13. März beschliesst Bayern: Kein Unterricht an Schulen, geschlossene Kindergärten, ein eingeschränktes Besuchsrecht in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen bis 19.04.2020

Als Randnotiz ist zu vermerken, dass am 15. März Kommunalwahlen in Bayern stattfinden. Im Vorfeld gab es Diskussionen, ob denn die Sicherheit der Wählenden gewährleistet ist.

Schützt laut CSU vor Ansteckung.

Die CSU empfahl darauf hin, einfach einen eigenen Stift zur Wahlurne mitzubringen. Die Partei setzt auf Letztwähler.
Keine 24 Stunden später ruft die CSU den landesweiten Katastrophenfall aus.
Krankenhäuser werden angewiesen planbare Operationen abzusagen.

8 Tage später, am 23. März geht das Land in den ersten Lockdown.
Ab dem 02. April werden Masken empfohlen, am 03. April stellt man fest, dass es nicht genug Masken gibt. Eigentlich gibt es so gut wie gar keine Masken.
Das RKI lässt verlautbaren, dass man sich durch einen solchen Mund-Nasen-Schutz nicht zu sicher fühlen sollte.

Am 24. April erteilt sich Jens Spahn seine Absolution mit dem Satz :  „Wir werden in ein paar Monaten wahrscheinlich viel einander verzeihen müssen.“
Es ist ein politischer Freifahrtschein. Doch zunächst kommt der Sommer.

Not AUS und Covidioten

Die Gesellschaft legt am 23. März 2020 eine Vollbremsung hin. Weltweit.
Flugzeuge bleiben am Boden. Hierzulande schliessen Geschäfte, Kurzarbeit, der Kultur- und Eventbranche wird der Stecker gezogen.

„Die Einschränkung der Freiheit ist notwendig, um die Verbreitung des Virus zu verlangsamen, damit sich unsere Kliniken vorbereiten können“, so Spahn.

Es entsteht eine breite Gegenbewegung zu den Massnahmen. Wie bei allen neuen Bewegungen tummelt sich dort allerlei Volk. Menschen die um ihre Existenz fürchten, Menschen die den Nutzen der Massnahmen hinterfragen, Esotheriker, Naturheilkundler, Aluhüte und natürlich die neuen Rechten. Die nicht mehr mit dem Kampfstiefel über den Asphalt marschieren, sondern Strömungen sehr geschickt für sich nutzen und darauf surfen.

Alle werden von Politik und Medien unter dem Begriff Covidioten zusammengefasst. Es gibt nur noch 2 Lager. Die Regierung oder die Straße.
Schwarz oder weiß, gut oder böse.
Und natürlich gibt es Covidioten unter den Menschen – aber auf beiden Seiten.
Es ist keine schöne Stimmung im Land. Das Denunziantentum erlebt eine Hochphase. Druck erzeugt Gegendruck.

Maßnahmen

Der eigene Stift, in die Armbeuge husten, 60 Sekunden Hände waschen, einsfünfzig Abstand halten, irgendeine Maske tragen war der Maßnahmenweg bis zum Lockdown.

Dann flüchtete sich die eine Hälfte der Bevölkerung ins Home Office, während der Alltag der andere Hälfte sich nur gering veränderte. Es waren dies die Pflegekräfte, Ärztinnen, Paketzusteller, fast alle Handwerker, Kassiererinnen oder Schlachter und Zerleger.
Fakt war, wer ins HomeOffice flüchten konnte war nicht systemrelevant.
Für alle anderen wurde geklatscht.
Es gab Lockdowns auf Städte und Kreise beschränkt und “Grenzkontrollen” innerhalb Deutschlands, von der EU ganz zu schweigen.
Als ob sich eine Pandemie darum scheren würde.

Landesfürsten und Gesundheitsminister rangen um die Deutungshoheit. Bei Laschet, Spahn und Söder auch um die Frage der künftigen Kanzlerschaft.
Die Kanzlerin war abgemeldet.
Bild, Virologen, Umfragewerte und das RKI bestimmen seit Corona das Vorgehen der Politik.

Letztendlich lief alles auf AHA und höhere Bussgelder hinaus.
Parallel nahmen die Proteste zu. Wann immer ein Protestteilnehmer an Corona erkrankte wurde dies medial regelrecht gefeiert.
Politiker gingen in Quarantäne und meldeten sich über Social Media aus der Vereinsamung.

Der Sieg der Zahlen

Täglich werden Zahlen präsentiert, oft ohne Bezugsgröße.
Die Bundesligatabelle ist nur halb so spannend wie die Rangfolge der Infizierten oder Toten pro Land.
Es sind absolute Zahlen, die sich nicht an der Einwohnerzahl bemessen.
Wenn zum Beispiel Brasilien Großbritannien überholt, weil dort am Tag X 973 mehr Menschen an C19 sterben, dann wird komplett ausser acht gelassen, dass Brasilien dreimal soviel Einwohner wie das noch Vereinigte Königreich zählt.

