Die Mogelpackung

Die Mogelpackung ist salonfähig geworden.
Sie hilft uns im Alltag ein reines Gewissen zu bewahren. Mogeln ist ja auch der sehr sehr nette Vetter der Lüge.
Wenn wir ein “Plant based Extra long Chicken” bei einer amerikanischen Restaurtantkette, die vor allem für gegrilltes Rinderhack bekannt ist, bestellen, dann bemogeln wir uns einwenig selbst.
Statt also ein Weizenmußbrötchen mit Huhnaroma sehen wir doch den Chickenburger vor uns. Aber ohne die toten Hühner.
Irgendwie ist hier das Gewohnte mit dem Neuen clever verknüpft.
Hergestellt wird das Foodwonder vom Vegetarien Butcher – neudeutsch und martialisch für Gemüsehändler.

Gut-Mogeln

Man könnte das jetzt unter dem Punkt Gutes Mogeln ablegen.
Es stirbt kein tagblindes Huhn aus der Geflügelmanufaktur.
Chickenburger sind ohnehin geschmacklos und erreichen die Gaumenfreude von jeher nur durch viel externe Würze.
Damit ist es egal, ob auf der Semmel ein frittierter Weizenbrei oder zermanschtes Huhn in Gewürzmischungen ertrinkt. Solange es warm ist bekommt man es runter und es macht satt.
Und bestimmt ist es auch irgendwie gut fürs Klima.

Schlecht-Mogeln

So würde ich etwas bezeichnen, dessen Kern oder Inhalt sich rapide verändert und damit schlichtweg nicht mehr dem gewohnten Urprodukt entspricht.
Ich meine jetzt hier nicht die klassischen Werbelügen, denn die Werbung mogelt nicht, sie lügt meistens. Und das so dreist, daß es immer wieder funktioniert.

CSU – drei Buchstaben, deren Bedeutung nicht jeder kennt.
Christlich Soziale Union. Die CSU ist eine regionale Partei aus Bayern die seit jeher eine Stressehe mit der CDU(*) führt.
Es gab eine Zeit, da standen die drei Buchstaben C S U für diese Werte.
Aber mit der Zeit wurde man die Werte los.
Natürlich war die CSU von jeher eine Partei voller Haderlumpen, aber wenn es darauf ankam sozial und dadurch christlich. Es ist ja eh doppelt gemoppelt, denn wer wirklich christlich agiert, der handelt sozial.

Die CSU von heute ist nur noch populistisch aufgestellt, was sicher auch an ihrem Vorsitzenden liegt, der die Meinung schneller wechselt als mancher in der Opposition das Hemd.
Heute ist die CSU nicht besonders Christlich, da sie es u.a. achselzuckend hinnimmt, dass Menschen im Mittelmeer ertrinken, Tafeln geschlossen werden oder die Gesellschaft gespalten wird.

Sie ist nicht sozial, da die sozial Schwachen, darunter viele Familien und Kinder kein Gehör bei dieser Partei finden. Kinder wurden von dieser Partei als Pandemietreiber stigmatisiert und stellen eine Bedrohung für das Wähler:innenklientel der Partei dar. Menschen über 60.

Und die Union? Da ist nicht viel übrig. Das Verhältnis zu CDU war noch nie so schlecht wie unter Söder und der bayerische Ministerpräsident schaufelt emsig am Umfragetief seiner Partei, was die innerbayerische Union zu Zerreissen droht. Der Einfluss in Berlin ist auf ein Minimum geschrumpft.

CSU steht jetzt aktuell für Corona, Söder, Unvermögen.
So glaubt Herr Markus Söder immer noch, dass man nur mit genug Härte und Strafen vor Ort ein Virus besiegen kann, das weltweit sein Unwesen treibt.
Dabei wollte Herr Söder zu Beginn seiner Amtszeit zum Mars oder wenigstens mit dem Flugtaxi ungestört von Nürnberg nach Fürth reisen.
Corona hat hier viel verändert und auch die weißblaue Mogelpackung der CSU aufgerissen. Viel ist da nicht drin, manche sagen gar nichts.

Ich bin mit der CSU (Strauß, Streibl, Stoiber, Beckstein, Seehofer, Söder) aufgewachsen, habe sie aber noch nie als so hilflos und und inhaltsleer empfunden. Es gibt auch keine klugen Köpfe mehr in der Partei, die herausstechen, so ist mein Eindruck.
Wohl auch ein Kollateralschaden des langen Kampfes Söder vs Seehofer.
Übrig bleiben Blume, Scheuer, Dobrindt und Bär. Mehr ist nicht.

