URSA mini 4K EF – eine Zwischenbilanz Teil 1 – Basics

Seit einiger Zeit gehört die URSA mini 4K mit EF Mount jetzt neben der Sony PDW700, der BMPC 4K und der Sony FS100 zu unserem Equipmentpool.
Im Teil 1 der Zwischenbilanz geht es um das Grundsätzliche rund um die URSA mini.

Blackmagic URSA mini 4K warum?

Es war pure Neugier und die sehr guten Erfahrungen mit der Blackmagic Production Camera BMPC 4K.
Und natürlich das Design – endlich eine Schultercam mit S35.
Ausserdem hat die BMPC 4K aus meiner Sicht zwei Nachteile.
BMPCRIG
Da ist zum einen die Bauform, die Kamera muss in ein Rig um alltagstauglich zu werden, der zweite und schwerwiegendere Nachteil ist die Audiosektion.
Die externen 6.3mm Klinke-Audioeingänge sind die besten nicht, selbst über Mischer ist immer ein leises Rauschen zu hören. Der Filter von FCPX bekommt das zwar gut raus, aber toll ist das trotzdem nicht.
Beides sollte die URSA mini beseitigen.

URSA mini – das ganze Paket lohnt

Wer die URSA mini nicht kennt, dem sei die Seite des Herstellers Blackmagic empfohlen.
Den Slogan: “Die leichteste handgehaltene Super-35-Digitalfilmkamera der Welt!” halte ich übrigens für einen der dümmsten seiner Art. Handgehalten?
Eine alltagstaugliche URSA mini besteht meiner Meinung nach aus vier Paketen.

Der URSA mini Body

Die eigentliche Kamera kommt bereits drehfertig zum Kunden. Im Paket ist der Body mit Ausklappsucher, ein Haltegriff und ein Netzteil zur Stromversorgung. Damit könnte man schon losdrehen, sofern man ein Verlängerungskabel, EF Mount Optiken und Speichermedien hat.
Mit im Lieferumfang ist ein USB Dongle für die Vollversion der Grading/Schnitt und Color Correction Software Resolve Studio.

Der URSA Viewfinder

ist sehr empfehlenswert, auch wenn er im Vergleich zum preisgünstigen Body sehr teuer erscheint. Aber nur für jene, die aus der DSLR Ecke kommen. Schaut euch einfach mal die Sucherpreise für eine PDW an.
Der URSA Viewfinder ist farbig, solide und hat eine ausgezeichnete HD Bildqualität.

URSA Viewfinder

Die Schärfe lässt sich damit sehr gut beurteilen. Infos zum Viewfinder gibt es als Bewegtbild hier.
Aber der URSA Viewfinder kann nur auf der URSA mini montiert werden, wenn…

das URSA Shoulder Kit

… mitbestellt wurde. Der Kit beinhaltet eine Schulterauflage mit Quick Lock Anschluss für Stativplatten, Arri Rosetten, Rod Aufnahmen, einen Tragegriff und einem Arm.

URSA mini Shoulder Kit

Und in jenem Tragegriff wird der Sucher befestigt.

uvf

Eigentlich ist die Kamera mit Shoulder Kit und Viewfinder fast komplett. Wer aber auch mal ohne Netzteil drehen will, also jeder, der braucht noch ein

URSA Battery Plate.

Ich empfehle die von Blackmagic gelieferte Platte für den Betrieb mit V-Mount Akkus.
Blackmagic_URSACamera_V-LockBatteryPlate_LeftAngle_rgb

Warum? Weil einfach schon der richtige Anschlusstecker zur URSA montiert ist. Schrauben und Dichtgummi passen auch perfekt und so ist die Montage in 5 min erledigt.

Die URSA mini 4K drehfertig

könnte dann so aussehen:
URSA mini Set machdas

Damit ist die URSA auch optisch eine sehr schöne Kamera.
Das Auge dreht ja bekanntlich mit.



Medien für Medienleute.

Wer die Aufnahmen der URSA mini speichern möchte, der braucht natürlich ein Medium.
Blackmagic setzt hier auf die leider immer noch sehr teuren CFast 2.0 Karten.
Die sind damit auch kein Medium, das man dem Redakteur oder Autor einfach so mitgibt.

Der Einsatz von CFast 2.0 Karten macht aber durchaus Sinn, da die URSA mini fast alle ProRes Codecs, selbst ProRes444HQ, und dazu 2 RAW Codecs beherrscht.
Und diese Codecs sorgen für einen ordentlichen Datendurchsatz.
CinemaDNG RAW schickt in 4K bei 30 Bildern/s immerhin 265 Megabyte (Byte, nicht Bit) pro Sekunde zur Karte.
Bei Apple ProRes422, dem Brot und Butter Codec, sind es in UHD 123 MegaByte/s bei einem Dreh mit 50 fps (frames per second), das sind fast 2.5 MegaByte pro Einzelbild.
(Einmal ein kurzer Exkurs zur beliebten PDW700, die zeichnet HD 422 bei 25 Bildern/Sekunde mit 50 MBit/s auf – das sind 0.25 MByte/s pro Einzelbild.)

Damit gehen auf eine 256GByte CFast2.0 Karte in ProRes422/50fps ca. 33 Minuten buntes Bewegtbild.
Blackmagic führt dazu im Web eine Liste mit geeigneten CFast 2.0 Karten für die URSA mini.
Vorneweg, es sind allzu nicht viele und die maximale Grösse liegt derzeit bei 256 GB.

Was nutzen wir? Transcend CFast 2.0 CFX 650
Warum? Preis Leistung – beim Alternate.de gibt es die 256er für 300€ netto (Stand Juni 16)
Läuft? Läuft.

Empfehlenswert ist das Transcend CFast Lesegerät mit USB 3.0.
Wer einen neueren Mac mit USB 3.0 sein eigenen nennt für den gilt Finger weg vom D-Lock C-Fast Reader mit USB 3.0, der wird am Mac nicht erkannt.

