Wenn einer eine Reise tut…

… und dabei professionelles Equipment benötigt, dann wartet da mancherorts ordentlich Papierkram auf ihn.

Wo ist das Problem?

Wenn ich mit teurem Equipment in ein anderes Land einreise, dann besteht immer die Möglichkeit, dass ich die Ausrüstung dort verkaufen und Geld machen will. Das denkt zumindest das betroffene Land. Es will daher seinen Anteil am Kuchen.
Umgekehrt kann der bundesdeutsche Zoll bei uns bei der Einreise davon ausgehen, dass man die Kamera o.ä. günstig im Ausland erworben hat und nun ohne Zollgebühren und Mehrwertsteuer einführen möchte. In beiden Fällen kann das teuer werden.

Wie löse ich das Problem?

Bewegt man sich innerhalb Europas (ausser Schweiz), dann ist alles entspannt. Keine Papiere, keine Anmeldungen, kein Zoll.
Im Rest der Welt brauche ich handfeste Beweise, dass ich die Ausrüstung ein- und wieder ausführen werde.
Dafür gibt es unter anderem drei Möglichkeiten um dies zu bewerkstelligen.
Die Originalrechnung mit meiner Adresse und der Seriennummer, eine Nämlichkeitsbescheinigung vom Zoll oder das Carnet.

Das CARNET A.T.A.

Das Carnet A.T.A. (Carnet Admission Temporaire/Temporary Admission) ist wohl der sicherste Weg um mit professioneller Ausrüstung ein- und wieder auszureisen.
Das Carnet A.T.A. ist ein internationales Zollpapier, das der Vereinfachung der Zollförmlichkeiten bei der vorübergehenden Verwendung bestimmter Waren im Ausland dient.
Problem ist nur, nicht jedes Land der Welt ist im Carnet-Verbund.
Eine aktuelle Carnet Länderübersicht der IHK Stuttgart findet ihr hier.

Wie funktioniert das jetzt mit dem Carnet?
Eigentlich relativ einfach. Die Formblätter gibt es bei der lokalen IHK für wenig Euro. Das Ausfüllen ist relativ selbsterklärend. Wichtig ist, dass bei den Preisen der Zeitwert des Equipments anzugeben ist, denn am Ende entscheidet der Gesamtwert des zu exportierenden Equipments über die Carnet Gebühr und ob eine Bürgschaft nötig wird oder nicht. Liegt der aktuelle Gesamtwert unter 10.000 € benötigt man keine Bürgschaft. (Stand IHK Schwaben)
Im Carnet wird jetzt alles mitzunehmende Equipment in mehreren Listen aufgeführt.
Anzugeben sind Zielland, Art mit Seriennummer, Gewicht, Stück, Herstellungsland und der Wert in € zum Zeitpunkt der Ausstellung. Jeder Artikel ist eine eigene Position.

Carnet

Wie tief man sein Equipment aufsplittert, das muss man selbst entscheiden.
Ich mache das immer etwas vom Wert und der Einzelverkaufbarkeit abhängig. So ist zum Beispiel der Body der URSA mini eine Position, ebenso der Viewfinder und auch die Optik. Denn jedes dieser Teile könnte auch einzeln verwendet/veräussert werden.
Akkus nehme ich zum Beispiel nicht im Carnet mit auf.
Die Anzahl der benötigten Einlageblätter richtet sich nach der Zahl der zu durchreisenden Länder mit Carnet Akzeptanz.
Minimal sind es 4 – Ausreise Deutschland (EU), Einreise Carnet Land, Ausreise Carnet Land, Einreise Deutschland (EU).
Ist das Carnet fertig ausgefüllt, dann gibt man es bei der lokalen IHK ab. Dort wird es geprüft und abgestempelt – Stempel sind sehr wichtig. Von jetzt an ist das Carnet 1 Jahr gültig.

Mit dem abgestempelten Carnet und allen darin aufgeführten Gerätschaften geht es dann zum Zoll.
Der prüft, ob die Dinge wirklich existieren, die man in die Liste geschrieben hat, checkt die Seriennummern. Wie genau, das hängt von der Tagesform der Zollbeamten ab.
Ich hatte schon Fälle, da wurde alles genau überprüft, aber auch, dass es so ablief:
Zoll: “Passt das alles?”
Ich: “Ja”
Zoll: “Dann ist gut”
Und wenn es gut ist, dann gibt es wieder Stempel. Jetzt ist das Carnet ausreisebereit.

Es geht los – das Carnet will gestempelt werden.
Dabei müssen wir nicht fliegen, es reicht ein Trip in die Schweiz. Die Schweiz verlangt für die Einfuhr von professionellem Equipment ein Carnet. Tut man das nicht und wird erwischt, dann gibt es einen energischen Vortrag von dem man nur die Hälfte zu verstehen glaubt und man muss zahlen.
Als Deutscher kann man über die EU Mitgliedsstaaten Italien, Frankreich oder Österreich in die Schweiz einreisen. Kommt man zum Beispiel über Österreich, dann muss das Carnet erstmalig an der Österreichisch-schweizerischen Grenze vom österreichischen Zoll abgestempelt werden. Das geht allawei sehr einfach, die Österreicher sind da entspannt. Stempel drauf, Ausfuhrblatt rausreissen und weiter geht es ein paar Meter zum Schweizer.
Wenn der ganz gut aufgelegt ist, dann stempelt er, reisst sein Einfuhrblatt raus und man ist drin.
Leider sind die Schwizer selten gut aufgelegt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Verlässt man die Schweiz jetzt Richtung Italien, dann gilt, erster Stopp beim Eidgenossen am Grenzübergang. Der checkt Carnet mit dem Equipment gegen, stempelt und reisst sein Wiederausfuhrblatt raus. Dann zum italienischen Kollegen und der krallt sich das Wiedereinfuhrblatt und – richtig – stempelt.
Fertig. Das Equipment ist wieder im EU Raum und alles passt.