Das kommt dabei heraus, wenn sich die Welt ändert, aber eine Partei dazu nicht in der Lage ist.

30 Monate – 65000 Kilometer im Raumgleiter.

Vor zwei Tagen habe ich ihn aus der Werkstatt geholt.
1290 € Reparaturkosten brutto, dafür gewaschen und innen sauber geputzt.
Es war nicht der erste ausserplanmäßige Werkstattbesuch in den vergangenen Fünfundsechzigtausend Kilometern in 30 Monaten mit dem Citroen Spacetourer HDI 177.
Ohne Corona wären es wohl 20.000 km mehr geworden.

Der Loser unter den Big4

Citroen Spacetourer, Toyota ProAce, Peugeot Traveller oder Opel Zafira Life – ein Konzept vertrieben von vier Marken, ausser Toyouta gehören die anderen drei zum Stellantis Konzern, ebenso wie FIAT, JEEP oder Vauxhall.
Gebaut werden alle vier Busse in Frankreich. Den Unterschied macht vor allem die Frontpartie aus, die Heckansicht ist immer die gleiche.
Die Ausstattungslinien sind entsprechend dem Käuferklientel angepasst.

Auf deutschen Strassen begegnet man meist dem Opel oder Toyota. Man kauft eben deutsche oder japanische Qualität. Smiley.
Den Bus als Citroen sieht man hierzulande relativ selten. Der klassische Doppelwinkel im Grill ist vielen dann doch suspekt. Der Opel kommt einem da deutlich biederer entgegen.
Damit dürfte der Spacetourer im Land der Autobauer die am wenigsten verkaufte Busvariante unter den vieren sein.

8 Gänge und ein Menu

Kurz zum Auto, es ist ein Spacetourer Shine HDI mit Automatikgetriebe.
Über acht Gänge kommen die 177 Diesel PS des 2 Liter Motors auf die Fahrbahn. Frontantrieb und Einzelradaufhängung kennt man vom Busse aller Busse, dem VW Bus. Überhaupt merkt man, dass der T5/6/7 als Vorbild herhalten durfte.
Im Gegensatz zum klassischen VW ist der Citroen schon in der mittleren Variante Feel natürlich überaus gut ausgestattet. Tempomat, Abstandsmesser, Notbremsassistent, 2 Zonen Klimaautomatik, Apple CarPlay Menu, Parksensoren vorne und hinten, Lichtautomatik, Rückfahrkamera, Sitzheizung vorne, 12V Anschlüsse überall im Wagen verteilt, 220V Steckdose mit 130 W Leistung unter dem Beifahrersitz.

Erfahrung

65000 Kilometer, durchschnittlich 73 km am Tag,  bei Wind und Wetter, im Schnee ebenso wie bei 35 Grad Aussentemperatur, sind gefahren.
Was mir im Vergleich zum T5 sofort aufgefallen ist, im Winter wird der Spacetourer viel schneller warm, auch ist die Frontscheibe viel schneller eisfrei.
Die Heizung hat ebenfalls zwei Zonen und lässt sich für den Heckraum gesondert steuern. Frieren muss im Auto aus Frankreich niemand.
Die serienmäßige Klimaautomatik macht einen fantastischen Job, an heißen Tagen fährt man daher einfach gerne mit dem Bus.
Das bezahlt man aber nicht durch einen spürbaren Mehrverbrauch.
Der Spacetourer liegt immer 1-1,5 Liter unter dem des vorigen T5.2 mit 2l Commonrail TDI.
Den Citroen fährt man mit 6.5-7.5 Litern Diesel auf 100 Kilometer, ohne sich dabei besonders einzuschränken.

ca. 70 Liter gehen in den Tank.

Auf der Autobahn setze ich den Tempomat auf 125 km/h und habe dabei schnell die automatische Abstandsmessung zu schätzen gelernt. Die Füße haben da erst einmal Pause.
Drückt man dennoch aufs Gas, dann erreicht der Wagen knapp 190 laut Tacho. Die Windgeräusche sind dann aber enorm und es macht doch auch keinen Sinn zu rasen.
Die Automatik schaltet butterweich, es ist daher ein sehr angenehmes Dahingleiten in diesem doch nicht kleinen Auto.
Ich würde sofort wieder die Automatik nehmen. Auch im Fahrwerkverhalten steht der Spacetourer dem VW Bus nichts nach.
Bevor jemand aufheult, ich habe die Jahre davor knapp 500.000 Kilometer in VW Bussen (Carvelle) zurückgelegt, habe also etwas Erfahrung mit dem Klassiker.
Im Anhängerbetrieb gibt es ebenfalls nichts zu bemängeln, die 177 PS ziehen dahin.

