URSA mini 4K EF – eine Zwischenbilanz Teil 1 – Basics

Seit einiger Zeit gehört die URSA mini 4K mit EF Mount jetzt neben der Sony PDW700, der BMPC 4K und der Sony FS100 zu unserem Equipmentpool.
Im Teil 1 der Zwischenbilanz geht es um das Grundsätzliche rund um die URSA mini.

Blackmagic URSA mini 4K warum?

Es war pure Neugier und die sehr guten Erfahrungen mit der Blackmagic Production Camera BMPC 4K.
Und natürlich das Design – endlich eine Schultercam mit S35.
Ausserdem hat die BMPC 4K aus meiner Sicht zwei Nachteile.
BMPCRIG
Da ist zum einen die Bauform, die Kamera muss in ein Rig um alltagstauglich zu werden, der zweite und schwerwiegendere Nachteil ist die Audiosektion.
Die externen 6.3mm Klinke-Audioeingänge sind die besten nicht, selbst über Mischer ist immer ein leises Rauschen zu hören. Der Filter von FCPX bekommt das zwar gut raus, aber toll ist das trotzdem nicht.
Beides sollte die URSA mini beseitigen.

URSA mini – das ganze Paket lohnt

Wer die URSA mini nicht kennt, dem sei die Seite des Herstellers Blackmagic empfohlen.
Den Slogan: “Die leichteste handgehaltene Super-35-Digitalfilmkamera der Welt!” halte ich übrigens für einen der dümmsten seiner Art. Handgehalten?
Eine alltagstaugliche URSA mini besteht meiner Meinung nach aus vier Paketen.

Der URSA mini Body

Die eigentliche Kamera kommt bereits drehfertig zum Kunden. Im Paket ist der Body mit Ausklappsucher, ein Haltegriff und ein Netzteil zur Stromversorgung. Damit könnte man schon losdrehen, sofern man ein Verlängerungskabel, EF Mount Optiken und Speichermedien hat.
Mit im Lieferumfang ist ein USB Dongle für die Vollversion der Grading/Schnitt und Color Correction Software Resolve Studio.

Der URSA Viewfinder

ist sehr empfehlenswert, auch wenn er im Vergleich zum preisgünstigen Body sehr teuer erscheint. Aber nur für jene, die aus der DSLR Ecke kommen. Schaut euch einfach mal die Sucherpreise für eine PDW an.
Der URSA Viewfinder ist farbig, solide und hat eine ausgezeichnete HD Bildqualität.

URSA Viewfinder

Die Schärfe lässt sich damit sehr gut beurteilen. Infos zum Viewfinder gibt es als Bewegtbild hier.
Aber der URSA Viewfinder kann nur auf der URSA mini montiert werden, wenn…

das URSA Shoulder Kit

… mitbestellt wurde. Der Kit beinhaltet eine Schulterauflage mit Quick Lock Anschluss für Stativplatten, Arri Rosetten, Rod Aufnahmen, einen Tragegriff und einem Arm.

URSA mini Shoulder Kit

Und in jenem Tragegriff wird der Sucher befestigt.

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Eigentlich ist die Kamera mit Shoulder Kit und Viewfinder fast komplett. Wer aber auch mal ohne Netzteil drehen will, also jeder, der braucht noch ein

URSA Battery Plate.

Ich empfehle die von Blackmagic gelieferte Platte für den Betrieb mit V-Mount Akkus.
Blackmagic_URSACamera_V-LockBatteryPlate_LeftAngle_rgb

Warum? Weil einfach schon der richtige Anschlusstecker zur URSA montiert ist. Schrauben und Dichtgummi passen auch perfekt und so ist die Montage in 5 min erledigt.

Die URSA mini 4K drehfertig

könnte dann so aussehen:
URSA mini Set machdas

Damit ist die URSA auch optisch eine sehr schöne Kamera.
Das Auge dreht ja bekanntlich mit.



Medien für Medienleute.

Wer die Aufnahmen der URSA mini speichern möchte, der braucht natürlich ein Medium.
Blackmagic setzt hier auf die leider immer noch sehr teuren CFast 2.0 Karten.
Die sind damit auch kein Medium, das man dem Redakteur oder Autor einfach so mitgibt.

Der Einsatz von CFast 2.0 Karten macht aber durchaus Sinn, da die URSA mini fast alle ProRes Codecs, selbst ProRes444HQ, und dazu 2 RAW Codecs beherrscht.
Und diese Codecs sorgen für einen ordentlichen Datendurchsatz.
CinemaDNG RAW schickt in 4K bei 30 Bildern/s immerhin 265 Megabyte (Byte, nicht Bit) pro Sekunde zur Karte.
Bei Apple ProRes422, dem Brot und Butter Codec, sind es in UHD 123 MegaByte/s bei einem Dreh mit 50 fps (frames per second), das sind fast 2.5 MegaByte pro Einzelbild.
(Einmal ein kurzer Exkurs zur beliebten PDW700, die zeichnet HD 422 bei 25 Bildern/Sekunde mit 50 MBit/s auf – das sind 0.25 MByte/s pro Einzelbild.)

