Raum auf Rädern.

Weltumrunder T5.2 Caravelle 2.0 CR 102 PS Euro5

6,94 mal hat es der T5 Caravelle um die Erde geschafft.
278.000 Kilometer in nicht ganz acht Jahren. Drei Wasserpumpen samt Zahnriemen, AGR, Abgassensor, eine Batterie, Bremsscheiben und je drei Sätze Reifen brauchte es dazu.
Geschätzt 22000 Liter Diesel wurden in Mobilität, Wärme, Feinstaub, NoX und C02 umgewandelt.
In der ganzen Zeit blieb er nur ein einziges mal liegen – bei 272.000 km, mit defekter Wasserpumpe. Ausgerechnet in Italien. Danke an die BWLer von VW.
Und er läuft immer noch wie ein Uhrwerk, nur fährt ihn jetzt ein anderer bis zum Mond.

Ein Teamwagen ist kein Traumwagen.

Es war Zeit für einen neuen Wagen – natürlich eine Bus, natürlich ein Diesel. Es gibt weder batterie-, noch wasserstoffgetriebe Fahrzeuge in dieser Klasse und ein Benziner ist wirklich keine Alternative.

Aber was für einen? Ein T6?
Der Motor ist jetzt (leider) ein anderer. Euro 6. Bald kommt der T6.2 mit Euro6 dtemp.
Denn aktuell hat VW immer noch Abgasprobleme mit dem T6 Dieselmotor.
Über ein Jahrzehnt Betrug statt Forschung rächen sich jetzt.
Die Grundkarosse des T6 ist seit 2004 auf dem Markt und was Crashverhalten und innere Sicherheit (Airbags) angeht nicht mehr up to date.

Alternativen zum T6 gibt es mittlerweile genug. Ford Tourneo Custom.

Daher setze ich nach drei VW Caravelle diesmal bei der Marke VW aus.
Es gibt von Ford, Mercedes, Hyundai, Nissan, Citroen, Peugeot, Opel und Toyota genug modernere Alternativen.

Hyundai H1 – Der Bus aus Korea

Was macht einen idealen Teamwagen aus?

Da wäre zuerst Platz, dann Platz, Platz und ganz wichtig ist Platz.
Platz für mindestens drei Leute.
Platz für Equipment, Platz für Reisegepäck und nicht zuviel Platz wenn man das Auto in Innenstädten abstellt.
Dann spielt auch die Höhe eine Rolle, denn 1.90m und darunter machen den Van Parkgaragen tauglich.
Natürlich muss der Wagen die Abgasnorm “Euro6 dtemp” erfüllen, nicht dass man in Berlin Schnappatmung bekommt.

Was wird es?

Volkswagen T6.1 – Facelift vom Facelift, sehr teuer. hoch (>1.94m)
Ford Tourneo Custom – zu wuchtig, hoch (>1.97m)
Mercedes V-Klasse – zu lang (>5m), Facelift vom Facelift, teuer, Heckantrieb
Hyunda H1 – zu lang (>5m), Heckantrieb
Nissan NV200 – hässlich, zu klein
Volvo XC90 – leider, leider zu klein (ist ja auch kein Bus, aber sehr schön)

Valenciennes statt Hannover.

9.65 Quadratmeter Fläche muss man mindestens frei haben um einen Spacetourer/Traveller/Proace/Zafira Life darauf zu Parken.


Der im französischen Valenciennes gebaute Bus von PSA/Toyota ist mit 4.95m Länge nur 5cm länger als der T5/6 und damit immer noch gut in Städten parkbar, aber er ist nur 1.90 hoch und geht in jede Parkgarage.
Ausser in Köln, da gibt es mindestens eine mit 1,80 Meter.
Die Entscheidung fiel trotzdem nicht leicht.

Warum ist der Spacetourer ein guter Teamwagen?

Citroen Spacetourer HDI 177 PS Euro 6 DTemp

Man bekommt verdammt viel Auto für sein Geld.
Dabei zählen alleine die Angebote in diesem Internet, die weit unter den offiziellen Listenpreisen liegen.
Die Ausstattung liegt dabei weit über der eines T6 mit vergleichbarem Preis.

Fahrzeuge mit Abstandtempomat, 2-Zonen Klimaautomatik, Automatikgetriebe, 177 PS, 2 Liter Hubraum, 6 Airbags, Sitzheizung, variabler Bestuhlung, metallic, Apple Car Play, PDC&Rückfahrkamera sind schon für weit unter €30k netto zu bekommen.
Neben ausreichend Platz hat der Spacetourer einige sehr pfiffige Details die im Alltag nützlich sind.

