Einer flog über die Autobahn

Und dafür bekommen wir auch noch Geld
Christian Baur hat diesen Satz geprägt und der Hintergrund ist einfach erklärt.
Man hat dann doch immer Jobs die einfach nur Spass machen.
Kurzum, andere würden Geld dafür bezahlen um dabei zu sein.
Seien es Konzerte, Reisen, Türen die sich für uns öffnen oder A-(eher) F Promis.
Auch dieser Tage, bei herrlichem Herbstwetter, war es wieder mal soweit. Für den Discovery Channel ging es nach Esslingen um einen Beitrag über den selbstfahrenden Actros von Mercedes zu drehen.

Highway Pilot - MB Actros
Highway Pilot – MB Actros

Fahrerlos donnert der dank Highway Pilot über die Autobahn.
Und wir mit der Kamera vorneweg. Was gerade auf der A8 schon zu unseren Standarddisziplinen gehört.
Normalerweise VW T5, Mann, Kamera und Stativ in den Kofferraum, Klappe auf, Mühle rausschwenken, Gas geben.
Diesmal auf einem umgebauten Vito mit 600 PS und einem sehr bequemen Sportsitz auf der Ladefläche.

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Mit 600PS im offenen Mercedes über die A8 bei Stuttgart.

Gut verschraubt der Sitz und gut vergurtet der Kameramann.
Mal ehrlich – es ist ein Mordsspass so über die A8 zu fliegen. Wenn man nicht gerade Car2Car dreht, dann winkt man in verblüffte Fahrzeugkabinen hinein.
Gute Laune überall bei 100 km/h.

RENK-AED-4K
Zahnradmanufaktur

Oder ein paar Tage vorher. In einer Getriebefabrik. Kein frischer Fahrtwind, aber rießige Zahnräder die aufs 1000tel genau geschliffen werden. Hat Nachtprogrammcharakter, wenn die sich vor sich hindrehen. Findet nicht jeder sexy, ist aber auf eine unbeschreibliche Art faszinierend.

pure
Warten, wie hier auf den MB Actros,  gehört zum Job – aber in der richtigen Umgebung und mit den richtigen Klamotten ist es auch sehr gesund.

Aktuell mag ich die Draussenjobs natürlich lieber – frische Luft, coole Herbsttemperaturen und selbst das Warten auf das Motiv gleicht einem Wellnesstrip.

Warum 4K den Drehalltag erleichtern kann.

Ich bin die Diskussion leid “Wer braucht 4K?”.
Wenn es da und erschwinglich ist, dann nutze ich es. Auch wenn es erst eine überschaubare Anzahl an Displays gibt. Das wird sich allerdings in den nächsten 24 Monaten fulminant ändern.
Wir hatten doch das gleiche Gesülze beim Umstieg auf HD.
SD 16:9 ist gut genug hiess es immer von Auftraggeber- und Kollegenseite – ist es eben nicht. Wer heute SD Material irgendwo reinscheiden muss, der staunt darüber, wie lange man doch mit dieser miesen Qualität zu leben gewohnt war.
Bei der reflexartigen Zurückweisung neuer Auflösungen spielt wohl oft die Angst um getätigte Investionen eine grosse Rolle.

Aber ehrlich – wir sollten uns doch als Kameraleute und Produzenten über noch detailgetreuere, hochaufgelöstere und die kleinsten Fältchen und Einzelheiten wiedergebende Kameras freuen. Das Auge ist der Masstab – wir setzen uns doch auch keine “Ichmachsunscharfbrillen” auf weil wir sonst von der Fülle der Details erschlagen werden, das Gehirn heiss läuft und der Organismus kollabiert.

4K bietet schon jetzt ganz fantastische Möglichkeiten Arbeitsabläufe zu erleichtern. Ich möchte es an einem Beispiel zeigen, das wir vor kurzem realisiert haben. Gedreht in 4K auf der BMPC in ProRes422 HQ und ausgepielt auf HD.