Die Codecs

sind mit ein Grund, warum die URSA mini so interessant ist.
Blackmagic setzt wie ARRI, RED, Atomos oder AJA auf die von Apple entwickelten ProRes Codecs.
ProRes ist einfach der Industriestandard, jedes professionelle Schnittsystem kann damit umgehen und es ist Hersteller übergreifend.
Ich habe die Nase voll von den eigenen Codecsüppchen von Sony und Panasonic. Dieses künstliche Kastrieren der Cams, wie es die Japaner wieder bei der FS7/FS5 vorgeführt haben. Die FS5 zeichnet intern nur in 4:2:0 auf, damit die, die mehr als Hochzeitsfilm machen die FS7 kaufen, die kann 4:2:2. Das nervt.

Vorher im Text, bei den Speichermedien wurde es ja schon angerissen, je besser, also verlustfreier der Codec arbeitet, desto mehr Platz braucht er.
Wie erwähnt bietet die URSA mini den gleichen ProRes Codec Umfang wie die ARRI Amira/Alexa.
Jeder der sein Material ins Grading schickt sollte ein Augenmerk auf die Codecs haben, die seine Wunschkamera bietet. 4:2:0 (FS5) ist wirklich nicht mehr Zeitgemäss und eine Frechheit dem Kunden gegenüber.

Die Haptik

Also wie fühlt sich die Mühle an? Sehr gut.
Ich hatte eine Sony FS7 nur einmal in der Hand, bei einem HandsOn eines Münchener Händlers. Nette Kamera, aber dieses Plastikgehäuse gefiel mir nicht wirklich.
Das URSA mini Gehäuse ist aus einer Magnesiumlegierung gefertigt. Es fühlt sich wirklich gut an, selbiges gilt für den Sucher und das Shoulder Kit. Es wirkt auch sehr robust, was im Alltag nicht schaden kann.
Die Kamera ist kein Leichtgewicht, aber mit 2,3 Kilo (Body) auch nicht zu schwer.

cfast slots

Ungewohnt ist die fehlende Abdeckung der Speicherkartenslots.
Wenn beide Karten darin sind, kein Problem, aber ist die Kamera nur mit einer Karte bestückt, dann bleibt das ungute Gefühl, dass eventuell Schmutz eindringen könnte.
Ausserdem sind die Karten nicht ganz billig – da wäre eine kleine Plastikabdeckung ganz sinnvoll.
Für den Schulterbetrieb kommt der Handgriff zum Einsatz.
Die Kamera ist samt Optik sehr kompakt.

Der Ausklappmonitor

ist sehr gut von der Detailschärfe her.
Schon der Monitor bei der BMPC4K war von der Schärfe faszinierend. Bei der URSA mini hat er die volle HD Auflösung von 1920×1080 Pixeln.
Der Monitor lässt sich um 90 Grad ausklappen und um 90 Grad nach oben und unten schwenken. Das könnte mehr sein. Schön wäre es auch, ließe sich der Monitor um 180 Grad schwenken und mit dem Display nach aussen flächig wieder einklappen.
Der Monitor ist die Bedienzentrale der URSA mini. Alle Einstellungen werden über Softwaremenus vorgenommen. Dinge wie Gainschalter oder Line/Mic Switche sucht man am Body vergebens. Alleine zwei Lautstärke IN Regler sind vorhanden.
Fällt der Monitor aus, fällt die URSA aus.

monitor5zoll

Setzt man die URSA mini 4K nur im Studio ein, dann reicht dieser Monitor aus.
Für Aussendrehs braucht es aber dann einen Augensucher wie den URSA Viewfinder oder den Zacuto Gratical HD.
Ich empfehle aber den URSA Viewfinder, dann passt zusammen was zusammen gehört.
Gleiches auch beim Sucher, der lässt sich zwar nach oben und unten klappen, aber auch nur um 90 Grad. Etwas mehr, so um die 120 Grad wäre besser.

Hört auf die Signale

Anschlüsse für Video und Audiosignale besitzt die URSA mini zur Genüge – inkl. 12 GBit SDI. Und endlich auch vernünftige Toneingänge – sprich XLR. Ich finde allerdings die Lage oben auf der Cam gewöhnungsbedürftig. Beim Anschluss eines Mischers samt Assistenten mit Eigenleben kann da ein unguter Zug nach unten entstehen.

Connect

Ausserdem sind die XLR Buchsen etwas hackelig, das heisst ein XLR Stecker geht gut rein, mag aber nicht so elegant wieder heraus.
Die Eingänge können von Line auf Mic umgeschalten werden und eine Phantomspeisung ist ebenfalls wählbar. Aber nicht einzeln für die Eingänge.
Sehr clever ist der SDI in – warum? Dazu in Teil 2.

Handgriff

Noch ein paar Worte zu dem der URSA beiliegenden Handgriff.
Dank ARRI Rosettenanschluss kann der vielfältig montiert werden.
Der Griff fasst sich gut an und wird über ein mitgeliefertes Kabel mit dem Lanc Anschluss der Kamera verbunden. Damit sind der Blende/Schärfe und Record Button auf dem Griff aktiv. Blende und Schärfe Button machen allerdings nur bei Verwendung entsprechender Objektive Sinn.
Dem hier gezeigten Walimex 35mm ist das herzlich wurscht. Es ist ein komplett analoges Objektiv.
Verwendet man allerdings moderne Canon Fotooptiken wie das Canon EF 24-105 USM, dann bringt das durchaus etwas. Über den Focus Button wird dann zum Beispiel der Autofocus aufgerufen.


In Verbindung mit dem Arm aus dem Shoulder Kit wird so auch eine feine Schulterkamera aus der Blackmagic URSA mini.

Firmware Update

Die URSA mini ist wie alle modernen Kameras eigentlich ein filmender Computer.
Das hat Vor- und Nachteile. Wie jeder Computer muss die URSA mini booten, also ihr Betriebssystem (Firmware) laden, das dauert, wenn auch nur 3-4 Sekunden.
Zu den Vorteilen gehört die Flexibilität. So wurde der ProRes444HQ Codec beim Firmwareupdate auf die Version 3.2 nachinstalliert.
Gibt es eine neue Firmware, stellt diese Blackmagic immer als ein “Blackmagic Camera Update” getauftes Programm ins Netz.
firmware
Einfach das Programm herunterladen, die URSA via USB mit dem PC verbinden, Programm starten und der Rest passiert automatisch. Gleiches gilt für den Viewfinder, auch dieser besitzt einen USB Port über den die Softwareupdates eingespielt werden können.
Die Käufer wünschten sich zum Beispiel, dass man das Tally (Rotlicht bei Aufnahme) dauerhaft abschalten kann. Mit dem Update zur 3.2er Version ist dies jetzt im Menu des Viewfinders möglich.
Das “Blackmagic Camera Update” Programm gilt übrigens immer für alle BM Kameras und Viewfinder.