Infizierte werden mit Erkrankten gleichgesetzt und eine immense Angst geschürt. Es kann jeden der 82.000.000 Menschen im Lande treffen, jederzeit.
15.000 Infizierte? 20.000 Infizierte? 800 Tote? 1000 Tote?
Die Zahlen des RKI werden zum Leitindex unseres Lebens und zur Vorgabe für Handlungen der Politik.

Bad news are good news.

Die Corona Berichterstattung ist ein verantwortungsloses Spiel der Medien um Traffic, um Clicks zu generieren. Kaum gehen irgendwo die Zahlen herunter, zieht man ein X-Beliebiges Land aus dem Hut und schreit “Schaut da hin! 150% mehr Tote in 24 Stunden”.

Indien ist immer dankbar. 92000 Neuinfektionen an einem Tag, mehr Infizierte als die USA wurde im September getitelt. Indien hat 1.300.000.000 Einwohner und übrigens 80.000.000 Millionäre, nur um einmal ein Gefühl zu bekommen.

Infizierte werden zu den neuen Zombies, sie sind unter uns.

Corona überleben

Was vor Corona wirklich schützt kann man sich mit allem Geld der Welt nicht kaufen – Jugend.
Afrika kommt sehr gut durch die Pandemie.
Das Durschnittsalter beträgt dort 19 Jahre, bei und ist es 45.

Corona ist für Senioren eine tödliche Gefahr.

Todesfälle nach Altersgruppe

Wir hatten bei den 20-29 Jährigen 28 Tote durch C19, im gleichen Zeitraum über 400 Verkehrstote in dieser Altersschicht. Also ist für diese Altersschicht die Fahrt zum Testcenter gefährlicher als C19.

Daher ist es oberste Priorität die Menschen über 60 zu impfen.
Alle anderen können, nein müssen warten, denn auch eine geimpfte Person kann das Virus weiter übertragen. (SWR)
Aber wir müssen auch akzeptieren, dass sich Menschen nicht impfen lassen wollen. Die Drohung, diese Menschen dann aus der Behandlung zu nehmen, wie bereits diskutiert, ist aus meiner Sicht eine Unverschämtheit.
Was kommt als nächstes? Raucher bekommen bei Lungenkrebs keine Behandlung? Übergewichtige werden aussortiert wenn es um Diabetisbehandlungen geht? Sind doch alle selber schuld. Nicht angeschnallt am Unfallort? Einfach liegen lassen. Wildschweinfutter.

Die klare Sicht

Das C in Corona steht für Chance.
2020 hat uns ganz klar gezeigt wo wir stehen. Es hat uns gezeigt, dass Deutschland in vielen Bereichen den Anschluss verloren hat. Die chlorifizierte Republik wurde aus ihrem wohligen Traum gerissen.
Corona hat uns gezeigt, was passiert wenn man Bereiche kaputt spart, wenn das ich wichtiger als das wir ist.
Corona hat uns gezeigt, dass eine Konsumgesellschaft sehr verletzlich ist und letztendlich nichts von Bestand darstellt.
Und es hat uns die Gräben in der Gesellschaft aufgezeigt, tief, breit und fast unüberwindbar. Es ist Zeit Brücken zu bauen.

Über den Begriff “Neuland” wurde lange gewitzelt.
Corona hat gezeigt, dass er traurigste Realität ist, wir sind ein Altland, oder besser Analogland.
Die Bildung hat es besonders kalt erwischt. Die digitale Schule ein Albtraum.
Keine Ideen in Sicht. Zumindest das bayerische Kultusministerium scheint komplett überfordert.
Ohne Konzept jeder Lehrkraft einen Laptop zu spendieren bringt uns auch nicht weiter, da ist so, als würde man jedem Gärtner einen Schubkarren schenken, damit im Garten war voran geht.

Die Sommerzeit hat man genutzt um ein Lüftungskonzept zu erarbeiten. Bitte klatschen Sie jetzt.
Warum gibt es kein SchulTV? Der Stoff in Physik ist in der 5ten Klasse Realschule in ganz Bayern identisch. Warum wird der Stoff nicht zentral, gut medial aufgearbeitet angeboten? Warum muss jede Lehrkraft vor ihrer Klasse digital via Webcam performen? Die wenigsten taugen zum Moderator, dafür sind sie nicht ausgebildet.

Was die Politik angeht, erwarte nichts und du wirst nicht enttäuscht werden.
Im Endeffekt versucht man nur die Zeit bis zum Impfstoff, alternativ zum Sommer, zu überbrücken, legt dabei ganze Branchen lahm, nach welchen Vorgaben bleibt schleierhaft. Vom Gefühl her würde ich sagen es sind die, die keine echte Lobby haben.
Politische Aktionen wie das Abbestellen der Beatmungsgeräte durch Spahn im November 20 (ca. 1600 der 10.000 wurden ausgeliefert) bei gleichzeitiger Dauermahnung über mangelnde Intensivbettenkapazitäten passen nur dann zusammen, wenn man weiß, dass man zwar Betten fast beliebig freigeben, aber kein Personal dafür klonen kann.
Und im Gegensatz zum Standardpolitiker muss der Intensivpfleger etwas können.