Zum einen hat er Becherhalter über das ganze Fahrzeug verteilt.
Mir ist es ehrlich egal ob einem Auto ein Längsbaukasten oder ein Querbaukasten als Plattformkonzept zu Grunde liegt, ich brauche einen Abstellplatz für meinen Kaffeebecher.
Ich brauche erreichbare Ablagen in grosser Zahl und Lehnen an den Sitzen, eine automatische Klimaanlage und einen Tempomat.
Wer öfter weite Strecken am Stück zu zweit oder dritt fährt, der weiss wie wichtig das alles ist. Du lebst im Auto.
Ebenfalls hat der Spacetourer vier 12V Anschlüsse verteilt im Fahrgastraum, dann noch einen 220V Anschluss hinter dem Beifahrersitz.
Ein Tischchen für die hintere Sitzreihe fehlt ebensowenig wie eine praktische Taschenlampe im Heck. Natürlich gibt es USB Anschlüsse und Android/Apple Konnektivität.
Dank den per Schienensystem verschiebbaren Sitzen lässt sich der Innenraum frei umgestalten.
Der Van wiegt nur 1750 kg und kann eine Tonne zuladen, mit einer AHK 2500 kg ziehen.

Was ich jetzt schon mag?
Die hochklappbare Heckscheibe bei geschlossener Heckklappe. In Verbindung mit der Schiebetür ideal für Car2Car Drehs.

Eigens aufklappbare Heckscheibe. Nie mehr Angst aus dem Auto zu fallen bei Car2Car Drehs.

Wartungsintervalle von 50.000 km oder 2 Jahren und ein angeblicher Verbrauch von unter 7 Litern bei immerhin 177 PS halten die Kosten unten.
Er hat noch eine echte Handbremse mit Seil und KEINE Connectivity on Board, sprich Internet im Auto. Er meldet also nicht ständig dem Hersteller oder anderen wie, was , wo warum und wasweissich.
Leider hat er auch nur zwei Jahre Garantie. Die Koreaner trauen sich mehr.
Was ich nicht mag – die Start Stop Automatik, aber da kommt man ja nicht mehr drum herum. Sie lässt sich zwar deaktivieren, aber nicht dauerhaft.

Aber VW ist Qualität und die Franzosen können nur Baguette!!!

Jein – der obige T5.2 (2.0 CR) ist sehr gut gelaufen. Ein paar Roststellen hatte er schon und jedes Jahr musste er wegen irgendwas in die Werkstatt. Was bei VW oft richtig Geld kostet. Vierstellig.
Der T5.1 (1.9 TDI) davor war eine Katastrophe und der beste Freund der Werkstatt. Dreimal blieb der Bus liegen, erreichte 200.000 km Laufleistung, dann ging es in den Export.
Parallel fahre ich seit über 20 Jahren Citroen Berlingo ohne Probleme.
Kein Rost, kein Liegenbleiber und wesentlich günstigere Wartungskosten. Auch diese Autos haben über 200.000 km auf dem Tacho.

Letztendlich kaufen alle bei den drei grossen Zulieferern ein und entscheidend ist dann die Qualitätskontrolle bei der Fertigung in Nordfrankreich.
Und da läuft der Spacetourer mit dem Schwestermodell von TOYOTA vom Band.
Also schauen wir einfach mal wie es wird.

Und alle machen mit

Wenn erwachsene Männer auf Jackenrücken Reklame für Wasserfilter gockelhaft spazieren tragen, dann sind wir beim Sport.
In diesem Fall beim Fussball.

Die Anzahl der Zuschauer liegt nur wenig über dem der Akteure auf dem Rasen. Gebolzt wird in der dritten Liga, zeigen alleine darf das nur der rosa Telefonanbieter. Der hält die Rechte und produziert dadurch Sendezeit für sein MagentaTV.

Damit ist MagentaTV der HOST Broadcaster (HB) und alle Mitwirkenden tragen grüne Leibchen. Dreht man für jemand anderen, dann bekommt man rote Leibchen, nicht, dass etwas durcheinander gerät.