Kosten

Wer vom Volkswagen T-Modell kommt, der weiß was Inspektionen oder Werkstattbesuche kosten können. Da ist der Citroen eine Freude. Schon alleine, weil der erste Kundendienst erst nach 50.000 Kilometern oder zwei Jahren fällig wird.
Bis dahin sind die einzigen Kosten Versicherung, Steuer und der Diesel von der Tanke. Bei der Versicherung liegt er gleich auf mit dem VW.
Der Motor ist ein Euro 6 dtemp und kostet so entsprechend Steuer – knapp 350€ im Jahr. Tendenz steigend bei der Ampelregierung.
Fast hätte ich es vergessen – auf 10.000 km braucht der Spacetourer etwa 10 Liter AddBlue. Das Auto weist rechtzeitig, ab 2400 km vor dem Aus, auf das Nachfüllen hin. Das Befüllen geht ganz gut über eine Öffnung im Einstieg auf der Fahrerseite.
Bei den Reifen, Winter wie Sommer, ist immer noch der erste Satz Michelin am Laufen.
Der Citroen ist aktuell also ein günstiges Auto.

Was scheppert da?

Achtung Spoiler: Nichts.
Nach über 2,5 Jahren klappert nichts, es fallen keine Teile ab und der Motor läuft rund. Der Wagen fährt sich immer noch extrem angenehm, fast wie ein PKW. Selbst vollbeladen rollt er wie auf Schienen. Gegen den Spacetouer wirkt der vorherige T5.2 teilweise wie ein Traktor. Das bestätigen auch Mitfahrer:innen.

Idealer Teamwagen. Passt dank nur 1.90m Höhe auch in fast jede Tiefgarage

Also alles top?

Es gibt immer was zu meckern.
Ich hege eine leidenschaftliche Abneigung gegen die Start-Stop Automatik. Die ist einfach viel zu empfindlich.
Aus meiner Sicht geht der Motor zu oft unnötig aus. Ein einfaches Beispiel ist die Parkplatzsuche. Man stoppt in 2ter Reihe – Motor aus – schaltet auf den Rückwärtsgang – Motor wieder an. Unnötige Lastwechsel wegen einer 2s Pause. Lösung: Nach jedem Start die Start-Stop im Menu deaktivieren.
Die Schiebetür geht zwar wunderbar leicht auf und zu, aber sie könnte am Endpunkt schon etwas “fester” einhaken. So passiert es immer wieder, dass die Tür nicht verhakt ist und langsam wieder zufährt. Das ist nicht schlimm, nervt aber.
Das Radio geht bei jedem Start an. Auch wenn es am Ende einer Fahrt aus war. Im Zeitalter der permanenten CoronaNews starte ich gerne silent in den Tag.
Die Leuchte im letzten Drittel des Wagens, im Kofferraum quasi ist zu funzelig und dürfte gerne größer und heller ausfallen.

Fazit

Ich bin sehr zufrieden, von Motor und Getriebe geradezu begeistert.
Der PSA Konzern hat da ein feines Auto auf die Räder gestellt.
Daneben ist der Citroen Spacetourer ein neutrales Auto. Gegen den hat eigentlich niemand was, obwohl er doch 1.7 to schwer und mit fast 5m nicht gerade klein ist.

Wie beim Vorbild VW Bus muss man nicht überlegen, was man mitnehmen sollte. Man nimmt mit.

Die sehr gute Integration von Apple Car Play macht das iPhone zur Medienzentrale, egal ob Podcast, Webradio, Music, WhatsApp oder die Kartenapp als Navi.
Insgesamt sechs 12V Anschlüsse im Auto sind für die “… verdammt Akku knapp..” Mitfahrer ein Segen und der 220V Anschluß einfach nur pfiffig für Laptophaber.
Ich persönlich mag den Automatikschalthebel, der eigentlich ein Drehrad ist, das sich super bedienen lässt.
Der Wagen ist sehr übersichtlich und mit Parkdistanzsensoren und Rückfahrkamera wirklich leicht überall parkbar.