Vieles wirkt wie blanker Aktionismus. Was heute wichtig, das war gestern noch egal.

 Ein Tempolimit würde wohl einige junge Leben retten
Ein Tempolimit würde wohl einige junge Leben retten.

Corona hat uns auch gezeigt, dass man mal ohne Oktoberfest, Kreuzfahrt und Fernreise auskommen kann. Es hat die Rhythmen durchbrochen und Raum für neue Aktivitäten geschaffen.

Seit Beginn der Pandemie gilt: Steck dich und andere nicht an und tue das nötige dafür. 
So einfach wäre das, aber seit Beginn hat die Politik den Bürgern nicht zugetraut, dass sie das selbst hinbekommen.
In der ganzen Diskussion vermisse ich den Adlerblick, den Blick aufs Ganze.
Große Teile von Politik und Medien sitzen wie das Kaninchen vor der Schlange. Erstarrt blicken sie auf die Zahlenschlangen und sind unfähig zu langfristigen Handlungen.
Das finde ich schade.

2021

Parks, Restaurants, Kinos, Friseure, Tattoostudios und Theater bleiben zu, während bei den Autoherstellern die Bänder rauschen, man ÖPNV nutzen soll und sich die Leute in den Bergen gegenseitig auf die Füsse treten.
Wir erleben einen “harten” Lockdown der nur 10% der Bevölkerung betrifft. Der Rest ist in Kurzarbeit, verbeamtet, bei Großkonzernen oder zählt zu den 26.000.000 Pension/Rentenbeziehern.

Ohne Kunst und Kultur wird es still – so der Titel einer Kampagne der Kulturschaffenden.
Das wurde es auch, nicht nur an Silvester.
Aber Kunst und Kultur wird seinen Weg wieder finden, letztendlich unterscheidet uns das vom Affen.
Ich bin da optimistisch.
Das schaffen wir.

Freuen wir uns auf 2021.

Epilog

Wir haben uns so auf Corona fixiert, dass ganz nebenbei Aserbaidschan mit Erdogans Hilfe Bergkarabach in Schutt und Asche bomben konnte und es hat keinen interessiert. Am wenigsten Heiko Maas unseren Aussenminister. Der war da gerade einsam in Quarantäne.

Ein Minister leidet öffentlich, es ist zum Fremdschähmen.

Julian Assange wird aktuell der Prozess gemacht – auch nicht so wichtig.
Verkehrsminister Scheuer verschleudert hunderte Millionen Steuergelder.
Die Chinesen kaufen wieder deutsche Autos wie bekloppt. Audi und BMW freut es und es werden fette Boni ausgeschüttet.
TUI & Co sind systemrelevant – weil Urlaub – und erhalten Milliarden Steuergelder.
Die E-Autos in Deutschland boomen, da man ohne Bonitätsnachweis bis zu 9500€ vom Steuerzahler bekommt, wenn man sich  für ein lokal emissionsfreies Gefährt entscheidet.
Merke: Geringverdiener kaufen keine E-Autos, wollen deren Kinder aber die 3×500€ Corona Studienzuschuss, dann muss man sich finanziell offenbaren.
Unzählige Pflegekräfte erhalten keinen Corona Bonus.
Selbst die Abwahl Trumps geht fast im Coronafieber unter.
Dabei hat Trump einen schönen Satz von sich gegeben:
“Don’t let the virus dominate your life.”

Corona – Respekt statt Repressalien

Ich bin ja gerade in diesen Wochen sehr oft in Kliniken. Auf Arbeit mit Kamera.
Ich erlebe immer ein hochmotiviertes Team aus Schwestern, Pflegern, Ärztinnen und Ärzten.
Mit viel Galgenhumor wenn es um die Anerkennung des Berufes gerade bei Schwester und Pfleger geht.
Natürlich befinden sich auch Covid Patienten in den Kliniken. Aktuell steigen die Zahlen und glaubt mir, keiner will das Bett mit einem Covid Patienten tauschen.

Das Virus ist da und es stecken sich Leute an, das ist der Fakt. Was ein absoluter Blödsinn ist, das ist ein Lockdown light wie er der Politik als Allheilmittel einfällt. Das sind die Reaktionen einer Gesellschaft, die das Miteinander und den Respekt voreinander scheinbar verloren hat.

Ich mag die Maske nicht, aber trage sie Dritten gegenüber aus Respekt. Weil diese Leute sonst Angst haben. Damit kann ich leben, das werde ich überleben.
Schwerer tue ich mir mit Söders Panik- und Prügelpolitik. Die bringt uns nicht weiter und AHA wird zu “Alle haben Angst”.

Also – passt auf, dass eurem Nächsten nichts passieren kann. Dann wird alles besser.

Ja, das Bild ist reisserisch. Covid19 Kleidung und garantiert 100% nicht atmungsaktiv. Muss ja.