Soweit Teil1 der Blackmagic URSA mini Zwischenbilanz.
In Teil 2 geht es darum, die Mühle drehfertig zu bekommen.
Und die Frage zu klären, taugt die schwarze Magie auch für den EB Einsatz?

Fazit – wer mit der URSA mini liebäugelt, der sollte unbedingt auch den URSA Viewfinder, das Battery Plate und das Shoulder Kit mit auf die Bestellliste setzen.
Zumindest wenn er damit ausserhalb eines Studios unterwegs ist.
In der aktuellen Zusammenstellung wirkt die kleine URSA richtig erwachen.
Warum die Blackmagic URSA mini 4K EF aber nur bedingt als EB Mühle taugt, dazu mehr in Teil 2.

Tokina Cinema ATX Zoom

Und es werden immer mehr. Objektive für Super 35 mm Kameras meine ich.
Tokina hat die CINEMA ATX Serie ja schon zur NAB 2015 angekündigt und was da aus Japan zu uns kommen sollte klang schon mal nicht schlecht. 4K Zoomobjektive für Super 35mm Kameras mit EF oder MFT Mount.
Dazu zählen Cams wie die C100/300 oder alle Blackmagic Produkte wie die URSA, URSA mini oder die BMPC.
Dank MFT passen die Zoomobjektive auch für die GH4 oder die BM Pocket.

Tokina CINEMA ATX Wideangle 11-16 an der BMPC
Tokina CINEMA ATX Wideangle 11-16 an der BMPC 4K

Der günstigste Einstieg in die CINEMA Reihe ist mit gut 1500€ netto das Tokina CINEMA ATX Weitwinkel mit einer Brennweite von 11-16 mm.
Das ergibt einen Zoomfaktor von 1:1.45
Da gerade in diesem Bereich in unserem Bestand eine Lücke klafft war es eigentlich naheliegend die Optik zu bestellen. Geliefert wurde von Teltec etwa 3 Wochen nach Bestellung.

Die Optik wiegt in der EF Variante knappe 700 Gramm und macht dank des Metallgehäuses einen sehr soliden Eindruck. Die CINEMA ATX ist keine 10 cm lang (97,9 mm).
Der Filterdurchmesser beträgt 77 mm, bei einem Gesamtdurchmesser von 84 mm.
Die Ringe für Schärfe, Zoom und Blende laufen absolut smooth und sind alle drei mit einem 0,8er Zahnkranz versehen.

Ein erster haptischer Eindruck ist sehr positiv – die ATX fühlt sich wertig an. Es ist ein schönes Stück optischer Technik made in Japan. Fast wie eine Schneider Optik, Samyang/Walimex Objektive erreichen diesen Eindruck nicht.

Die Optik gibt es von Tokina auch als reine Fotooptik unter der Bezeichnung Tokina 11-16 AF.
Die ist deutlich günstiger aber eben nur bedingt für Bewegtbild geeignet.
Der grosse Unterschied zu den Fotooptiken ist, dass bei der CINEMA ATX Optik die Bildhelligkeit und die Schärfe über den gesamten Zoombereich gehalten werden.
Man kann sich mit dieser Optik auch “Schärfe holen”, wie man es bei 2/3″ Broadcastoptiken gewohnt ist.
Ausserdem ist die Blende manuell über einen Zahnkranz wählbar und die Schärfe hat einen Anschlag.
Automatikfunktionen sucht man dagegen vergebens – braucht man auch nicht.

Über die Bildqualität kann noch nicht viel gesagt werden, dazu aber bald mehr.

Mehr über die Optik gibt es hier in reinstem Oxford English:

See you.

Einer flog über die Autobahn

Und dafür bekommen wir auch noch Geld
Christian Baur hat diesen Satz geprägt und der Hintergrund ist einfach erklärt.
Man hat dann doch immer Jobs die einfach nur Spass machen.
Kurzum, andere würden Geld dafür bezahlen um dabei zu sein.
Seien es Konzerte, Reisen, Türen die sich für uns öffnen oder A-(eher) F Promis.
Auch dieser Tage, bei herrlichem Herbstwetter, war es wieder mal soweit. Für den Discovery Channel ging es nach Esslingen um einen Beitrag über den selbstfahrenden Actros von Mercedes zu drehen.

Highway Pilot - MB Actros
Highway Pilot – MB Actros

Fahrerlos donnert der dank Highway Pilot über die Autobahn.
Und wir mit der Kamera vorneweg. Was gerade auf der A8 schon zu unseren Standarddisziplinen gehört.
Normalerweise VW T5, Mann, Kamera und Stativ in den Kofferraum, Klappe auf, Mühle rausschwenken, Gas geben.
Diesmal auf einem umgebauten Vito mit 600 PS und einem sehr bequemen Sportsitz auf der Ladefläche.

600_2ps
Mit 600PS im offenen Mercedes über die A8 bei Stuttgart.

Gut verschraubt der Sitz und gut vergurtet der Kameramann.
Mal ehrlich – es ist ein Mordsspass so über die A8 zu fliegen. Wenn man nicht gerade Car2Car dreht, dann winkt man in verblüffte Fahrzeugkabinen hinein.
Gute Laune überall bei 100 km/h.

RENK-AED-4K
Zahnradmanufaktur

Oder ein paar Tage vorher. In einer Getriebefabrik. Kein frischer Fahrtwind, aber rießige Zahnräder die aufs 1000tel genau geschliffen werden. Hat Nachtprogrammcharakter, wenn die sich vor sich hindrehen. Findet nicht jeder sexy, ist aber auf eine unbeschreibliche Art faszinierend.

pure
Warten, wie hier auf den MB Actros,  gehört zum Job – aber in der richtigen Umgebung und mit den richtigen Klamotten ist es auch sehr gesund.

Aktuell mag ich die Draussenjobs natürlich lieber – frische Luft, coole Herbsttemperaturen und selbst das Warten auf das Motiv gleicht einem Wellnesstrip.