Know your Place

So könnte man zum Beispiel an einem falschen Platz stehen.
Ein Fussballfeld ist gross, aber die Zeiten, wo man sich während des Spiels am Rand herumbewegen konnte sind vorbei. Die Längsseiten sind tabu, hinterm Tor ist eine Raum von 3-4 Metern, da kann man die 90 Minuten entspannt verbringen.
Warum man nur dort sein darf? Weil es halt so ist. Alles andere “geht gar nicht”, wie einem mit Nachdruck versichert wird.

Für den Einlauf der Spieler wird einem auch eine Position zugewiesen, oder man lässt es bleiben, denn alles andere “geht gar nicht”.

Nun lebt ein Fussballspiel vom Gekicke auf dem Rasen und von den anschliessenden Interviews mit den Wortakrobaten.

Kaum ist das Spiel um tragen eifrige Helfer die halbtransparenten Sponsorenwände auf das Grün.
Davor hat man die Interviewpartner zu platzieren, alles andere “geht gar nicht”. Interviews mit Stadion oder Zuschauern im Hintergrund gibt es nicht.

Und alle Mitwirkenden halten sich an diese Regeln als wären sie in Stein gemeißelt.
Selbstbeschränkung ohne Nachfragen, es ist halt so.

Aus meiner Sicht ist Sport zu einer reinen Werbeplattform verkommen.
Logos müssen präsentiert und in Szene gesetzt werden. Ob von Fuss-, Handballern, Skifahrerinnen – egal.
Der Sportler ist Markenbotschafter für Autos, Nahrungsmittel oder Pharma. Deshalb müssen zum Beispiel Wintersportereignisse durchgezogen werden, egal wie das Wetter ist. Schnee kann man immer ankarren.
Daher sind Spielausfälle eine Katastrophe, es geht wertvolle Product Placement Time verloren.

Nicht, dass ich das jetzt aufhalten will, die Fans tragen es ja mit. Ich finde es nur ewig schade für die Idee des Sports. Aber “Läbbä geht weiter”.

P.S. Konsequent und lustig fände ich es dann schon, wenn in naher Zukunft die Marken die Vereinsnamen dominieren, ähnlich wie bei den Stadien. (vergl. Allianz Arena).
Dann spielt hoffentlich irgendwann Pampers United gegen die Always Ultras.

Einer flog über die Autobahn

Und dafür bekommen wir auch noch Geld
Christian Baur hat diesen Satz geprägt und der Hintergrund ist einfach erklärt.
Man hat dann doch immer Jobs die einfach nur Spass machen.
Kurzum, andere würden Geld dafür bezahlen um dabei zu sein.
Seien es Konzerte, Reisen, Türen die sich für uns öffnen oder A-(eher) F Promis.
Auch dieser Tage, bei herrlichem Herbstwetter, war es wieder mal soweit. Für den Discovery Channel ging es nach Esslingen um einen Beitrag über den selbstfahrenden Actros von Mercedes zu drehen.

Highway Pilot - MB Actros
Highway Pilot – MB Actros

Fahrerlos donnert der dank Highway Pilot über die Autobahn.
Und wir mit der Kamera vorneweg. Was gerade auf der A8 schon zu unseren Standarddisziplinen gehört.
Normalerweise VW T5, Mann, Kamera und Stativ in den Kofferraum, Klappe auf, Mühle rausschwenken, Gas geben.
Diesmal auf einem umgebauten Vito mit 600 PS und einem sehr bequemen Sportsitz auf der Ladefläche.

600_2ps
Mit 600PS im offenen Mercedes über die A8 bei Stuttgart.

Gut verschraubt der Sitz und gut vergurtet der Kameramann.
Mal ehrlich – es ist ein Mordsspass so über die A8 zu fliegen. Wenn man nicht gerade Car2Car dreht, dann winkt man in verblüffte Fahrzeugkabinen hinein.
Gute Laune überall bei 100 km/h.

RENK-AED-4K
Zahnradmanufaktur

Oder ein paar Tage vorher. In einer Getriebefabrik. Kein frischer Fahrtwind, aber rießige Zahnräder die aufs 1000tel genau geschliffen werden. Hat Nachtprogrammcharakter, wenn die sich vor sich hindrehen. Findet nicht jeder sexy, ist aber auf eine unbeschreibliche Art faszinierend.

pure
Warten, wie hier auf den MB Actros,  gehört zum Job – aber in der richtigen Umgebung und mit den richtigen Klamotten ist es auch sehr gesund.