Nutzt man den Flieger, dann geht es am Abflughafen direkt zum Zoll – VOR der Gepäckaufgabe – und lässt sich sein Carnet abstempeln. Am Zielflughafen geht es nach dem Gepäckband zum dortigen Zoll und man legt sein Carnet vor. Zurück geht es entsprechend.

Der Vorteil des Carnets, es ist offiziell und es funktioniert. Nachteil, nicht wenige Zöllner sind manchmal damit überfordert. Es dauert dann, bis einer kommt, der Ahnung hat und alles wegstempelt.
Eine einfache Alternative ist die Nämlichkeitsbescheinigung vom Zoll.

Vereinfachte Nämlichkeitsbescheinigung im Reiseverkehr

Die sagt soviel wie “Das ist nämlich mein Equipment” und ist kostenlos.
Die Nämlichkeitsbescheinigung besteht aus 2 Seiten die einander sehr ähnlich sind. Mehr Infos gibt es beim Zoll.
Hier könnt ihr die Nämlichkeitsbescheinigung herunterladen.
Das Ausfüllen ist auch hier wieder selbsterklärend.

Wichtig! Beim Equipment bitte NICHT den Wert(*) eintragen. Beschreibung, Anzahl und Seriennummern reichen.
Hat man das getan, dann packt man die beiden Zettel zum Equipment.
Beim Ausreisen geht es dann erstmal zum Zoll, zum Beispiel am Flughafen. Dort legt man die Blätter vor und, falls gewünscht auch das Equipment, (also nicht vorher einchecken).
Der Zoll stempelt dann darauf herum, signiert und behält die erste Seite für sich.
Die zweite Seite ist jetzt bei Bedarf am ausländischen Zoll vorzulegen. Sagt der Zöllner nichts, dann einfach weitergehen.
Diese Seite ist einfach der offizielle Nachweis, dass das Equipment einem gehört und in Deutschland bei Zoll registriert ist.

Kehrt man in die Heimat zurück, dann gibt man diese 2te Seite beim Zoll ab, damit ist die Aus- und Wiedereinfuhr dokumentiert und der Kreis schliesst sich.

Klingt sehr einfach, ist es auch und für kleines Equipment zu empfehlen. Ich weiss allerdings nicht ob der Carnet Fetischist Schweiz das akzeptiert.

(*) mit dem Wert ist das so eine Sache. In Kenia zum Beispiel erkannte der Zoll natürlich auf Grund der Peli-Cases, dass hier keine Normaltouristen einreisen.
Nun beeindruckte ihn zwar unser “Letter of welcome” unseres Auftraggebers und der verstempelte Nämlichkeitsnachweis, aber andere Länder andere Sitten.
Führt man Filmequipment nach Kenia ein, dann wird 1% des Equipmentwertes oder max. 300 $ an nicht zu wiedererstattender Zollgebühr fällig.
Die Beamte fragt einfach “How much is this?” und dann sollte man gut überlegen was man sagt.
Stehen Summen auf der Nämlichkeitsbescheinigung, dann ist man festgelegt.
Noch ein Hinweis – Kenia verlangt eine einmalige Drehgebühr von 5000 Kenia Shilling, also 50$, auch dazu gibt es ein Formblatt.

Die eigene Originalrechnung zum Equipment

Originalrechnungen passend zum mitgenommenen Equipment sollen bei Problemen bei Ein- und/oder Ausfuhr auch helfen.
Problem – auf Originalrechnungen steht der Neupreis, das führt in Fällen wie Kenia zu höheren Gebühren.
Zudem ist eine Rechnung einfach kein offizielles Dokument – weil halt keine Stempel darauf sind, und Stempel liebt der Zollabfertiger.
Ich habe es noch nie mit Originalrechnungen probiert. Entweder Carnet, Nämlichkeitsnachweis oder Augen zu und durch.

Das Carnet ist sicher die aufwändigste, aber auch die anerkannteste Lösung um ohne böse Überraschung rein und wieder raus zu kommen aus einem fremden Land, sofern dieses Carnets akzeptiert.

Zöllner sind auch nur Menschen und daher erlebt man immer wieder Überraschungen. Das Geschriebene dient als Hilfe, ist aber nicht als 100%ig sicherer Tip zu verstehen. Ich hatte auch schon den Fall, wo es nur Dank kleiner, schnell verschwindender Scheine weiterging, trotz Carnet.
Dollarnoten sollte man daher immer zur Hand haben.

Departure: Patona V-Mount Akku 95Wh.

Fliegt man mit Equipment, dann zählen bei Akkus zwei Faktoren: Gewicht und Power.
Laut der 2016er EU Richtlinie wird es bei Li.Ionen Akkus immer schwieriger, die in den Flieger zu bekommen. Ausführlich ist es hier auf Film TV Video erklärt.

Kurz gesagt gilt – unter 100 Wh Kapazität gibt es keine Probleme, darüber wird es komplizierter.

Akkurichtline bei Qatar Airways.

Tricky ist auch noch, dass lose Akkus (Spares) nicht mit dem Frachtgepäck aufgegeben werden dürfen.
Diese müssen eingebaut/montiert sein.

Das Gros unserer Akkus hat 160 Wh und mehr.
Die Dinger müssen einfach an der Sony PDW 700 lange funktionieren und die 700er frisst Strom wie eine Hexe kleine Kinder. Gierig.
Im Einsatz sind IDX, Sony, RedPro, Beillen, SWIT.

An den LED Flächenleuchten hängen die alten Sony BPL60, die sind durchgenudelt, taugen nix mehr an der Cam, auch nicht an der URSA mini, und sind mit 950 Gramm für 60 Wh (0,06 Wh/g) zu schwer.
Dann sind da noch 80Wh IDX Endura, aber auch die haben die besten Jahre hinter sich, werden also an LED Leuchten, Mischern und Field-Monitoren enden.