Um was ging es?
Expertenaussagen vor Greenscreen zu Wirtschaftsthemen. Die Protagonisten im Stoff textsicher aber mit wenig Zeit. Grosses herumspielen mit verschiedenen Einstellungsgrössen war nicht. Da war von Produktionsseite klar 4K.

Greenscreen Set 4K
Greenscreen Set 4K mit Experten. BMPC 4K und 35mm Prime

4K hat nicht die doppelte Auflösung vom HD – es hat mehr als die vierfache.
Streng genommen haben wir in UHD, also Ultra HD, das mit 3840×2160 Pixeln exakt viermal so hoch auflöst wie HD mit 192×1080, aufgezeichnet.
4K ist mirt 4096 × 2304 Pixel noch einen Tick höher auflösend.
Die BMPC kann beide Formate.
Das untere Bild hier macht den enormen Unterschied deutlich. Es ist ein original UHD Still aus der Kamera, zum Vergleich habe ich die Bildgrösse für FullHD eingesetzt:

UHD (4K) HD Vergleich
UHD (4K) zu Full HD Vergleich

Zugleich erkennt man hier schon die Möglichkeiten.
Produziere ich für HD und drehe dabei in 4K kann ich mir Bildausschnitte ohne Qualitätsverlust herausnehmen. Das ist doch herrlich.

Einmal gedreht - 3 Ausschnitte
Einmal gedreht – 3 Ausschnitte

Man bringt so natürlich mehr Dynamik in die Moderation oder das Erklärinterview, weil sich entspechend schneiden lässt.
Dabei wird alles in einem Take (ok 3 Takes) aufgezeichnet und danach daraus eine auch für die Augen bewegende Mod kreiert. Gerade wenn die Damen und Herren frei zu ihrem Fachgebiet sprechen ist das eine wahrlich arbeitserleichternde Lösung.
Wir konnten dieses Projekt dank hochauflösender Aufzeichnung früher abschliessen und für alle Beteiligten entspannter umsetzen.

Jetzt noch eine Anmerkung zur Kamera. Die BlackMagic Production Camera BMPC 4K macht wirklich hervorragende Bilder und dank Codec ist in der Post noch Luft für Korrekturen. War sich austoben will kann RAW aufzeichnen.
Aber! Vergesst den Toneingang. Wir haben den Ton extern aufgezeichnet, da die BMPC leider immer etwas rauschen mit aufnimmt. Trotz Mischer, trotz Line in – es klingt nicht sauber.

Für Genaubescheidwisser: Ja 4K und UHD sind nicht das gleiche. Siehe auch oben im Text. 4K ist eben der Allgemeinbegriff, auch wenn meist UHD gemeint ist. Aber der Unterschied ist nicht so gewaltig, ein paar Pixel nur.
Und ehrlich – UHD klingt scheisse.

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Wenn’s mal wieder länger dauert…..

“Ein Fernsehteam im Haus ist wie dreimal abgebrannt” – den Spruch gibt es seit den 80ern. Und er war früher wohl eher verständlich als heute im ReinRaus Geschäft. In jener Zeit, als die Kameras noch lichtschwach und die Aufzeichnungstechnik noch beeindruckende Ausmasse annahm.
Möbel umstellen, Fenster verhängen, Kabel ziehen, Scheinwerfer aufstellen, Stativbeine verankern.
Wehe die Kabeltrommel war nicht komplett abgerollt, dann dauerte es nicht lange bis die Sicherung flog und alle auf den Assistenten fluchend im Dunkeln standen.

Das ist ziemlich vorbei – man hat ja auch keine Zeit mehr. Es muss flott gehen, was aber nicht immer funktioniert. Wobei “flott” ein jeder etwas anders definiert.