Damit gehen auf eine 256GByte CFast2.0 Karte in ProRes422/50fps ca. 33 Minuten buntes Bewegtbild.
Blackmagic führt dazu im Web eine Liste mit geeigneten CFast 2.0 Karten für die URSA mini.
Vorneweg, es sind allzu nicht viele und die maximale Grösse liegt derzeit bei 256 GB.

Was nutzen wir? Transcend CFast 2.0 CFX 650
Warum? Preis Leistung – beim Alternate.de gibt es die 256er für 300€ netto (Stand Juni 16)
Läuft? Läuft.

Empfehlenswert ist das Transcend CFast Lesegerät mit USB 3.0.
Wer einen neueren Mac mit USB 3.0 sein eigenen nennt für den gilt Finger weg vom D-Lock C-Fast Reader mit USB 3.0, der wird am Mac nicht erkannt.

Die Codecs

sind mit ein Grund, warum die URSA mini so interessant ist.
Blackmagic setzt wie ARRI, RED, Atomos oder AJA auf die von Apple entwickelten ProRes Codecs.
ProRes ist einfach der Industriestandard, jedes professionelle Schnittsystem kann damit umgehen und es ist Hersteller übergreifend.
Ich habe die Nase voll von den eigenen Codecsüppchen von Sony und Panasonic. Dieses künstliche Kastrieren der Cams, wie es die Japaner wieder bei der FS7/FS5 vorgeführt haben. Die FS5 zeichnet intern nur in 4:2:0 auf, damit die, die mehr als Hochzeitsfilm machen die FS7 kaufen, die kann 4:2:2. Das nervt.

Vorher im Text, bei den Speichermedien wurde es ja schon angerissen, je besser, also verlustfreier der Codec arbeitet, desto mehr Platz braucht er.
Wie erwähnt bietet die URSA mini den gleichen ProRes Codec Umfang wie die ARRI Amira/Alexa.
Jeder der sein Material ins Grading schickt sollte ein Augenmerk auf die Codecs haben, die seine Wunschkamera bietet. 4:2:0 (FS5) ist wirklich nicht mehr Zeitgemäss und eine Frechheit dem Kunden gegenüber.

Die Haptik

Also wie fühlt sich die Mühle an? Sehr gut.
Ich hatte eine Sony FS7 nur einmal in der Hand, bei einem HandsOn eines Münchener Händlers. Nette Kamera, aber dieses Plastikgehäuse gefiel mir nicht wirklich.
Das URSA mini Gehäuse ist aus einer Magnesiumlegierung gefertigt. Es fühlt sich wirklich gut an, selbiges gilt für den Sucher und das Shoulder Kit. Es wirkt auch sehr robust, was im Alltag nicht schaden kann.
Die Kamera ist kein Leichtgewicht, aber mit 2,3 Kilo (Body) auch nicht zu schwer.

cfast slots

Ungewohnt ist die fehlende Abdeckung der Speicherkartenslots.
Wenn beide Karten darin sind, kein Problem, aber ist die Kamera nur mit einer Karte bestückt, dann bleibt das ungute Gefühl, dass eventuell Schmutz eindringen könnte.
Ausserdem sind die Karten nicht ganz billig – da wäre eine kleine Plastikabdeckung ganz sinnvoll.
Für den Schulterbetrieb kommt der Handgriff zum Einsatz.
Die Kamera ist samt Optik sehr kompakt.

Der Ausklappmonitor

ist sehr gut von der Detailschärfe her.
Schon der Monitor bei der BMPC4K war von der Schärfe faszinierend. Bei der URSA mini hat er die volle HD Auflösung von 1920×1080 Pixeln.
Der Monitor lässt sich um 90 Grad ausklappen und um 90 Grad nach oben und unten schwenken. Das könnte mehr sein. Schön wäre es auch, ließe sich der Monitor um 180 Grad schwenken und mit dem Display nach aussen flächig wieder einklappen.
Der Monitor ist die Bedienzentrale der URSA mini. Alle Einstellungen werden über Softwaremenus vorgenommen. Dinge wie Gainschalter oder Line/Mic Switche sucht man am Body vergebens. Alleine zwei Lautstärke IN Regler sind vorhanden.
Fällt der Monitor aus, fällt die URSA aus.

monitor5zoll

Setzt man die URSA mini 4K nur im Studio ein, dann reicht dieser Monitor aus.
Für Aussendrehs braucht es aber dann einen Augensucher wie den URSA Viewfinder oder den Zacuto Gratical HD.
Ich empfehle aber den URSA Viewfinder, dann passt zusammen was zusammen gehört.
Gleiches auch beim Sucher, der lässt sich zwar nach oben und unten klappen, aber auch nur um 90 Grad. Etwas mehr, so um die 120 Grad wäre besser.