Patona jetzt mit V-Mount

Wer zum Beispiel bei eBay “Patona Akku” eingibt entdeckt jede Menge Ersatzakkus für Canon EOS und Sony DigiCams. Jetzt bietet Patona auch Akkus mit V-Mount für professionelle Broadcast- und Filmkameras. Neben einem 190Wh Boliden auch einen 95 Wh Akku mit drei Besonderheiten.

Der Patona 95Wh Akku wiegt nur 550 Gramm  (0,17 Wh/g), verfügt über Staus LEDs und einem D-TAP Anschluss. Als Bonbon bringt er auch noch einen USB Anschluss mit. Damit kann man vor Ort die GoPro oder das Smartphone laden.

Der Patona Akku lässt sich mit unseren vorhandenen V-Mount Ladern (Axcom, Sony, NoName) auf Leistung bringen, aber was das besondere ist, über den D-TAP Anschluss kann man den Akku ebenfalls laden.

Lädt am D-TAP

Dafür liefert Patona ein handliches Ladegerät (weltweit nutzbar da 100-220V) für 50€ brutto.
Die 95Wh Akkus selbst kosten 129€ das Stück, das ist sehr preiswert.


Dies, die “nur” 95Wh Leistung, das geringe Gewicht und das kompakte D-TAP Ladegerät waren ausschlaggebend, es mit Patona einmal zu probieren.
Wir haben schon mal getestet: Ein voll geladener Patona 95Wh zeichnet aktuell an der URSA mini 4.6k über 90 Minuten in UHD ProRES422 25fps auf. Das war aber ein reiner Studiotest und ist daher nicht so aussagekräftig.

Mehr gibt es in einigen Wochen zu berichten, die vier neuen Akkus gehen jetzt in den Einsatz.
Fliegen, drehen, fliegen. Mehrere Drehorte,  u.a. bei 30 Grad und gut 90% Luftfeuchte. Wir werden sehen, wie sie sich schlagen.

Mehr in einigen Wochen.

PDW700 XDCamHD sucht neuen Wirkungskreis

Sehr gepflegte Sony PDW 700 möchte gerne weiter Filme in HD drehen und sucht daher einen neuen Wirkungskreis. Gerne auch im Ausland. Sony PDW 700 for sale.

Betriebsstunden PDW700

Die Kamera war nie im Verleih.
Im Lieferumfang ist der PDW700 Body, Sony s/w Sucher, WiFi Modul CBK-WA1 (damit kann man das Bild auf ein Smartphone raus geben), Leichtstütze inkl. 2 Rohre, Akku V-Mount Platte und original Sony Mikrofon.
VB 8.500,- € netto (14 Tage Übernahmegarantie, Rechnung mit USt kann gestellt werden)

Bei Interesse mail an mich.

Die Optik gehört NICHT zum Lieferumfang.

Copystation to GO

Wir zeichnen heute alle auf SD, P2, CFast, XQD, SSD usw… auf. Die Kartenpreise sind dabei sehr unterschiedlich. Gerade die CFast 2.0 Kartenpreise haben es in sich. 256 GByte kosten aktuell 400€.
SD Karten sind da schon preislich günstiger, da kann man auch ein Packerl unterwegs mit sich führen.
Trotzdem tut es gut auch von den SD Karten ab und an ein Backup zu machen.

Backup und Sicherung mit der Western Digital WirelessPRO

Festplattenhersteller Western Digital hat da ein kleines Kästchen auf den Markt gebracht, dass einem den Laptop am Set ersparen möchte.
Die MyPassport WirelessPRO ist eine Festplatte mit 1-4 Terrabyte Speicher und eigenem Akku mit bis zu 10 Stunden Laufzeit.
Mehr noch, die WirelessPRO verfügt über eine aktive USB 2.0 Schnittstelle und einen SD Card Reader.
Für den Anschluss an einen Rechner oder zum Laden des Akkus ist zudem noch eine USB 3.0 Schnittstelle vorhanden.
Ein Kabel dafür inklusive Netzteil gehört zum Lieferumfang.

Als wäre das nicht genug, so baut die WirelessPRO, der Name legt es nahe, im Betrieb auch noch ein eigenes WLAN auf.

Und was soll das alles?
An die USB 2.0 Schnittstelle lassen sich zum Beispiel das Smartphone oder eine Kamera anschliessen. Dann nutzen diese Geräte den 6400 mAh starken Festplattenakku als Powerbank und werden betankt.

Natürlich kann über den USB Port auch ein USB Kartenlesegerät oder der Speicher einer Kamera direkt ausgelesen werden.
Aber leider nur mit USB 2.0 Geschwindigkeit von max. 60 MB/s. Da braucht es für eine 256 GB Karte dann 75 Minuten im Idealfall.
Etwas schneller ist der interne SD Card Reader

Der SD Card Slot funktioniert denkbar einfach. Über das Webinterface kann der User festlegen ob beim Einstecken einer SD Card die Daten nur auf die WirelessPRO kopiert werden sollen, oder ob kopiert und anschliessend die SD Card gelöscht werden soll.


Kleine LEDs auf dem Gehäuse zeigen dabei den Status und die Akkulaufzeit an.

Über eine App kann der User über WLAN und das Smartphone auf die Files der MyPassport WirelessGO zugreifen. Diese sichten und zum Beispiel via Mail verschicken. Die Files können auch via WLAN per FTP freigegeben werden.
Natürlich lässt sich die PRO auch über ihre USB 3.0 Schnittstelle direkt mit dem Mac oder PC verbinden. Dann arbeitet sie wie eine ordinäre externe USB Platte.

Mit ca. 12x12x2,5 cm ist die PRO nicht viel grösser als andere externe Festplatten, wegen des Akkus aber merklich schwerer. Etwa 500 Gramm wiegt das Gerät.

Ein gutes Pfund Backup Technik die bei uns bisher problemlos seinen Dienst verrichtet.
Es ist einfach beruhigend eine Kopie zu haben.
Einziger Wermutstropfen – der langsame USB 2.0 Anschluss für Cardreader, da wäre ein aktiver USB 3.0 einfach performanter.