Der Verbrauch ist absolut akzeptabel.

Und was die Werkstattaufenthalte angeht. Beim ersten mal war es kostenlos, da gab es einen Rückruf und die zu Beginn erwähnten 1290 Euro kostete eine neue Frontscheibe, da ein Steinschlag die Vorgängerin killte.
Aber das übernimmt ohnehin die Versicherung.
Der Wagen ist im Alltagseinsatz, er ist ein Nutzfahrzeug und keiner passt so wirklich auf. Cases rein, Cases raus. Das meistert er bisher sehr gut.

Würde ich ihn wieder kaufen?
Im Vergleich zum aktuellen 2021er VW Multivan – JA.
Man bekommt viel mehr Auto für sein Geld und einen wunderbaren Motor.
Die Transporterversion Jumpy gibt es jetzt übrigens mit Brennstoff-zellenantrieb. Da geht es hin.

 

G2 statt 2G – weil es weiter geht

Er hat es wieder getan.
Grant Petty, CEO von Blackmagic Design, hat in seiner unnachahmlich unglamourösen Art am 12.11.21 eine neue Kamera präsentiert.

Blackmagic URSA Broadcast G2

Zugegeben, ganz neu ist sie nicht wie das Anhängsel G2 verrät. Es handelt sich um die 2te Generation der URSA Broadcast.
Wie der Name erahnen lässt, war die Kamera gedacht für TV Sender und den Einsatz im Studio und Eventbetrieb.
Auf Messen habe ich die Broadcast G1 einige male angetroffen, selbst ,mit ihr gearbeitet.

Blackmagic URSA Broadcast G2

Jetzt ist die G2 da.
Und die ist wesentlich universeller einsetzbar, irgendwie eine Mischung aus der Broadcast G1 und der URSA mini Pro (G2).

6K Auflösung

Wird die Cam mit B4 Mount (für Broadcastobjektive) betrieben, dann ist die Aufnahme in HD und UHD möglich.

Tauscht man den B4 Mount gegen den beiliegenden EF Mount für Canon Optiken aus, dann wird die G2 zur 6K Kamera. Und kann als 2nd unit für Drehs mit der URSA mini Pro verwendet werden.
Allerdings fallen unter 6K die ProRes Codecs weg.

Codec und Speicher

Mit der UB G2 kommen auch zwei neue Codecformate. Einmal H264 für HD und dann noch H265 für UHD. Dabei liefert der H265 SDI getaufte Codec 10Bit 4:2:2 bei einer relativ geringen Datenrate. So lassen sich laut Petty günstigere SD Karten als Speicher verwenden.
Ferner kann die UB G2 Apple ProRes 422 (HQ) und BRAW.
Als Speicher verwendet die UB G2 neben SD auch die bekannten CFast Karten und kann über einen USB-C Anschluss auch externe Medien zur Aufnahme einbinden.

Ein Novum

Shoulder Pad, Griff, Monitorhalter und V-Mount Platte sind bereits im Lieferumfang.
Das kostete bisher ca 450 Euro extra.
Damit ist die Broadcast G2 mit knapp 3400 netto ein echtes Schnäppchen, gerade wenn man “alte” Broadcast HD Optiken zur Hand hat.

Die Kamera ist eine echte Mühle für die IT Welt und Remote Interviews.
Dazu ein anderes mal mehr.

Alles weitere gibt es hier: Blackmagic

Oder in einigen Wochen hier, denn die Kamera ist bereits bestellt um endlich die betagte PDW700 zu ersetzen. Die exzellente Fujinon HD 17fach mit Doppler sucht Anschluß.

KiZe

Kleine Geschichten aus dem Corona Alltag

Diese kleine Hand.

Immer wieder diese kleine Hand.
Fünf Finger gespreizt die unaufhörlich ins Leere greifen.
Stumm.
Sie hat die Hand schon mehrfach zurückgeschoben. Aber bevor sie die Klappe schließen kann ist sie wieder da.


Die Kleinen sind schnell. Mit den Größeren gibt es weniger Probleme, die fügen sich. Nehmen Platz und schweigen.
Die Jungs zu stolz für Gefühle, die Mädels in kleinen Gruppen, stumm.
Die ganz kleinen liegen in Körbchen, sediert dank eines Pülverchens im Milchersatz.
Es könnte so einfach laufen wären da nicht die flinken Hände der Kleinen.
Zu nichts zu gebrauchen – Zwischenwesen.