Aktuell mag ich die Draussenjobs natürlich lieber – frische Luft, coole Herbsttemperaturen und selbst das Warten auf das Motiv gleicht einem Wellnesstrip.

Warum 4K den Drehalltag erleichtern kann.

Ich bin die Diskussion leid “Wer braucht 4K?”.
Wenn es da und erschwinglich ist, dann nutze ich es. Auch wenn es erst eine überschaubare Anzahl an Displays gibt. Das wird sich allerdings in den nächsten 24 Monaten fulminant ändern.
Wir hatten doch das gleiche Gesülze beim Umstieg auf HD.
SD 16:9 ist gut genug hiess es immer von Auftraggeber- und Kollegenseite – ist es eben nicht. Wer heute SD Material irgendwo reinscheiden muss, der staunt darüber, wie lange man doch mit dieser miesen Qualität zu leben gewohnt war.
Bei der reflexartigen Zurückweisung neuer Auflösungen spielt wohl oft die Angst um getätigte Investionen eine grosse Rolle.

Aber ehrlich – wir sollten uns doch als Kameraleute und Produzenten über noch detailgetreuere, hochaufgelöstere und die kleinsten Fältchen und Einzelheiten wiedergebende Kameras freuen. Das Auge ist der Masstab – wir setzen uns doch auch keine “Ichmachsunscharfbrillen” auf weil wir sonst von der Fülle der Details erschlagen werden, das Gehirn heiss läuft und der Organismus kollabiert.

4K bietet schon jetzt ganz fantastische Möglichkeiten Arbeitsabläufe zu erleichtern. Ich möchte es an einem Beispiel zeigen, das wir vor kurzem realisiert haben. Gedreht in 4K auf der BMPC in ProRes422 HQ und ausgepielt auf HD.

Um was ging es?
Expertenaussagen vor Greenscreen zu Wirtschaftsthemen. Die Protagonisten im Stoff textsicher aber mit wenig Zeit. Grosses herumspielen mit verschiedenen Einstellungsgrössen war nicht. Da war von Produktionsseite klar 4K.

Greenscreen Set 4K
Greenscreen Set 4K mit Experten. BMPC 4K und 35mm Prime

4K hat nicht die doppelte Auflösung vom HD – es hat mehr als die vierfache.
Streng genommen haben wir in UHD, also Ultra HD, das mit 3840×2160 Pixeln exakt viermal so hoch auflöst wie HD mit 192×1080, aufgezeichnet.
4K ist mirt 4096 × 2304 Pixel noch einen Tick höher auflösend.
Die BMPC kann beide Formate.
Das untere Bild hier macht den enormen Unterschied deutlich. Es ist ein original UHD Still aus der Kamera, zum Vergleich habe ich die Bildgrösse für FullHD eingesetzt:

UHD (4K) HD Vergleich
UHD (4K) zu Full HD Vergleich

Zugleich erkennt man hier schon die Möglichkeiten.
Produziere ich für HD und drehe dabei in 4K kann ich mir Bildausschnitte ohne Qualitätsverlust herausnehmen. Das ist doch herrlich.

Einmal gedreht - 3 Ausschnitte
Einmal gedreht – 3 Ausschnitte

Man bringt so natürlich mehr Dynamik in die Moderation oder das Erklärinterview, weil sich entspechend schneiden lässt.
Dabei wird alles in einem Take (ok 3 Takes) aufgezeichnet und danach daraus eine auch für die Augen bewegende Mod kreiert. Gerade wenn die Damen und Herren frei zu ihrem Fachgebiet sprechen ist das eine wahrlich arbeitserleichternde Lösung.
Wir konnten dieses Projekt dank hochauflösender Aufzeichnung früher abschliessen und für alle Beteiligten entspannter umsetzen.

Jetzt noch eine Anmerkung zur Kamera. Die BlackMagic Production Camera BMPC 4K macht wirklich hervorragende Bilder und dank Codec ist in der Post noch Luft für Korrekturen. War sich austoben will kann RAW aufzeichnen.
Aber! Vergesst den Toneingang. Wir haben den Ton extern aufgezeichnet, da die BMPC leider immer etwas rauschen mit aufnimmt. Trotz Mischer, trotz Line in – es klingt nicht sauber.

Für Genaubescheidwisser: Ja 4K und UHD sind nicht das gleiche. Siehe auch oben im Text. 4K ist eben der Allgemeinbegriff, auch wenn meist UHD gemeint ist. Aber der Unterschied ist nicht so gewaltig, ein paar Pixel nur.
Und ehrlich – UHD klingt scheisse.