Downsizing. Sony alpha 6500.

 

Lange ist es her, da hatte ein Kameramann eine Kamera. Punkt.
Eine 80.000 DM DigiBeta zum Beispiel.
Ein Revolution war dann schon das Aufkommen der kleinen DV Kameras.
Ich erinnere mich an ein Interview mit Helmut Dietl – aufgezeichnet mit einer Sony VX1000.
Dietl hat sich von mir die Kamera im Detail zeigen lassen, da er nicht glauben konnte, dass so ein kleines Ding ein brauchbares Bild aufzeichnen könne. Konnte sie aber.
Aus heutiger Sicht natürlich nur SD Gematsche.
Mittlerweile hat jeder je nach Einsatzfall ActionCams, miniHD Mühlen und Multicopter mit Kamera an Bord, wenn es zum Dreh geht.
Immer seltener dagegen eine fette EB Mühle wie die PDW700.
Unsere Hauptkamera ist die:

Blackmagic URSA mini 4.6K
Wer diesen Blog verfolgt, der weiss, ich bin ein Freund der Kameras aus Downunder von Blackmagic.
Sie macht wunderschöne Bilder und liegt nahezu perfekt in der Hand oder auf der Schulter.
Die URSA mini 4.6K  (inkl. Pro) halte ich für eine hervorragende, alltagstaugliche Kamera.
Aber sie verfügt auch über eine gewisse Grösse.

Sony alpha 6500
Und so habe ich paypal bemüht und eine alpha 6500 gekauft.
Warum? Downsizing ist die Antwort. Es gibt Jobs, da sollte man nicht unnötig auffallen, oder schlichtweg schlank unterwegs sein, nicht fragen müssen. (mache ich auch gerne mit dem iPhone)
Im Flugzeughandgepäck ist die Sony alpha 6500 auch kein Problem.

Dennoch verlange ich natürlich eine sehr gute Bild- und evtl. Tonqualität.
4K/UHD Auflösung ist Pflicht und eine schnelle Bedienung nicht zu verachten. Da bleibt nicht viel übrig. Panasonic mit der GH5 und MFT ist sicher eine Alternative, aber es waren schon einige E-Mount Optiken von der FS100 im Hause.
Ausserdem ein Metabones Adapter E-Mount auf EF-Canon, damit war Sony erste Wahl.
Noch dazu, da Blackmagic nichts ähnliches im Portfolio hat. Die BM Pocket kann nur HD und der festverbaute Monitor ist sehr, sehr gewöhnungsbedürftig. Der Augensucher der alpha ist auch ein Argument.

Dagegen bin ich hier bereit, muss ich, beim Codec Abstriche machen.
Die alpha 6500 kann kein ProRES, kein RAW, kommt bei der internen SD-Card Aufzeichnung über 4:2:0 nicht hinaus und zeichnet im Sony eigenen H.264 XAVC-S Codec 4K und HD auf.
Kein Knaller für eine nachträgliche Farbkorrektur.
Sie beherrscht aber SLOG2 und 3 und bietet diverse Picture Profiles für spezielle Looks.
Mit dem optionalen XLR-K2M Adapter bekommt die kleine Fotofilmknipse zwei vollwertige Ton XLR Eingänge spendiert.
Im Lieferumfang des XLR-K2M befindet sich auch das Richtmikro ECM-XM1 mit Windschutz.
Es gibt keinen Kabelsalat, da der XLR-K2M über den intelligenten Blitzschuh der 6500er verbunden wird.
An einem dummen Blitzschuh einer NEX, Nikon oder Canon funktioniert der K2M auch nicht.

In Verbindung mit der 5-Achsen Bildstabilisierung, dem Touchscreen und dem sehr schnellen Verfolgungs-Autofokus lässt sich die kleine Mühle ganz leicht handeln. Was ich faszinierend finde, das Paket aus Kamera und SEL1855 Optik und K2M kostet weniger als der Sucher einer PDW700 und ist trotzdem, zumindest in HD, professionell voll einsetzbar.

Die alpha kann 4-fache Zeitlupe in HD, das ist aus meiner Sicht simpler Durchschnitt. Das kann jede Cam.
Ich habe hier einmal auf die schnelle ein paar Aufnahmen mit der 6500er in HD gedreht, darunter auch in Zeitlupe. Die Kreissäge steht im dunklen Keller und die Sony wurde auf ISO 3200 eingestellt. Die Zeitlupe taugt da nicht wirklich.
400 fps wären besser, das sollte eigentlich mit einem Firmware Update zu machen sein.
Das faszinierende ist wirklich der hervorragende Bildstabilisator bei ruhig gehaltener Kamera.

Den Touchscreen und die 5 Achsen Stabilisierung hat nur die 6500er – wer also ein Schnäppchen mit der Vorgängerin, der alpha 6300 machen möchte, sollte sich genau überlegen ob es das wert ist. Denn auch das Hitzeproblem der 6300er bei 4K Aufnahmen soll bei der alpha 6500 der Vergangenheit angehören.

Das Softwaremenu der 6500er ist umfangreich, sehr umfangreich, was nicht für das mitgeliefert Handbuch gilt. Da ist ein Baum umsonst gestorben.
Aber zum Glück gibt es dieses Internet.
Es lassen sich für gemeinsam gewünschte Einstellungen auch Presets festlegen.

Einwenig happig ist auch die Akkulaufzeit.
Nun ist die Kamera sehr kompakt und bietet damit wenig Raum für den Energiespeicher, daneben werkelt jede Menge Elekronik nach dem Einschalten, das fordert seinen Tribut.
Also man sollte schon eine Hosentasche voll Akkus dabei haben um den Tag zu überstehen.
Im Lieferumfang befindet sich ein Akku, aber kein externes Ladegerät, der Akku kann nur in der Kamera über USB geladen werden.