Hände weg von El Capitan wenn XDCam im Hause ist!

Mit diesem Kapitän setzt man seinen Kahn auf Grund.
Zumindest gilt das für Besitzer von professionellem XDCam HD Equipment.

Apples neue Wundersystem - nur nicht für Profis im TV Bereich

Apples neue OSX 10.11 – nur nicht für viele Profis im TV Bereich.

Zum 1. Oktober 15 kam “El Capitan” auf den Markt.
Das neuste OSX der iPhone Klitsche aus Cupertino.
Jetzt ist es in Kalifornien sehr heiss und trocken.
Man gönnt sich dort Eistee statt Augustiner.
Cook trauert dem schwindende iTunes Markt nach, verkauft weniger iPods und auch das iPad Pro haut keinen vom Hocker.
Bei all den Problemchen muss man sich auch noch um diese blöden iDings Computer kümmern.
Da kann man nicht alles im Griff haben.

Hände weg von El Capitan OSX 10.11, wenn Sie mit XDCam Equipment arbeiten!

XDCam HD - das Nummer 1 Aquiseformat im Broadcastbereich
XDCam HD – das Nummer 1 Aquiseformat im Broadcastbereich. Unter OSX 10.11 leider offline.

Nach der Installation von El Capitan kann der Mac das UDF Filesystem der XDCam Disc / SxS Medien nicht mehr lesen.
Das System schlägt dagegen vor die Disc zu Initialisieren. Damit wären dann alle Daten, respektive Filmclips, weg.
Man bekommt weder über die XDCam Laufwerke wie z.B. das U1&U2 noch über eine per Firewire angeschlossene PDW700/800 gedrehtes Material in den Mac.
Und somit auch nicht in Final Cut X, Premiere oder den AVID.
Auch unter 10.11.1 tut sich nix.
Mangels funktionierendem Treiber.
Es hilft nur der Rückweg auf 10.10.x

Sony kennt die Problematik und hat mir per Mail Besserung versprochen:
Good morning
Thank you for the email. Please see the below

New MAC OS 10.11(El Capitan) is announced to be released on Oct.1st.
However, please take note that current our FAM/VFAM/ODA/SxS UDF/SR Memory driver & AXSM Drive Software cannot be used for MAC OS 10.11.
* Our Drivers are not able to be installed newly on MAC with OS 10.11.
* Even if customers do update to OS 10.11 for the MAC with current driver installed, there are some errors found .(For example, basic write back will be OK. But log output is not possible.)
We will try to release new driver for MAC OS 10.11 as soon as possible but the release schedule has not been confirmed yet.
For ODA driver, new version 3.3 will be release in the beginning of October but it is not possible to use for OS 10.11.
We will inform the schedule by the end of October.
Thank you
Kind regards

End of October – das ist schon durch. Treiber sind keine da.
Jetzt erstmal ein Augustiner auf Käpten Ahab.

UPDATE! Der weisse Wal in Gestalt neuer Treiber ist aufgetaucht.
Hier geht es zum Download: OSX 10.11 UDF SxS Treiber 2.2.0 für XDCam Disc und SxS Karte.
Auf der Seite wird zwar nur von SxS Karten gesprochen, aber dies gilt auch für die Disc. Es ist ja das gleiche Dateisystem und dieses kann El Capitan ohne aktuelle UDF Treiber Version 2.2.0 nicht lesen.
Kleiner Wermutstropfen – vom U1 wird mit 0.3 facher Echtzeit importiert. Vorher war das 2- 2.5 fache Echtzeit.

Soviel Zeit hat niemand - FCK
Soviel Zeit hat niemand – FCK

So ist das noch nix.
Und noch etwas – die PDW 700 kann immer noch nicht als Zuspieler über Firewire benutzt werden.
Das ist sehr, sehr ärgerlich und unprofessionell.
Shame on you AppleSony.

UPDATE (30.11.15)! Neue XDCam U1/U2 Drive Treiber
Zumindest auf der japanischen Sony Seite sind neue Treiber für die U1/U2 Laufwerke aufgetaucht. Ein Sprung von 5.02 auf 5.04.
Jetzt läuft beim Import vom U1/U2 wieder alles in akzeptabler Geschwindigkeit.
Aktuelle Importgeschwindigkeit 2,1-2,7 fach, so muss es sein.
Hier geht es zum Download: Treiber Version 5.04 für PDW-U1/U2 Laufwerke.

UPDATE (09.2016) FAM Driver für die PDW700/800 Version 2.3.5
Jan hat es gepostet, es gibt auf der Sony Seite den FAM Treiber 2.3.5 für OSX 10.11, damit wieder alles funzt.
Hier ist der Link.
Achtung! Diesen Treiber nicht für OSX 10.8 und frühere Systeme installieren.

Die FAM Treiber sind am 20.04.16 erstmals erschienen, sechs Monate nach dem Release von OSX 10.11 – das zeigt, welche Bedeutung die Disc für die Zukunft noch bei Sony hat. Keine.

Alles so schön neu – und garantiert nicht käuflich.

Wo soll ich anfangen?
Früher?
Weil da ja alles besser war.
4:3 Bild. Matschige SD Auflösung mit 720×576 Pixeln, aber gut genug für die Röhre in den deutschen Wohnzimmern.
Das haben wir zum Glück hinter uns.

Was aber wirklich besser war, als Produktionsfirmen konnte man sich auf die Broadcasthersteller verlassen.
Auf der NAB wurde eine neue Kamera, ein Scheinwerferset, Audiozubehör präsentiert – ein Release Datum genannt und dann gab es das zu kaufen.
Meist für horrendes Geld.
Aber es war da.

Jetzt ist alles billiger, seit die IT den Broadcastmarkt aufmischt.
Die Kunst ist heute ran zu kommen an die supertollen Produkte die auf Messen wie der NAB, CES oder IBC in Glaskästen präsentiert werden.

Nehmen wir Blackmagic, ich mag die Australier. Sie haben sicher Impulse in den Markt gebracht, mit ihrer BMPC oder der BMPPC.