Hört auf die Signale

Anschlüsse für Video und Audiosignale besitzt die URSA mini zur Genüge – inkl. 12 GBit SDI. Und endlich auch vernünftige Toneingänge – sprich XLR. Ich finde allerdings die Lage oben auf der Cam gewöhnungsbedürftig. Beim Anschluss eines Mischers samt Assistenten mit Eigenleben kann da ein unguter Zug nach unten entstehen.

Connect

Ausserdem sind die XLR Buchsen etwas hackelig, das heisst ein XLR Stecker geht gut rein, mag aber nicht so elegant wieder heraus.
Die Eingänge können von Line auf Mic umgeschalten werden und eine Phantomspeisung ist ebenfalls wählbar. Aber nicht einzeln für die Eingänge.
Sehr clever ist der SDI in – warum? Dazu in Teil 2.

Handgriff

Noch ein paar Worte zu dem der URSA beiliegenden Handgriff.
Dank ARRI Rosettenanschluss kann der vielfältig montiert werden.
Der Griff fasst sich gut an und wird über ein mitgeliefertes Kabel mit dem Lanc Anschluss der Kamera verbunden. Damit sind der Blende/Schärfe und Record Button auf dem Griff aktiv. Blende und Schärfe Button machen allerdings nur bei Verwendung entsprechender Objektive Sinn.
Dem hier gezeigten Walimex 35mm ist das herzlich wurscht. Es ist ein komplett analoges Objektiv.
Verwendet man allerdings moderne Canon Fotooptiken wie das Canon EF 24-105 USM, dann bringt das durchaus etwas. Über den Focus Button wird dann zum Beispiel der Autofocus aufgerufen.


In Verbindung mit dem Arm aus dem Shoulder Kit wird so auch eine feine Schulterkamera aus der Blackmagic URSA mini.

Firmware Update

Die URSA mini ist wie alle modernen Kameras eigentlich ein filmender Computer.
Das hat Vor- und Nachteile. Wie jeder Computer muss die URSA mini booten, also ihr Betriebssystem (Firmware) laden, das dauert, wenn auch nur 3-4 Sekunden.
Zu den Vorteilen gehört die Flexibilität. So wurde der ProRes444HQ Codec beim Firmwareupdate auf die Version 3.2 nachinstalliert.
Gibt es eine neue Firmware, stellt diese Blackmagic immer als ein “Blackmagic Camera Update” getauftes Programm ins Netz.
firmware
Einfach das Programm herunterladen, die URSA via USB mit dem PC verbinden, Programm starten und der Rest passiert automatisch. Gleiches gilt für den Viewfinder, auch dieser besitzt einen USB Port über den die Softwareupdates eingespielt werden können.
Die Käufer wünschten sich zum Beispiel, dass man das Tally (Rotlicht bei Aufnahme) dauerhaft abschalten kann. Mit dem Update zur 3.2er Version ist dies jetzt im Menu des Viewfinders möglich.
Das “Blackmagic Camera Update” Programm gilt übrigens immer für alle BM Kameras und Viewfinder.

Soweit Teil1 der Blackmagic URSA mini Zwischenbilanz.
In Teil 2 geht es darum, die Mühle drehfertig zu bekommen.
Und die Frage zu klären, taugt die schwarze Magie auch für den EB Einsatz?

Fazit – wer mit der URSA mini liebäugelt, der sollte unbedingt auch den URSA Viewfinder, das Battery Plate und das Shoulder Kit mit auf die Bestellliste setzen.
Zumindest wenn er damit ausserhalb eines Studios unterwegs ist.
In der aktuellen Zusammenstellung wirkt die kleine URSA richtig erwachen.
Warum die Blackmagic URSA mini 4K EF aber nur bedingt als EB Mühle taugt, dazu mehr in Teil 2.

5 Antworten auf „URSA mini 4K EF – eine Zwischenbilanz Teil 1 – Basics“

  1. Hallo Christian, super Artikel. Ich habe selbst noch eine BMPCC und möchte nächstes Jahr auf die Ursa Mini upgraden, weiß nur noch nicht welche von den beiden. 🙂 Eine Frage hätte ich noch, wie schnell kann man denn zwischen Schulter und Stativ wechseln bzw. welche Stativplatte braucht man für die Mini? Grüße Tommi

  2. Hallo Christian, danke sehr aufschlußreich und praxisnah dein Artikel. Hat mir sehr geholfen. Habe die URSA mini bestellt. Ich hätte ne Frage noch zu den Akkus. Was kannst du empfehlen? Der Markt ist groß und unübersichtlich.
    Danke für ein Feedback.

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