Ich habe bei ebay einige Patona Akkus (950mAh) samt Lader gekauft. Der original Sony NP-FW50 Akku (1020mAh) hält länger, kostet aber auch dreimal soviel.

Das grosse, in Grenzen bewegliche, Touchscreendisplay ist draussen nur bedingt zu gebrauchen. Hier hilft der Augensucher. Blickt man durch den Sucher, dann wird der Touchscreen abgeschaltet, nicht aber die Touchfunktion. Das heisst, man blickt durch den Sucher und kann mit dem Daumen trotzdem die Schärfe über den Touchscreen verlagern. Das Schärfeviereck, das den Bereich anzeigt, wandert im Sucherdisplay mit.

Natürlich kann die 6500er auch mit dem Smartphone verbunden werden. Das geht über Bluetooth, NFC oder WLAN. Die App PlayMemories dazu gibt es gratis für Android und iOS im jeweiligen Store. Mit der App lässt sich zum Beispiel das Bild kontrollieren (mit Verzögerung) und die Aufnahme starten und stoppen.
Das kann ganz praktisch sein, wenn man die Kamera zum Beispiel in einem Auto verbaut hat und man dann schlecht an die REC-Taste kommt.

 

Die alpha 6500 sehe ich als ideale zusätzliche (dritte) Kamera die dank ihrer Kompaktheit auch für ungewöhnliche Perspektiven gut zu gebrauchen ist. Schön auch, dass sie nicht erst fett aufgerigt werden muss um bedienbar zu werden.
Aber wer will kann die kleine Sony natürlich fett aufblasen mit Monitor (HDMI out), externem Recorder, Cage, Rods, Follow Focus usw…

NACHTRAG: vom 24. April 17
HD wow – 4K mau
Nennt es Rolling shutter, nennt es Jello Effekt, Mist ist es auf jeden Fall.
Im 4k Modus ist die 6500er nur eingeschränkt zu benutzen. Zügige horizontale Bewegungen, sogenannte Schwenks, führen zu verzogenen vertikalen Linien. Sieht doof aus und macht das Material für den professionellen Einsatz unbrauchbar.

Die Fünfachsenstabilierung kommt bei bewegter Kamera auch immer wieder ins schwimmen – das sieht dann richtig schlimm aus. Dieses Schwimmen, eher ein Wobbeln, kommt aus dem Nichts, dauert 2-3 Sekunden und dann ist wieder alles gut. Das Material ist nicht nutzbar und beim Dreh merkt man es nicht unbedingt. Im Schnitt fällt einem dann die Kinnlade runter.
Was soll das Sony, seit der 6000er gibt es dieses Rolling Shutter Problem? Und die vielbeworbene Fünfachsenstabiliserung hakt auch von Zeit zu Zeit.
Für mich ist das typisch Sony um den Abstand zur A7 oder den FS-Units zu wahren. Aber Kunden erfreut man dadurch nicht.
Also Fazit: In HD ist fast alles gut, in 4K ein klares DON’T BUY.
Als Dritt- oder Notfallkamera ist die 6500er ok, aber ansonsten Finger weg.
Schade eigentlich.

Aktualisierung 16-09-2017
Mittlerweile steht die Firmware 1.04 zum Download bereit. Wie auch bei der 1.03 geht es hier vor allem um die Verbesserung der Bildstabilisierung im 4K-Filmmodus. Soviel sei gesagt, es wird immer besser, noch nicht optimal, aber es wird.

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URSA mini Pro – Yes they can

02. März 2017 – 21:00 Uhr.
In einer YouTube Live Übertragung präsentiert Grant Petty, CEO BM, neue schöne Dinge von Blackmagic.
Das machte er wie immer selbst, weniger eloquent wie Steve Jobs, aber ich mag CEOs die noch mit ihren eigenen Produkten umgehen können. Man merkt ihm an, dass er dahinter steht.
Unter den Neuheiten die URSA mini Pro. Eine sehr feine 4.6K Kamera.
Technisch entspricht sie der URSA mini 4.6K.
Aber ist sie run&gun optimiert. Schalter und Taster zieren das Gehäuse.
Dank der vielen externen Schalter und der ND Filter kann die UmPro auch als EB Mühle eingesetzt werden.
Die von vielen vermissten ND Filter sind auch der Hauptunterschied zur URSA mini, die, im Gegensatz zur Ur-URSA, weiterhin mit 4.6K und 4K verkauft wird.
Alles was ich über die Taster und Schalter an der Aussenseite einstellen kann geht auch bei der URSA mini im TouchScreen Menu, nur halt nicht so flott.

Schick ist auch der Wechselmount für B4, PL, CF oder Nikon Optiken.
Mit dem B4 Mount und handelsüblichen ENG Optiken wird die URSA mini Pro im Handumdrehen zur HD-EB Mühle.
Man wolle in Zukunft beide Welten, den Film- und den Videobereich bedienen, so Grant Petty.

Die URSA mini Pro erscheint auf den ersten Blick rundum gelungen und hat das Zeug zum C300/FS7 Killer.
6800$ kostet das neue Spielzeug – ohne Sucher, Optik, Akkuplatte und Schulter/Handgriffset.

Neben CFast 2.0 zeichnet die URSA mini Pro auch auf SD Karten auf – zumindest für HD sollten die reichen. Auch das ein Wink Richtung EB-Mühle. SD Karten sind günstig und können dem Redakteur mitgegeben werden.

Der Preis für die Kamera ist ok – es muss sich jetzt erst einmal zeigen, wie zuverlässig die ersten Seriengeräte sind.
Da hatte BM in der Vergangenheit ja wenig Ruhm geerntet.

Noch etwas ist besonders: Sie ist angeblich SOFORT lieferbar.

Auf der NAB werde ich mal einen genaueren Blick auf die Mühle werfen – freu mich schon.

Tokina Cinema Zoom ATX 50-135 mm EF Mount

Das Angebot an Cinema Zoom Objektiven für Kameras wie die BlackMagic URSA, FS5/7 oder die Canon C300 ist noch sehr übersichtlich.