URSA mini - nicht käuflich
URSA mini – nicht käuflich

Und im Frühjahr auf der NBC in Las Vegas einen echten Knaller gelandet, mit der Vorstellung der URSA mini. Eine kompakte 4.6K Kamera die die Vorteile der BMPC und URSA ideal zu verbinden schien. Ende Juni 2015 würde die URSA mini ausgeliefert werden, so Blackmagic.
Bis heute (November 2015) hat ist noch keine mini an die Kunden verschickt worden.
Man kann sie natürlich bestellen und, was RED damals erfolgreich vorgemacht hat, eine Anzahlung leisten. Wer jetzt schon 500 € überweist, der kommt in die EarlyDelivery Liste. Für eine Kamera, die theoretisch superspitzenklassetoll ist, aber noch kein echter Kameramann in Händen hatte.
Derweil wird der Auslieferungstermin regelmässig um 6 Wochen nach hinten verlegt.

Diese Terminproblematik nutz Sony.
Die Japaner brachten zu NAB die FS5 auf den Markt, oder besser in die Fachmagazine.
Seitdem verstopft ein Newsletter nach dem anderen mein Postfach. Alle Broadcasthändler preisen die FS5.
Kaufen Kaufen Kaufen.
Im Handel wirklich angekommen ist sie natürlich noch nicht.

Sony FS5 - nicht käuflich
Sony FS5 – nicht käuflich

Bei der FS7 hat es Sony vorgemacht – grosse Worte, dann Pause, dann in homöopathischen Dosen ausliefern.
Es nervt nur noch. Dabei ist doch der Habenwill Effekt da. Aber je länger die Auslieferung dauert, desto mehr Zeit haben Canon, Panasonic, Sony, BM und Co schon wieder ein neues Modell zu präsentieren.
Eines wo man sagt “Wow das isses”

OSMO – das isses zum Beispiel.
Nettes Spielzeug das man schnell und unkompliziert einsetzen und mit geringem Aufwand einen Aha Effekt erreichen kann.
Heute kam der Newsletter eines grossen Broadcasthändlers rein – “OSMO blablablablub … kaufen”
In 2 Wochen läuft bei uns ein Projekt an, wo sich der OSMO für ein paar Sachen gut machen würde.
Also angeklickt mit dem absoluten Willen zum Spontankauf.

OSMO - nicht käuflich
OSMO – nicht käuflich

Natürlich ist das vor einigen Wochen mit grossem TamTam vorgestellte Gimmick NICHT lieferbar.
Wann? Keine Ahnung. Allein der chinesische Hersteller DJI weiss es vielleicht.
Auch die anderen Händler haben keinen OSMO auf Lager.
Die Marketingmaschinen laufen einfach losgelöst von der Realität, getrieben von der Panik, das Feld einem Mitbewerber zu überlassen.
Der potentielle Kunde steht daneben und schaut zu – und wendet sich ab.

Upgrade durchgeführt – Phantom 3 ready for take off

“Upgrade durchgeführt” – Starcraft Spieler kennen den Satz.
Auch wir haben ein Upgrade durchgeführt. DJI Phantom 2 zu Phantom 3 Professional.
Der neue ist ein wenig schwerer, kommt in güldenem Gewand und verfügt über eine deutlich angenehmere Fernbedienung.

DJI Phantom 3 Professional mit 4K Kamera

DJI Phantom 3 Professional mit 4K Kamera.

Der P3Pro liegt stabiler in der Luft als der P2Vplus und die Kamera lässt sich nun komplett über die Fernbedienung steuern. Die hat aber nur noch einen fest eingebauten Akku – also vor dem Flug alles schön laden. Dabei ist der Akkuverbrauch des Multikopters etwas höher als beim Vorgänger.
Nutzt man das iPhone (hier 6er) als Kontrollmonitor, dann erstaunt der hohe Batterieverbrauch der DJI GO App. Nach ca. 40 Minuten Flugzeit ist die Ladung im Appleteil gewöhnlich auf jämmerliche 20% abgesackt.

Aber der P3 ist ein deutlicher Sprung nach vorne, wobei der P2 Vision + schon sehr gut war.
Die P3 4K Cam ist weniger fischäugig und die Parameter wie Blende, ISO, WB lassen sich sauber einstellen.
Optional gibt es ein HDMI Out Modul für 120€ für die Fernbedienung – damit lässt sich das reine Bildsignal auf einen HDMI Monitor oder anderes Gerät ausgeben. Ansonsten ist ein iPad mini ab Version 2 das ideale Kontrollgerät für den Copter.

Es ist schon ein sehr schönes Spielzeug 😉
Und Arbeit muss ja Spass machen.

Quadratisch, Praktisch, Instagram

Der Fotograf hat einen grossen Vorteil gegenüber dem filmenden Kollegen. Er arbeitet formatungebunden. Er kann wählen zwischen Hoch- und Querformat, kann dank 30 MegaPixelkamera beliebige Ausschnitte herausnehmen, oder die Form überhaupt verändern, mit einem Layout spielen, Motive freistellen.

Wir dagegen zeichnen in 16:9 auf und das Bild ist wie es ist. Zwar kann ich mit 4K in der Produktion und HD im Schnitt auch etwas mit dem Bild spielen(*), aber es bleibt in der Regel beim Querformat – 16:9.

Daher war der folgende Auftrag dann doch was Neues.
Der Mandolist Avi Avital kam über Umwege (danke Axel) auf uns zu. Er wollte ein “75 Seconds Concert for Instagram” realisieren und suchte dafür ein Kamerateam und eine Postpro.
Vor einem abendlichen Konzert wollte Avi sich 2 Stunden Zeit nehmen um das Stück mit einigen Musikern einzuspielen.
Das ist knapp.

Instagram kannte ich vom Namen her, nutze ich nicht, mir reicht schon Facebook.
Was ich sehr schnell lernte, Instagram Videos dürfen maximal 15 Sekunden lang und (damals noch) mussten quadratisch sein, also jede Seite gleich lang.
So wurde das Stück in 5×15 Sekunden aufgeteilt. Allerdings so, dass wenn auf Instagram alle 5 Teile nacheinander ablaufen, der Zuschauhörer es trotzdem als ganzes Stück empfindet.

Quadratisch, Praktisch, Instagramm
Quadratisch, Praktisch, Instagram – in FCPX lassen sich Quadratprojekte ohne Probleme anlegen.