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Wenn’s mal wieder länger dauert…..

“Ein Fernsehteam im Haus ist wie dreimal abgebrannt” – den Spruch gibt es seit den 80ern. Und er war früher wohl eher verständlich als heute im ReinRaus Geschäft. In jener Zeit, als die Kameras noch lichtschwach und die Aufzeichnungstechnik noch beeindruckende Ausmasse annahm.
Möbel umstellen, Fenster verhängen, Kabel ziehen, Scheinwerfer aufstellen, Stativbeine verankern.
Wehe die Kabeltrommel war nicht komplett abgerollt, dann dauerte es nicht lange bis die Sicherung flog und alle auf den Assistenten fluchend im Dunkeln standen.

Das ist ziemlich vorbei – man hat ja auch keine Zeit mehr. Es muss flott gehen, was aber nicht immer funktioniert. Wobei “flott” ein jeder etwas anders definiert.

Kameramann-und-Käfer
Man dreht was geht

Und so waren auch wir vor kurzem in einer Arztpraxis zu gange und drehten und interviewten und drehten einen Arzt mit einem ausgewählten Patienten.
Kurzum, wir machten das, was TV immer macht, wir hielten die Leute von ihrer eigentlichen Arbeit ab.
Das führte dazu, dass sich das Wartezimmer langsam aber stetig mit terminhabenden Patienten füllte die auch gerne mit dem Arzt einige Minuten verbringen wollten.
Wenn nun ein Kamerateam 60 Minuten am Stück mit einem Arzt herumbildert, dann ist am Ende das Wartezimmer proppenvoll und die Stimmung dort leicht gereizt, in unserem Fall explosiv.

Die Stimmung unter den wartenden Patienten war so dermassen doppelplusungut, dass uns ein Nebeneingang geöffnet wurde und wir unerkannt und unverkloppt zum Teamfahrzeug schlendern konnten.

Dabei waren wir doch nur 60 Minuten am Herumdoktoren – ich denke das war ganz schön flott…

Schweizer Käse

Ich bin ein Freund der Europäischen Union. Ich mag die EU und den Gedanken an ein vereintes Europa. Auch wenn es derzeit schlecht aussieht. Die Nörgler und Kissenpupser versuchen es uns madig zu machen.
Wer regelmässig die Landesgrenzen verlässt, der kann die EU nur für gut halten.
Keine Grenzkontrollen, nach Wien zum Dreh zu fahren unterscheidet sich nicht vom Einsatz im Ruhrpott oder im schwedischen Kiruna.
Ich denke Leute, die die EU und ihre Freizügigkeit verteufeln kommen selten aus ihren 4 Wänden raus oder sind bei den Christsozialen.

Warum erzählt ich das? Weil es zum Zwecke der Bewegtbildaufnahme wieder einmal in die Schweiz geht.
Eine Insel mit zig Bergen im vereinten Europa, eine sehr wohlhabende.
Unser Auftraggeber für diesen Job sitzt im sonnigen Florida und der hat von Europa wahrscheinlich genau soviel Ahnung wie wir von den Everglades.
Ich musste ihm das mit dem Carnet erst einmal erklären, denn rüberfahren zu den Eidgenossen und drehen ist nicht. Auch wenn es Yourope ist.

carnet
Ohne Carnet geht in Chile, Sri Lanka, Marokko und natürlich der Schweiz nichts

Für die Schweiz braucht es also ein Carnet, ein Zolldokument, mit dem man höchstoffiziell eine Berufsausrüstung aus der EU aus und in ein Drittland ein- und wieder ausführt um es dann wieder ins Heimatland einzuführen.
Den mehrseitigen Carnetsatz gibt es bei der örtlichen IHK für 3€.
Carnetsatz abholen, im Büro ausfüllen, dann bei der IHK beglaubigen lassen und mit Carnet und Ausrüstung ab zum lokalen Zoll. Nämlichkeitssicherung machen lassen, dass auch alles stimmt was drauf steht, vor allem die Seriennummern. Da ist schnell ein halber Tag um und man selbst urlaubsreif aber reisebereit.