Optiken wie die Fujinon ZK4,7×19 (PL Mount) liegen bei 32.000 € netto, von ZEISS kommt die Lightweight 21-100mm für ca 8.000€ netto im März 2017 auf den Markt, lieferbar mit PL, E- und Canon Mount.
Daher greift man natürlich gerne zu Fotoobjektiven. Klassiker dürften das Canon EF 24-105 mm oder 24-70 mm sein.
Was an den Fotooptiken am meisten nervt ist die Blende. Stufig und nur über Taster o.ä. verstellbar.
Die Tokina Cinema Zoom ATX 50-135 mm gibt es bereits für 4000 € netto.
Mit einem Anfangswert von 50mm ist das für Super 35 Sensor optimierte Tokina jetzt nicht besonders weitwinklig, da bietet ZEISS mit 21 mm mehr.
Aber bei der rund 2000 Gramm schweren ZEISS Lightweight ist dann bei 100mm Schluss. Man sollte also seinen Einsatzbereich kennen, dann fällt die Wahl ob Tokina oder ZEISS leicht.

Analog, analog, analog.
1500 Gramm und 123 mm Durchmesser und nur 155mm lang, das Tokina Cinema ATX 50-135mm CF ist eine kleine Wuchtbrumme, aber eine die von Beginn an Spass macht.
Sie ist mit 50-135mm und maximal Blende T3 komplett durchzoombar. Es gibt die Optik als PL und CF Mount Version.
Bei CF Mount empfiehlt sich eine Objektivstütze um den Kameramount zu entlasten, auch wenn sich dank der geringen Baulänge die Hebelwirkung in Grenzen hält.


Das Tokina Cinema ATX fühlt sich äusserst solide an, das Glas (insgesamt 18 Linsen) ist eingelegt in ein schönes Metallgehäuse mit hervorragend laufenden Blenden-, Schärfe- und Zoomring.

Zusammen mit der URSA mini 4.6K ergibt sich eine nicht zu schwere, gut handbare kompakte Einheit.


Der Zoombereich von 50 bis 135mm deckt schon einiges ab.

 

Die Blende kann über den gesamten Zoombereich konstant gehalten werden.
Auch die Schärfe verändert sich natürlich nicht, das macht die Cinema ATX Zoomobjektive ja aus.
Fotooptiken müssen dieses Feature wegen ihres Ureinsatzbereiches nicht bieten, sind daher immer preisgünstiger.
Und natürlich werden an der Tokina Cinema ATX Optik alle Parameter, also Blende, Schärfe und Zoom stufenlos manuell bedient.

Die Optik hat man schnell im Griff. Der blaue PIN gehört zum Lieferumfang und kann an vordefinierten Stellen am Zoomring eingeschraubt werden.
Damit lassen sich sehr smoothe Zooms realisieren, da die Ringe auch wunderbar leicht laufen. Wegen des enormen Gehäuseumfangs empfiehlt sich ein Follow Focus.
Als Schutzfilter ist ein B+W Schneider UV Filter aufgeschraubt, bei 112 mm Filtergewinde hält sich das Angebot passender Filter ohnehin in Grenzen.
Natürlich kann man auch ein Kompendium aufsetzen, aber ich habe einen Schutzfilter immer gerne auf der Optik.

Wer auf Weitwinkeligkeit verzichten kann, also lieber ins Detail geht, für den ist die Tokina Cinema ATX 50-135mm eine gute Wahl.
Sie ist damit auch eine Option für run&gun und auch für Interviews eignet sie sich wegen ihres Zoombereiches und Blende 3 hervorragend.

 

Wenns mal wieder länger dauert,

dann geht einem das irgendwann auf die Nüsse, da hilft auch kein Snickers.
Auf den Rechner wartet man einfach nicht gerne.
Booten, Programme öffnen, speichern, Dateien kopiern – das alles kostet Lebenszeit.
Der erste Gedanke “Neu kaufen – jetzt sofort!”
Das muss nicht sein – der Austausch der verbauten Festplatte durch eine SSD wirkt Wunder.
Und wenn wir sowas machen, dann sollte es auch dokumentiert werden:



Also URSA aus dem Schrank, 100mm Macro drauf und abgedreht.

So long.

URSA mini 4.6K EF – Teil 3. Drehen.

4.6K – nicht 4K, man merke auf.
Nach zwei defekten 4K URSA minis wurde auf die URSA mini 4.6K gewechselt.
Das ist einfach nur empfehlenswert, die grosse kleine URSA ist um Längen besser in der Bildqualität als die 4K Variante. Das ist zumindest mein Eindruck.
15 statt 12 Blenden Dynamikumfang und mehr Bildformate sind der augenscheinlichste Unterschied.

Wir haben jetzt mit der URSA mini 4.6K 15 Drehtage in drei Projekten hinter uns. Da lässt sich schon ein Resümee ziehen.
Gedreht wurde immer in UHD 3840×2160 Pixeln und 25 Bildern pro Sekunde. Der verwendete Codec war ProRES422, damit gehen ca. 68 Minuten feinstes Rohmaterial auf eine 256 GByte CFast 2.0 Karte.

Ein wesentlicher Bestandteil aller drei Projekte waren gesetzte Interviews.
Der Ton wurde hier über einen Mischer direkt auf die URSA mini aufgezeichnet. Für die Interviews kam fast immer das Walimex/Samyang VDSLR 85mm zum Einsatz. Bei der Produktion des B Roll Materials ein Tokina Cinema ATX 11-18mm und eine Canon EF 24-105mm Fotooptik. Die Blende der Fotooptik lies sich von der URSA mini wunderbar steuern, den Autofocus habe ich nicht genutzt.
Bei B-Roll Aufzeichnungen wurde alleinig das interne Mikro der URSA mini für die Atmo genutzt.