Natürlich lässt sich keine unserer Kameras auf quadratisch umschalten. Das Bild im Sucher ist immer 16:9. Den Monitor dagegen klebten wir ab.
Schwarzes Gafferband links und rechts sorgte dafür, dass ein quadratisches Auge überblieb.
Allerdings wurde der Monitor dann doch nicht genutzt, da man ja jedes Motiv für das Guckloch hätte zentrieren müssen.

Noch ein Wort zum Ton. Der wurde mit 8 Schoeps Mikros eingefangen und von Kerem Unterberger professionell live gemischt. Aufgezeichnet wurde neben der Stereomischung auch jede Spur in eine eigene Datei.
Zudem schickte Kerem ein Tonsignal zur späteren Synkronisation an die BlackMagic 4K Kamera. Alles lief nach dem klassischen Kamera, Ton, Action.

Instagrammrahmen
Roter Rahmen 1000×1000 Pixel. Weisser Rahmen 2000×2000 Pixel

Die Aufzeichnung erfolgte in UHD. Die Kamera war eine BMPC 4K, verwendet wurden Primes mit 14, 24, 35 und 85 mm.
Da das Master 1000×1000 Pixel haben sollte, bot UHD natürlich eine Menge Luft. Der rote Rahmen entspricht 1000×1000 Pixel, das original UHD Bild hat 3840×2160 Pixel.

Rechter Bildbereich eigentlich nicht nutzbar.
Rechter Bildbereich eigentlich nicht nutzbar.

Auch hier sieht man wieder den verwertbaren Bereich. Da die Schärfe nach hinten abfällt, wäre der rechte Bildbereich nicht zu gebrauchen.
Also ist man doch gezwungen beim Dreh in Quadratbildern zu denken. Allerdings ertappt man sich immer wieder, dass man das Bild in 16:9 komponiert. (wie oben)

Zunächst nahmen wir jedes Viertelminutenstück in der Totalen auf. Und das so oft, bis wir es in 15 Sekunden schafften, man ist schnell eine halbe Sekunde drüber. War Avi mit dem aufgezeichneten Take zufrieden hiess es die nächsten 15 Sekunden zu meistern.
Dann suchten wir uns mehrere Kameraperspektiven und spielten jeweils die 75 Sekunden am Stück durch. So kam es zu den Zwischenschnitten.
Insgesamt benötigten wir etwas mehr als 2 Stunden reine Aufnahmezeit.

In der Post machte Final Cut dann eine sehr gute Figur.
So syncronisierte es auf Knopfdruck die acht Audiofiles der Schoepsmikros und die gemischte Stereospur anstandslos mit dem Audiokanal des Bildmaterials.
Ein Projekt in 1000×1000 wurde ebenfalls ohne Widerrede erstellt.

Instagram Projekt in FCPX
Instagram Projekt in FCPX

Der Schnitt der fünf 15 Sekünder verlief dann auch recht flott.

Ironie: Mittlerweile hat Instagram seine Quadratfilmpolitik aufgegeben, auch die fünfzehn Sekundensperre wird wohl fallen.

Aber es war ein interessantes Projekt mit einem angenehmen, sehr professionellen, Künstler.

(*) siehe Eintrag “Wie 4K den Drehalltag…”

Mal in eigener Sache…

… es gibt Jobs die macht man echt gerne, andere sehr gerne und wieder andere, da ist es das zu erwartende Geld das einen durch den Tag trägt, weil der Dreh selbst. Naja.
Das es oft auch einige Wochen dauert, bis das Geld den verschlungenen Pfad vom Kundenkonto über diverse Banken bis hin zum eigenen Konto findet, das ist auch bekannt. Kaum dort angekommen macht es sich meist bald wieder auf die Reise. Geld will man auch nicht sein, immer unterwegs.

Aber davon soll nicht die Rede sein. Hier geht es mal um Jobs die man sehr gerne macht.
“Auf gehts, wir machen meine 5 sinnvollsten Filme pro Jahr” unter diesem Motto packen wir jedes Jahr einmal den Wagen bis Dachkante voll und machen uns zu dritt auf den Weg zu den Menschen die Menschen helfen.
Ausgezeichnete Menschen sind das im ganzen Bundesgebiet.
Ausgezeichnet mit dem “Hidden Mover Award”.
Und wir machen kurze Portraits über diese versteckten Beweger. Dafür haben wir einen Dreh- und einen Schnitttag Zeit und viel Improvisationstalent an unserer Seite.

In den letzten Jahren haben wir dadurch durchweg tolle Leute in Nord Süd West Ost kennengelernt. Sie kümmern sich um Jugendliche, die noch nicht in der Gesellschaft Fuss gefasst haben. Migranten, elternlose Flüchtlinge, Menschen mit Handycap, Schulabbrecher. Oft mit erstaunlichem Erfolg durch einfache Massnahmen.

Da ich und mein Team das jetzt schon einige Jahre begleiten wurde ich vor kurzem dazu interviewt, für den Jahresbericht der Stiftung.

Wer fragt, dem wird geantwortet.
Wer fragt, dem wird geantwortet.

Durch die aktuelle Flüchtlingswelle ist das Thema “Hidden Mover” aktueller denn je. Die engagierten stillen Helfer verdienen unsere Aufmerksamkeit, nicht der geistlos gegen alles anbrüllende tumbe Mob, wie es in Teilen Sachsens gerade passiert. Das Tal der Ahnungslosen.
Denn die Menschen die ankommen sind es wert von uns willkommen geheissen zu werden.

Unter den Flüchtlingen sind viele Jugendliche die ohne ihre Eltern vom Elend weg aufgebrochen sind. ASA, ein Verein aus Bonn, kümmert sich seit Jahren um diese Menschen. ASA wurde 2011 mit dem Hidden Mover Award ausgezeichnet.

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=uEblM5-VtZs?rel=0]

Die jungen Menschen möchten einfach ein Teil der Gesellschaft werden, geben wir ihnen doch die Gelegenheit. Bei 200.000 offenen Lehrstellen darf es da doch keine Diskussion geben.
Willkommen in Deutschland.

20 Jahre mobiler Schnitt. Vom Kofferschlepper zum “Nerd”.

Ohne den Schnitt ist ein Film seltenst ein sehenswertes Ereignis.
Der Lola Gewinner Viktoria mag da aktuell eine andere Richtung aufzeichnen und in Einzelfällen passt das auch ohne, aber gerade im News Bereich muss ja der Drehtag auf 90 Sekunden Beitrag zusammengestampft werden.
In den Zeiten des 4:3 BetacamSP Kassettenfernsehens war das dann doch sehr aufwändig. Ganze Firmen lebten von der Vermietung von Schnittmobilen.