Kameramann-und-Käfer
Man dreht was geht

Und so waren auch wir vor kurzem in einer Arztpraxis zu gange und drehten und interviewten und drehten einen Arzt mit einem ausgewählten Patienten.
Kurzum, wir machten das, was TV immer macht, wir hielten die Leute von ihrer eigentlichen Arbeit ab.
Das führte dazu, dass sich das Wartezimmer langsam aber stetig mit terminhabenden Patienten füllte die auch gerne mit dem Arzt einige Minuten verbringen wollten.
Wenn nun ein Kamerateam 60 Minuten am Stück mit einem Arzt herumbildert, dann ist am Ende das Wartezimmer proppenvoll und die Stimmung dort leicht gereizt, in unserem Fall explosiv.

Die Stimmung unter den wartenden Patienten war so dermassen doppelplusungut, dass uns ein Nebeneingang geöffnet wurde und wir unerkannt und unverkloppt zum Teamfahrzeug schlendern konnten.

Dabei waren wir doch nur 60 Minuten am Herumdoktoren – ich denke das war ganz schön flott…

Schweizer Käse

Ich bin ein Freund der Europäischen Union. Ich mag die EU und den Gedanken an ein vereintes Europa. Auch wenn es derzeit schlecht aussieht. Die Nörgler und Kissenpupser versuchen es uns madig zu machen.
Wer regelmässig die Landesgrenzen verlässt, der kann die EU nur für gut halten.
Keine Grenzkontrollen, nach Wien zum Dreh zu fahren unterscheidet sich nicht vom Einsatz im Ruhrpott oder im schwedischen Kiruna.
Ich denke Leute, die die EU und ihre Freizügigkeit verteufeln kommen selten aus ihren 4 Wänden raus oder sind bei den Christsozialen.

Warum erzählt ich das? Weil es zum Zwecke der Bewegtbildaufnahme wieder einmal in die Schweiz geht.
Eine Insel mit zig Bergen im vereinten Europa, eine sehr wohlhabende.
Unser Auftraggeber für diesen Job sitzt im sonnigen Florida und der hat von Europa wahrscheinlich genau soviel Ahnung wie wir von den Everglades.
Ich musste ihm das mit dem Carnet erst einmal erklären, denn rüberfahren zu den Eidgenossen und drehen ist nicht. Auch wenn es Yourope ist.

carnet
Ohne Carnet geht in Chile, Sri Lanka, Marokko und natürlich der Schweiz nichts

Für die Schweiz braucht es also ein Carnet, ein Zolldokument, mit dem man höchstoffiziell eine Berufsausrüstung aus der EU aus und in ein Drittland ein- und wieder ausführt um es dann wieder ins Heimatland einzuführen.
Den mehrseitigen Carnetsatz gibt es bei der örtlichen IHK für 3€.
Carnetsatz abholen, im Büro ausfüllen, dann bei der IHK beglaubigen lassen und mit Carnet und Ausrüstung ab zum lokalen Zoll. Nämlichkeitssicherung machen lassen, dass auch alles stimmt was drauf steht, vor allem die Seriennummern. Da ist schnell ein halber Tag um und man selbst urlaubsreif aber reisebereit.