Gefahren bannen.

Aber man hatte ja keine Wahl. Letztendlich geht es um das Überleben der Menschheit. Einen Virus rottest du nicht mit halbgaren Entscheidungen aus.
Immer noch gab es täglich fast ein dutzend Tote.
Sollte man da tatenlos zusehen wie im eigenen Land, im eigenen Umfeld eine kleine Gruppe scheinbar unbehelligt aller Maßnahmen am sozialen Leben teilnahm?

Ehrlichkeit.

Dies hier ist ein erwachsenes Land.
Ein Land für Menschen die dem letzten Lebensdrittel entgegenstreben.
Man hat es geschafft, da kommt so ein Virus äusserst ungelegen.
Und dazu noch diese Randgruppe.
Kinder.
Ganz ehrlich, mit Kindern konnte sich dieses Land noch nie abfinden.
Sie sind ein scheinbar notwendiges Übel einer Gesellschaft die ausreichend Erwachsene braucht.
Zu nichts zu gebrauchen, unstete Ressourcenvernichter und Bremsklötze in der beruflichen Karrierentwicklung vieler fleissiger Männer und Frauen.
Und jetzt – Virenherde.
Sie tragen die Saat des Todes in sich und merken es nicht einmal.

Klappe zu.

Endlich, nach unzähligen Fehlversuchen endlich ein Erfolg. Die Klappe ist zu, der Riegel vorgeschoben. Es ist doch für alle nur das beste was sie und ihre Mitstreiter hier leisten.
Im Minutentakt kommen Busse, bringen die Unmündigen an.
Es ist anstrengend so im Vollschutzanzug. Aber man will ja nichts riskieren.
Natürlich sind sie alle dreifach Kreuzgeimpft.
Aber sicher ist sicher.  Es gibt immer neue Varianten.
“Das Virus ist schlau” der Satz des bayerischen Ministerpräsidenten, der am Eingang zur Station in großen Buchstaben prangt ist Warnung genug.

Die Zentren.

Es ist ein altes umzäuntes Firmengelände mit Gleisanschluß.
Ideal geeignet, man hat seine Ruhe. Der Werkschutz hält die draußen, die noch protestieren. Eltern die es noch nicht kapiert haben.
Aber es werden weniger.
Eltern die ihre Kinder verstecken gelten als asozial, da sie die Gemeinschaft in Gefahr bringen.
In einer medialen Dauerschleife werden sie an ihre Verantwortung der Gemeinschaft gegenüber erinnert.

Man will den Kleinen ja nichts böses.

Sie tritt zurück als der Zug anrollt. Sein Ziel ist das KiZe “Peter Pan”.
KiZe, so werden die neuen KinderZentren genannt.
Die Regierung hat mit führenden Wissenschaftlern das Modell der Kinderzentren erdacht und in erstaunlichem Tempo umgesetzt.
In den KiZe werden alle bis zum impffähigen Alter von 12 Jahren vom Staat liebevoll versorgt.
Die Vorteile sind enorm.
Nur in den Kinderzentren kann eine 100%ige medizinische Versorgung garantiert werden. Und das macht die Regierung.
Die Kinder sind von der Straße weg und die Eltern haben Zeit für wichtigeres. Ausserdem besteht keine Ansteckungsgefahr mehr für ältere Mitmenschen, da die Virenherde zentral untergebracht sind.

In den Kinderzentren gibt es Schulen, Kindergärten und Spielplätze. Selbst Kinos und Schwimmbäder sind in einzelnen Anlagen vorhanden.
Umgeschultes Personal kümmert sich rund um die Uhr um das Wohlbefinden der Kleinen. Die Kinder werden optimal auf ihr Leben als Staatsbürger vorbereitet. Ohne schlechten Einfluss von aussen.
Und das beste: Den Eltern kostet der Aufenthalt keinen Cent.
Die Gemeinschaft übernimmt die Kosten der Betreuung bis zur Impfreife.
Neugeborene kommen umgehend in die KiZe.
Es wird eine schöne Welt, die solche Bürger:innen trägt.