Gleich mal zum Ton.
Eine Sennheiser G3 True Diversity Funkstrecke (Taschensender SK 100, Kameraempfänger EM 100) mit MKE2 Mikro fing den ein und über den Audio Device 302 Mischer ging es dann via Kabel als LINE Signal zur URSA mini 4.6K.
Die URSA mini zeichnete den Ton auf beide Kanäle absolut rauschfrei auf.
Was ich immer noch bemängele, ich kann mich nur entscheiden, ob der Ton via XLR oder via internem Mikro angeliefert wird. Die URSA mini hat 2 Tonkanäle, aber ich kann nicht zum Beispiel Kanal 1 auf XLR und Kanal 2 auf Internmikro schalten. Entweder oder.
Dann hoffen wir mal auf ein Softwareupdate, 4 Kanäle wären auch ein tolles Ding.

Und schon sind wir bei der Software – hier ist die aktuelle Firmware OS 4.0 im Einsatz, mit komplett veränderter Oberfläche aber vielen Vorteilen.
umkachel
Unter anderem kann mit der URSA mini jetzt auch einen Weissabgleich durchführen. Es können Presets abgespeichert und LUTs geladen werden.

Die neue Software ist wesentlich flotter zu bedienen. Auch im Betrieb gefällt die Firmware 4.0.
So lassen sich wichtige Paramter einblenden, aber mit einem Zweifingerwisch von oben nach unten sofort ausblenden. Noch einmal über das Display gewischt sind sie wieder da.

umdisplay
Ein Doppeltipp ins Display vergrössert das Bild auf 1:1 und der Bildausschnitt lässt sich beliebig verschieben. Ideal um die Schärfe einzustellen. Hier hilft auch der Focusassistent, über grüne oder rote Linien wird die Schärfe angezeigt. Das klappt sehr gut.

Die eingeblendeten Informationen sind Touch sensitiv, das heisst, tippt man zum Beispiel auf ISO 800, dann werden die verfügbaren ISO Werte 200 – 400- 800 – 1600 eingeblendet und man kann den gewünschten Wert auswählen.

Für jeden der drei Signalausgange (Front&Back SDI, Display) der URSA mini lassen sich die angezeigten Parameter einzeln zur Anzeige auswählen.

Der eigentliche Dreh mit der URSA mini läuft unkompliziert, hat man die Cam im Vorfeld drehfertig gemacht.

Zebra und Histogramm sind es, auf was es zu achten gilt. Ich bin kein Freund von False Color und komme mit dem Histogramm sehr gut zurecht. Das Zebra steht auf 100%. Ich versuche ein Erscheinen der Zebrastreifen irgendwo im Bild zu vermeiden.
Wenn das Material in den hellen Bereichen clippt, dann geht auch in der Post nicht mehr viel.
Daher – lieber eine Blende mehr und danach in der Post hochziehen.
Das ProRES422 Material eignet sich da sehr gut – viel besser als die XDCam Files der PDW700 und natürlich ist es einem AVCHD Material um Lichtjahre voraus was die spätere Gestaltung betrifft.
Nutzt man den BM Viewfinder freut einen die hervorragende Bildqualität des Suchers. Schärfen lassen sich sehr gut beurteilen.

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Einziger Nachteil – die anfallende Datenrate. Das Materialhandling sollte daher gut geplant werden.
Es kommt einfach was zusammen, so dass ein MacBookPro oder Windows Laptop mit Thunderbolt und USB3.0 zur Grundausstattung gehört.
Es sein denn man verfügt über CFast 2.0 Karten im Überfluss. (256 GByte Karte aktuell 350€)

Meine Ausstattung für vor Ort/Hotel besteht aus einem Thunderbolt 2 CFast 2.0 Reader von Lexar (140.00€ bei Teltec) und handelsüblichen USB3.0 2.5″ Festplatten mit 1-2 TByte.
Für keines der Geräte wird ein Netzteil benötigt. So ist es möglich, in einem Rutsch von einer CFast 2.0 Karte auf gleich 2 Festplatten eine Kopie des wertvollen Rohmaterials zu ziehen.
Das dauert bei 256 GByte ein wenig – geht aber dank Thunderbolt 2.

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Den fehlenden eingebauten ND Filter vermisse ich übrigens nicht – vieles wurde Innendrinnen gedreht, da benötigt man ihn ohnehin nicht. Für draussen arbeite ich mit aufgeschraubten ND Filtern, gerne auch mit variablen ND Filtern. So kann ich zuerst die Blende einstellen und mit dem variablen ND Filter für die richtige Belichtung sorgen.
Das klappt hervorragend.
Fazit – it works.

Candlelight shooting – URSA mini 4.6 K lowlight test

Flow my tears – fliesst meine Tränen.
So geht es einem manchmal, sieht man das Bild, das die ein oder andere Kamera in schwierigen Situationen liefert.
Dazu gehört sicher auch der Lowlight Bereich, schnell beginnen die Bilder unschön zu rauschen, grieselig zu werden.
Lange schon wollte ich die Lowlightfähigkeit der Blackmagic URSA mini 4.6K einmal testen, nicht clean, sondern unter Realbedingungen.
Gerne bei Dunkelheit mit natürlicher Beleuchtung, dazu zähle ich auch das Feuer.
In seiner kleinsten und kompaktesten Form auch als Kerzenlicht bekannt.
Jetzt ergab sich die Gelegenheit in einem Dachgeschoss eines ehemals landwirtschaftlichen Anwesens in Brandenburg.


Equipment

Viel Equipment war nicht vor Ort.
Zum einen war da, wie erwähnt, die Blackmagic URSA mini 4.6K, die die glücklose 4K nun endlich ersetzt.
No more Lines of Horror.

Kleine Anmerkung am Rande, die 4.6K ist um Längen besser als die günstigere 4K. Also wann immer noch Kleingeld da ist, bestellt die 4.6K.

