Gestorben wird nimmer

Geschichten aus dem Corona-Alltag

Jens S. ist Bestatter aus Leidenschaft.
Er führt sein Unternehmen “Ruhe endlich” nun schon in sechster Generation. “Gestorben wurde ja schon früher und eine Leiche mag keiner rumliegen haben, das hat mein ururUrurgroßvater früh erkannt”.

Die Idylle trügt.

Als im Jahr 2020 die Sterbezahlen durch Covid19 explodierten traf es S. vollkommen unvorbereitet.
“Ich meine du schaust ja immer was im Dorf so los ist, wer alles in Rente geht oder ein Motorrad kauft, da bekommst du ein Gefühl für das Geschäft. Aber Corona hat auch uns kalt erwischt”

Das nahe Seniorenheim stellte S. vor fast unlösbare Aufgaben.
“Wir haben dann schnell 2 Leute eingestellt, ein weiteres Auto angeschafft und die Kühlkapazitäten erhöht”
Im nahegelegnen Schlachthof mietete S. langfristig 2 Kühlkammern.
“Die stehen natürlich gerade leer, das neue Auto kostet nur Versicherung und fährt nichts ein.”

Schuld gibt S. der Impfstrategie der Bunderegierung. “Wir sind die Impfverlierer. Zuerst die Alten, das war doch klar, dass das schief geht” Nach einer Pause fügt er hinzu: “Für uns”.

S. ist verzweifelt. Die aufgenommenen Kredite drohen ihn zu erdrücken.
“Jetzt kommt noch haufenwiese Astra rein für die Ü60. Wie soll ich da auf meine Kosten kommen?”
S. ist nicht der einzige, die ganze Branche leidet seit der Impfoffensive.
Nur ein Corona-Soforthilfepaket für die Bestatterbranche könnte helfen, so S. “Man kann uns doch jetzt nicht sterben lassen? Wir sind doch ein jahrhunderte alter Teil dieser Kultur.”

Bis sich Berlin entscheidet hofft S. auf gutes Wetter und damit auf die laufende Motorradsaison.
“Man nimmt halt was man bekommt. Du bist grad echt dankbar für jeden.”

Dann blickt er auf den nahen Friedhof.
“Ein Impfzwang wäre der sichere Tod für uns.”

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