Ein Carnet bedeutet dann auch immer Kontakt zu den Zollstellen des Ziellandes.
Was sehr unterschiedlich ablaufen kann.
In Brasilien weigerten sie sich den Zettelhaufen auch nur anzuschauen, geschweige denn zu stempeln, glücklicherweise auch bei der Ausreise.
In der Türkei, an einem Provinzflughafen, wollten sie uns gar nicht ins Land lassen, da wir an einem Sonntag zurückfliegen wollten, am Sonntag aber der Zoll nicht besetzt sei und niemand uns den Ausfuhrstempel geben könne.
Logische Konsequenz war, wenn sie uns nicht reinlassen, dann entsteht das Problem nicht. Ich danke heute noch unserer fantastischen, türkischen Dolmetscherin die das binnen mehrer Stunden geregelt bekam.
In Äthiopien hatte die Produktionsfirma eigens Leute an den Zoll schicken lassen, die ein Einreise “erleichterten”.
Bei den USA in Kalifornien ging es total unkompliziert und flott, Stempel und “Welcome to the US”. Naja – unsere Daten waren dank NSA eh vor uns da.
In Japan setzt man sich mit dem Zöllner mitten im Flughafen auf den Boden und geht die Liste durch – dauerte bei der Ausfuhr aber nur 20 Sekunden, da ich die gebrauchte Wäsche zum Equipment gepackt hatte und der Zöllner mich erschrocken aufforderte den Stativsack zu schliessen und das Carnet dann eiligst abstempelte. Das mit der Wäsche war ein Tip eines Kollegen. 🙂
Ja und in Mexiko fanden sie das Carnet ganz toll, aber da seien zusätzliche Dokumente von Nöten, die müsse der mexikanische Zöllner erst besorgen, das dauert, das kostet…
Unser Produktionsleiter überreichte daraufhin dem besorgten Beamten 150 US$ in Scheinen und wir wurden abgestempelt und waren drin im Land. Ich habe noch nie so schnell und geschickt Geld in einer Brusttasche verschwinden sehen.

Aber die Schweiz…. Einmal hielten sie uns fest, weil ein Stempel der Franzosen fehlte. Man wollte uns auch nicht zu den nur 100m entfernten Franzosen zurücklassen um den Stempel zu holen. Lang und breit wurde erklärt, wir wären auf schweizer Gebiet und blablubb…
Jahre später gab es einen urplötzlichen Mörderanschiss vom Zöllner weil das Carnet aus seiner Sicht nicht optimal vorbereitet war.
Und beim letzten Übertritt Ende 2013 wurde der Schalter vor meiner Nase geschlossen und der Zöllner verkündete seiner Kollegin lautstark er mache jetzt Pause. Davor hatte er eine Schlange von 10 Leuten abgefertigt, ich war der letzte in der Reihe.
Ich habe mich dann bei der Kollegin angestellt, da ging aber 10 min nichts, da der Pausenzöllner ihr wahnsinnig wichtige Dinge auf Schwitzerdütsch mitteilen musste. Was weiss ich nicht, eventuell die aktuellen Zinssätze der Diktatoreneinlagen oder etwas über eine neue Käsesorte.
“Nie mehr durch die Schweiz” ist ein geflügelter Satz bei manchen Kollegen, die Strecken nach Frankreich oder Italien über die Schweiz abzukürzen pflegten. Denn auch für die Durchreise braucht es ein Carnet.
Der Zöllner ist der erste Kontakt zum Land, wie der Pförtner früher bei einem Unternehmen. War der Pförtner unfreundlich, dann war meist auch das Klima in der Firma….
Bei der Schweiz ist es immerhin im Lande noch ganz angenehm.

Es ist halt schade, dass mitten in Europa dieses Bergvolk residiert und einem beim Grenzübertritt das Gefühl der 80er Jahre vermittelt.
Ich denke, hätte die DDR Geld gehabt, sie wäre der Schweiz nicht unähnlich gewesen. Abgekapselt und auf sich fokusiert.

Wie es diesmal läuft weiss ich nicht – wenn der Blog automatisiert erscheint sind wir bereits im Land von Heidi und Ziegenpeter.

Update:
Wir sind bei Au rüber – problemlos. Waren Zöllnerinnen und wir wurden professionell abgefertigt.
Drinnen war es wie immer sehr nett. Es war mir eine Freude.

Stau am Grenzübergang heim in die EU. Liebe Schweizer - Grenzen in Europa sind out!
Stau am Grenzübergang heim in die EU. Liebe Schweizer – Grenzen in Europa sind out!

Die Partei “Die Partei” übrigens fordert eine Mauer um die Schweiz zu bauen.

www.machdas.de