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Dann war da noch ein Sachtler Caddy Stativ und ein Koffer mit Optiken von Walimex 85, 35, 24mm Optiken, Canon EF 24-105 USM und der Tokina Cinema ATX 11-18mm.
Die beiden letzteren kamen für den Dreh auf Grund der mangelnden Lichtstärke (Canon 1:4, Tokina 1:3) nicht in Frage.
Es war stockdunkel des Nachts im Dachgeschoss.
Die Walimex Festbrennweiten verfügen über Lichtstärken von 1:1,4 und 1:1,5 und ich hoffte, dass es reichen würde, denn 23 Teelichter, 2 lange Kerzen, ein 5 flammiger Leuchter und 6 rote Grablichter war alles, was vor Ort als Lichtquelle verfügbar war.

Leider stand uns zu Audioaufnahme nur ein Zoom H4 mit 2 Audiotechnika Richtmikros zur Verfügung, daher ist beim Ton um etwas Nachsicht gebeten. Eine direkte Aufnahme in die URSA brachte ebenfalls kein zufriedenstellendes Ergebnis – ein leichtes Rauschen war dann zu hören.
Aber aus Erfahrung kann ich sagen -> Mikro – Mischer – URSA mini bringt ein hervorragendes Ergebnis. Nur ein Mischer war eben nicht zur Hand.

Das ist nicht optimal bei einem Gitarrenstück, aber für mich hatte die Kerzenscheinaufnahme mit der URSA mini 4.6K Priorität, notfalls hätten wir es auch ohne Ton gemacht 😉

Zudem hatten wir nur einen engen Zeitslot, so dass wir nach dem Aufbau das Stück “Flow my tears” nur drei bis viermal würden spielen können. Letztendlich ergaben sich daraus drei sehr statische Einstellungen bei denen man aber in aller Ruhe die Bildqualität beurteilen kann.


Blackmagic URSA mini 4.6K EF

Aufnahmeformat war UHD 3840×2160 mit 25 fps und dem Codec ProRES 422 HQ.
50 fps hätten schon wieder mehr Licht verlangt. Der Shutter Angle blieb bei 180 Grad unverändert.
Die URSA lief bei dieser Aufnahme noch unter der Software Version 3.3 . Es wurde im “Video” Modus aufgezeichnet.
Die URSA mini verfügt über eine ISO 400/800/1600 Einstellung. Optimiert ist sie angeblich für ISO 800, daher wollte ich auch die Szene bei ISO 800 umsetzen.
Wegen der Kerzen als einzige Lichtquelle habe ich die Farbtemperatur an der Blackmagic auf 2500 Kelvin eingestellt.

 

URSA mini 46


Licht und Ton

Mit den Teelichtern haben wir eine gewisse Grundhelligkeit, einen Leuchtkreis um den Musiker geschaffen. Damit wird auch Tiefe erzeugt.
Die sechs roten Grablichter bringen im Hintergrund etwas Farbe ins Spiel und der 5-flammige Leuchter dient zur seitlichen Aufhellung von Gitarre und Spieler.
Der Gitarrist spielte vom Blatt. Zwei Kerzen beleuchteten die Notenblätter und diese wiederum dienten als Reflektor um Aufhellllicht auf den Musiker zu werfen.

Lichter
Was leider nicht möglich war, das war der Einsatz eines Spitzlichtes. Ich hätte gerne noch ein oder zwei Kerzenständer zur Hand gehabt um das Licht mehr vom Holzboden zu lösen.
Wie sich zeigte, waren die ISO 800 und eine komplett offene Blende den vorherrschenden Lichtverhältnissen gerade gewachsen. Das bestätigte auch ein Blick auf das Histogramm.
Die Belichtungsvorgabe lieferten die Kerzenflammen, denn die durften ja nicht ausbrennen, also überbelichtet sein. Der hohe Dynamikumfang der 4.6K von 15 Blenden kommt einem hier zu Gute.
Gespielt wurde auf einer Ibanez AF125 NT mit einem Benedetto B-6 Tonabnehmer über einen AER Compact 60 Amp. Der Ton dann über den Raum und zwei Audiotechnikas abgegriffen.
Die beiden Audiotechnikas gingen direkt in den ZOOM H4n.
Flow my tears von John Dowland ist ursprünglich ein Stück für Laute und Gesang. Es gibt auch eine Version von Sting, dem ex Police Sänger.

Der Dreh

Ich hatte an der URSA keinen Viewfinder montiert. Einzig der 5 Zoll Ausklappsucher diente zur Bildkontrolle. Um die Schärfe zu finden war einmal mehr die sehr gute Peaking Funktion der URSA mini ein nützlicher Helfer. Letztendlich war es im Raum so dunkel, dass man an der Kamera keine Taste erkennen, noch die Skalen an der Optik ablesen konnte.
Die nahe Einstellung an der Gitarre diente für den Schnitt als Audio- und Syncmaster.
Der Dreh war unkompliziert, das Bild auf dem Monitor schien in Ordnung. War es auch.

Der Clip liegt in YouTube – wichtig, es wurde KEINE Farbkorrektur oder sonstige Bearbeitung am Material durchgeführt.
Das Material kam von der CFast 2.0 Speicherkarte ins Final Cut X, dort wurde geschnitten und dann das Master als mp4 bei YouTube gehostet. Man sieht also das Bild, wie es die Kamera aufgenommen hat.
Das Bild ist in Wirklichkeit natürlich noch besser, da für YouTube ordentlich komprimiert wurde, von 16 GByte auf 0,6 GByte.


Der YT Clip ist maximal in UHD abrufbar.


Unterm Strich sieht das Material sehr gut aus. Kein unangenehmes Rauschen in den dunklen Bereichen.
Schade ist, dass der linke obere Bildbereich gar so dunkel ist – aber wo kein Licht ist, da kann nichts zu sehen sein.
Ich hätte mir einfach noch ein paar Dedos dazu gewünscht.
Aber so hatten wir jetzt ein Set mit 36 Kerzlein und kamen damit zu recht.

Vielen Dank noch einmal an Karl Epp für die Zeit, das Können und das Mitmachen.

fin