Das Zeitalter der Schmittmobile beginnt

Das waren Fiat Ducatos oder Mercedes Sprinter die im inneren einen kompletten TV Schnittplatz, bestehend aus Bild/Tonmischer, Monitoren, Zuspielern und Recordern beherbergten. Das waren keine kleinen Geräte und ebenso schwer wie teuer.
Nicht selten war Broadcastequipment für eine halbe Million DM (Deutsche Mark) im Auto verbaut.
Die mobilen Schnittplätze wurden dann mit Cutter/Fahrer an TV Sender/Produktionen vermietet und brausten von Newsevent zu Newsevent um vor Ort den Beitrag zu schneiden. Taxler, Assistenten oder der Redakteur selbst eilten dann mit dem Mastertape zum Sender oder nächsten Überspielpunkt – meist ein lokaler TV Sender.
Später kamen die Satellitenwagen dazu, die SNG, dann konnte der Beitrag sofort via Satellit zum Sender gestrahlt werden. Letzteres ist auch heute noch gang und gäbe, auch wenn Dienste wie z.B. FTP und Mobilfunkupload immer häufiger werden.

2 Maschinenschnittplatz - Klassischer Newsschnitt im Hotel vor Ort. Irgendwo 1995
2 Maschinenschnittplatz – Klassischer Newsschnitt. Irgendwo im Hotel, 1995

Noch besser war es natürlich einen eigenen Schnittplatz mit dabei zu haben.
Verpackt in Flightcases und damit an jedem Ort der Welt in kürzester Zeit einsatzbereit.
Man brauchte vor Ort nur 220 Volt und eine trockene Aufbaumöglichkeit und Platz.
Für damalige Verhältnisse war die Anlage extrem kompakt und für nur 100.000 DM zu haben.
Neben dem Schnitt musste der Cutter auch technisches Verständnis mitbringen. Die Anlage wurde jedes mal neu verkabelt und nicht alles lief gleich nach dem Aufbau reibungslos. Ein wenig Verständnis für die Signalwege war da hilfreich. Ich selbst war damals mit den unhandlichen Kisten in ganz Europa unterwegs.
Es gab nur Hartschnitt, Blenden waren da nicht machbar bei nur einem Zuspieler und ein Videomischer fehlte ohnehin.
Zwei Tonspuren mussten reichen. War Musik im Spiel, dann wurde Atmo auf Kanal1, Musik auf Kanal2 am Master angelegt. Dann beides auf Kanal 2 einer weiteren Kassette gemischt und auf Kanal 2 des Masters zurückkopiert.
Der Sprechertext kam dann auf Kanal 1. Klar oder?

ich
Die wichtigsten Komponenten. Dank der Größe konnte man bei der Abreise kaum etwas vergessen.

Auf Dauer konnte das mit den Sprintern mit Schnittplatz innendrinnen oder den Flightcases im Doppelzentnerbereich nicht weitergehen.
Immer mehr Sender, immer mehr News, immer schneller. Kurze Wege – oder am Besten auf der Fahrt zum Sender schneiden, akkubetrieben.
Parallel kamen neue digitale Aufnahmeformate auf den Markt: Sonys BetacamSX (MPEG.IMX Aufzeichnung) & DVCam (DV) und Panasonics DVCPro (ähnlich DV) schickten sich an BetaSP zu beerben.

Quasistandard BetaSP und die Möchtegernnachfolger BetaSX und DVCPro
Quasistandard BetaSP und die Möchtegernnachfolger BetaSX und DVCPro

Das war so um 1997 herum.

Der Schnitt wird wirklich mobil

Sony und Panasonic lieferten sich einen heftigen Kampf. Jeder wollte der offizielle Nachfolger des Quasistandards BetacamSP werden. Und so wurden dann auch technische Entwicklungen schnell vorangetrieben.

Der Beginn einer Revolution DNW-220 Schnittplatz
Der Beginn einer Revolution:
Sony DNW-220 Schnittplatz für BetaSX und SP.

Die ersten kompakten Schnitteinheiten tauchten auf.
Der AJ-LT85 von Panasonic für das neue DVCPro Bandformat und der DNW-220 von Sony für BetacamSX. Letzterer hatte den riesen Vorteil, dass BetacamSP Bänder ebenfalls abgespielt werden konnten, da SX und SP Kassetten baugleich waren. Man darf nicht vergessen, fast alle EB Teams drehten noch lange auf Sony BetacamSP Kameras der Typen BVW300 und BVW400.
33.000 US Dollar mussten seinerzeit für den Sony DNW auf den Tisch gelegt werden. Natürlich plus Steuern. Dennoch taten dies sehr viele Firmen und Freiberufler und im Vergleich zu einem Schnittmobil war es geschenkt.
Sony brachte dann noch eine DVCam Variante. Auch der Panasonic AJ-LT verkaufte sich gut. Bald war klar, dass der TV Markt sich in verschiedene Formate aufteilen würde.
Das BetacamSP Quasi-Monopol von Sony war mit Beginn der Jahrtausendwende Geschichte.

DVCPro50 Dreh
DVCPro50 Recorder am Sony Kamerakopf. Da haben beide was verdient.

Sony offerierte DigitalBetacam, BetacamSX und DVCam.

Panasonics Kunden wie das ZDF oder der MDR drehten auf DVCPro und später dem verbesserten DVCPro50.

Alle Formate hatten eines gemein: Sie zeichneten den Film als digitale Daten auf Band auf, die analoge Signalaufzeichnung war tot.

Aber noch immer wurde linear geschnitten, also eine Videosequenz an die andere kopiert. Teile des Filmes “nach hinten Verschieben”, weil man nachträglich eine Filmsequenz einfügen wollte, das ging nur über Bandkopien. Und das kostete Qualität – schon beim dritten Umkopieren erkannte das Auge den Unterschied, da das gro der Schnittplätze analog verkabelt war.
Also vorher denken, dann schneiden war angesagt.
Das sollte sich ändern.