Ein Carnet bedeutet dann auch immer Kontakt zu den Zollstellen des Ziellandes.
Was sehr unterschiedlich ablaufen kann.
In Brasilien weigerten sie sich den Zettelhaufen auch nur anzuschauen, geschweige denn zu stempeln, glücklicherweise auch bei der Ausreise.
In der Türkei, an einem Provinzflughafen, wollten sie uns gar nicht ins Land lassen, da wir an einem Sonntag zurückfliegen wollten, am Sonntag aber der Zoll nicht besetzt sei und niemand uns den Ausfuhrstempel geben könne.
Logische Konsequenz war, wenn sie uns nicht reinlassen, dann entsteht das Problem nicht. Ich danke heute noch unserer fantastischen, türkischen Dolmetscherin die das binnen mehrer Stunden geregelt bekam.
In Äthiopien hatte die Produktionsfirma eigens Leute an den Zoll schicken lassen, die ein Einreise “erleichterten”.
Bei den USA in Kalifornien ging es total unkompliziert und flott, Stempel und “Welcome to the US”. Naja – unsere Daten waren dank NSA eh vor uns da.
In Japan setzt man sich mit dem Zöllner mitten im Flughafen auf den Boden und geht die Liste durch – dauerte bei der Ausfuhr aber nur 20 Sekunden, da ich die gebrauchte Wäsche zum Equipment gepackt hatte und der Zöllner mich erschrocken aufforderte den Stativsack zu schliessen und das Carnet dann eiligst abstempelte. Das mit der Wäsche war ein Tip eines Kollegen. 🙂
Ja und in Mexiko fanden sie das Carnet ganz toll, aber da seien zusätzliche Dokumente von Nöten, die müsse der mexikanische Zöllner erst besorgen, das dauert, das kostet…
Unser Produktionsleiter überreichte daraufhin dem besorgten Beamten 150 US$ in Scheinen und wir wurden abgestempelt und waren drin im Land. Ich habe noch nie so schnell und geschickt Geld in einer Brusttasche verschwinden sehen.

Aber die Schweiz…. Einmal hielten sie uns fest, weil ein Stempel der Franzosen fehlte. Man wollte uns auch nicht zu den nur 100m entfernten Franzosen zurücklassen um den Stempel zu holen. Lang und breit wurde erklärt, wir wären auf schweizer Gebiet und blablubb…
Jahre später gab es einen urplötzlichen Mörderanschiss vom Zöllner weil das Carnet aus seiner Sicht nicht optimal vorbereitet war.
Und beim letzten Übertritt Ende 2013 wurde der Schalter vor meiner Nase geschlossen und der Zöllner verkündete seiner Kollegin lautstark er mache jetzt Pause. Davor hatte er eine Schlange von 10 Leuten abgefertigt, ich war der letzte in der Reihe.
Ich habe mich dann bei der Kollegin angestellt, da ging aber 10 min nichts, da der Pausenzöllner ihr wahnsinnig wichtige Dinge auf Schwitzerdütsch mitteilen musste. Was weiss ich nicht, eventuell die aktuellen Zinssätze der Diktatoreneinlagen oder etwas über eine neue Käsesorte.
“Nie mehr durch die Schweiz” ist ein geflügelter Satz bei manchen Kollegen, die Strecken nach Frankreich oder Italien über die Schweiz abzukürzen pflegten. Denn auch für die Durchreise braucht es ein Carnet.
Der Zöllner ist der erste Kontakt zum Land, wie der Pförtner früher bei einem Unternehmen. War der Pförtner unfreundlich, dann war meist auch das Klima in der Firma….
Bei der Schweiz ist es immerhin im Lande noch ganz angenehm.

Es ist halt schade, dass mitten in Europa dieses Bergvolk residiert und einem beim Grenzübertritt das Gefühl der 80er Jahre vermittelt.
Ich denke, hätte die DDR Geld gehabt, sie wäre der Schweiz nicht unähnlich gewesen. Abgekapselt und auf sich fokusiert.

Wie es diesmal läuft weiss ich nicht – wenn der Blog automatisiert erscheint sind wir bereits im Land von Heidi und Ziegenpeter.

Update:
Wir sind bei Au rüber – problemlos. Waren Zöllnerinnen und wir wurden professionell abgefertigt.
Drinnen war es wie immer sehr nett. Es war mir eine Freude.

Stau am Grenzübergang heim in die EU. Liebe Schweizer - Grenzen in Europa sind out!
Stau am Grenzübergang heim in die EU. Liebe Schweizer – Grenzen in Europa sind out!

Die Partei “Die Partei” übrigens fordert eine Mauer um die Schweiz zu bauen.

www.machdas.de