Der AVID betritt die Bühne.
Ein digitales Schnittsystem zunächst nur auf Macintosh Basis, zum Preis eines Luxuswagens mit allen Extras. Der Wagen, nicht der AVID. Unser erster AVID Express Elite hatte VIER Videospuren, lief auf MacOS 7.x und residierte in einem Apple Power Macintosh 9600 mit atemberaubenden 350 MHz CPU Takt. Inklusive Signalwandlerkarten und I/O Karten um die MAZen seriell anzusteuern. Dazu gabe es ein RAID mit 8 GByte Festplattenkapazität.
Die Linearität war überwunden.
Im Computer konnten Clips beliebig hin und hergeschoben werden. Klingt heute banal, sorgte aber damals für feuchte Augen.
Ähnlich war wohl der Umstieg für Büroleute von der Schreibmaschine zur Word Textverarbeitung.
Der AVID Elite kostete damals lässige 95.000 DM netto ohne MAZen und Monitore und war natürlich für den mobilen Schnitt vollkommen ungeeignet.
Erst später tauchten erste Schnittmobile mit AVID auf – zu spät, denn dann …

… kam Steve Jobs zu Apple zurück.
Der brachte nicht nur den iMac, sondern verabschidete sich mit der Knutschkugel von allen bekannten Schnittstellen wie SCSI, Parallel- oder SerialPorts.
USB hielt Einzug und später noch ein superschneller Wunderanschluss für Videogeräte: FIREWIRE (eigentlich von Sony entwickelt). Awesome.

Die DVCam MAZen von Sony brachten Firewire mit
Die DVCam MAZen von Sony brachten Firewire mit

Mit Firewire konnten neuere professionelle Videorecorder (MAZen) angesteuert und die Daten, denn nichts anderes waren ja die Filme, auf den Mac heruntergeladen werden. Alles über ein einziges Kabel! Nochmals awesome.
Alles was es neben dem Mac noch brauchte war das Schnittprogramm. Das hatte Apple praktischerweise von Macromedia abgekauft: Final Cut Pro.
Das schlug so ein, dass sich Adobe mit seinem Schnittprogramm Premiere damals vom Mac Markt verabschiedete.
Jetzt spielen sie ja wieder mit, und das sehr erfolgreich mit ihrer Creativ Cloud.

Endlich digital, aber das Rohmaterial ist noch auf Band
Endlich digital, aber das Rohmaterial ist noch auf Band. FinalCutPro Schnitt während der Fahrt.

Etwa 1000 Mark kostet Final Cut Pro seinerzeit. Ein Schnäppchen. Aber viele AVID Cutter wurden nicht müde das Programm zu verdammen.
Für mich war die Combo Firewire kompatible MAZ, Apple Powerbook G4 und Final Cut einfach nur klasse.
Super kompakt, sofort aufgebaut, akkubetrieben, voll digital – Grenzen setzte nur das eigene Wissen.
Der digitale Schnitt wurde endlich mobil. Dazu Soundbearbeitung, Photoshop und viele andere Tools.
Ständig wurde die Software weiterentwickelt.

Dann kam doch noch mal das Flightcase, für den iMac. Der hatte mehr Power und Bildschirmfläche. Dieses Bild wurde in einem Hotelzimmer in Mexiko aufgenommen.
Dann kam doch noch mal das Flightcase, für den iMac. Der hatte mehr Power und Bildschirmfläche. Dieses Bild wurde in einem Hotelzimmer in Mexiko aufgenommen.

Aber es dauerte dann doch noch eine ganze Weile, bis die Bänder endlich ausgedient hatten.

Erst musste High Definition, kurz HD kommen.
Zunächst als HDCam von Sony und DVCProHD von Panasonic. Beide nutzten abermals das Band als Speichermedium.
Dann aber preschte Panasonic mit dem P2 System vor.
Ein selbst entwickelter Flashspeicher anstelle des Bandes für eine neue Generation von SD und HD Kameras der P2 Serie.
Klasse gedacht, aber zu teuer. Die ersten hatten 2 GigaByte, kosteten knapp vierstellig und brachten 4 Minuten Video unter.
Aber das Interesse der Branche an einem digitalen Medium war geweckt und jetzt gelang Sony der Coup um 2009.

Professional Disc und P2 Karte
Professional Disc und P2 Karte

Der zunächst mit mäßigem Erfolg mit SD Kameras eingeführten Professional Disc gelang es, auch dank der ebenfalls neuen HD Kamera PDW700 (inkl. Firewire, damit als Zuspieler nutzbar), das Band abzulösen.
Die Professional Disc ist eine Bluray im Caddy für 40 Minuten HD Film zu 20 Euro. Dazu lieferte Sony ein USB Lesegerät für den PC und Mac Schnittplatz.
2011 brachte Apple dann auch endlich seine neue Version von Final Cut X auf den Markt und erntete einen der grössten Shitstorms in seiner Geschichte.
Das Programm war komplett neu gestaltet und programmiert.
Die gesamte Bedienphilosophie wurde umgestaltet und Bandmaschinen, also MAZen, zur Ein- und Ausgabe wurden nicht mehr unterstützt.
Alle die da Aufschrien, und es ware nicht wenige, hatten nicht verstanden wohin die Reise geht.

Nahe an der Perfektion. MacBookPro, FinalCut X und ein XDCamHD USB Drive.
Nahe an der Perfektion. MacBookPro, FinalCut X und ein XDCamHD USB Drive für die Professional Disc.

Was folgten waren Kameras mit SxS, SD, SSD, CFast und was weiss ich Aufzeichnungsmedien. Keiner brauchte mehr eine MAZ, Kassetten wurden Kistenweise bei ebay verhöckert.
Heute reicht eine Software, ein Laptop mit dem jeweiligen Lesegerät und einer externen Festplatte – fertig ist der Schnittplatz, dank Internet auch gleich PlayOut Station.

In der Hotellobby, bei einem Glas Wasser, so passt es.
In der Hotellobby, bei einem Glas Wasser, so passt es. Dank flottem WLAN im Hotel geht der Beitrag dann auch gleich per FTP zum Sender.

Die Technik ist nur das Hilfsmittel. Schön, dass sie so kompakt, erschwinglich und leistungsfähig geworden ist.
Den Rest erledigt der Cutter, aber der machte schon immer den Unterschied.