Fehlschläge

Natürlich gab es die auch. Sie muss innerlich grinsen, als sie an die ersten Versuche dachte, den KiZe passende Namen zu geben.
Ein guter Name schafft Akzeptanz in der Öffentlichkeit, so das Werbecredo.
Allerdings wäre der hippen Werbeagantur beinahe ein folgenschwerer Fehler unterlaufen.
Als Google bei “Vorbild” “Mutter” “Kinder” Martha Goebbels ausspuckte konnte nur knapp das Kinderzentrum “Martha Goebbels” durch einen alten weißen Mann verhindert werden.
Disney bot sich an bei der Namensauswahl zu helfen.
Gegen eine regelmäßige Gebühr wäre man bereit die Markenrechte an beliebten Disneyprodukten wie “Donald Duck”, “Dschungel Buch” oder “Star Wars” für KiZe Namen freizugeben.
Das war politisch und medial der Durchbruch. Erfolgreich eingefädelt hatte den Deal im unteren Millionenbereich ein schwäbischer CSU Abgeordneter.

Erfolge.

Unterm Strich zeichnete sich schon jetzt ein Erfolg des Projekt KiZe ab.
Die Adulten haben endlich wieder Zeit für sich.
Wertvolle innerstädtische Flächen auf denen Kindergärten und Grundschulen standen gingen an internationale Investoren. Tempo 30 innerorts oder Spielstraßen blockieren nicht länger den Verkehrsfluss.
Und die Einführung der KiZe+, darunter versteht man Kinder&Erwachsenenzentren für Menschen jeden Alters mit Handicp, werden neuen Schub in unsere Gesellschaft bringen.
Aus Kostengründen entstehen diese Zentren im Ausland.

Die Bustüren öffnen sich. Sie seufzt. Zeit Hände zu stopfen.

 

V-Mann

Kleine Geschichten aus dem Corona Alltag

Wir, ein Fotograf und ich, treffen Samuel K. im Wald auf einer Lichtung. Er trägt Jägerkleidung, eine Langtasche hängt über seiner linken Schulter, das Fernglas baumelt vor der Brust.

„Lassen Sie uns ein Stück gehen“ sagt er in ruhigem Ton.
K. ist groß, schlank, Anfang 50. Geschickt wandert er zwischen den Bäumen umher, fast lautlos.
„Das habe ich in der Armee gelernt, lange ist es her. Kommando Spezialkräfte. Sowas verlernst du nicht“.

Allein gelassen

Dann bleibt er unvermittelt stehen, deutet uns an uns abzuducken.

Bald hören wir heftiges Atmen. Laufgeräusche. Unbemerkt von uns wankt mehr als sie joggt eine beleibte Frau am nur 10 Meter entfernten Waldweg an uns vorbei.
K. scheint zu überlegen, dann verklingt das Keuchen.
„Mit der Zeit bekommt man ein Gefühl ob es lohnt oder nicht.“

K. läuft weiter. Seine Sinne sind gespannt, man kann förmlich sehen wie er die Umwelt in sich aufnimmt. Wittert.

„Nach der Armee stand ich erstmal da. Ich hatte ja nix gelernt, ausser Befehle ausführen, anschleichen, schießen. Den Job erledigen. Das Arbeitsamt steckte mich in einen Excelkurs.“

Er schmunzelt. „Der Computer hat es nicht überlebt. Er ging kaputt als er durchs geschlossene Fenster flog.“
K. lacht leise.

Mittlerweile sind wir an einem großen Hochstand angekommen. An dessen Fuße kreuzen sich drei Waldwege.
„Idealer Platz“ sagt K. und steigt hinauf.

„Kommen Sie, da oben ist Raum für alle“ Wir klettern mühsam hinterher, fragen uns, ob das Ding wirklich uns drei, K., den Fotografen und mich überhaupt aushält.
Aber K. hat recht, oben angekommen wirkt die Konstruktion erstaunlich solide.

„Ich habe mich dann selbständig gemacht“ nimmt K. das Gespräch wieder auf.„Ich war quasi als Freelancer in der Abwicklung humanitärer Persönlichkeiten tätig. Sowas wie HR.“
Ich hake nach, will wissen was er darunter versteht.
K. fixiert mich. „Was auf dem Hochstand gesprochen wird bleibt unter uns. Richtig?“
Ich nicke, fasse unter meine Jacke und starte das Aufnahmegerät.

„Mein Fachgebiet waren Erbangelegenheiten. Sie kennen das sicher. Da wartet eine dickes Erbe auf Sie, das Geld könnten Sie aktuell auch gut gebrauchen, alleine der zu Vererbende erfreut sich bester Gesundheit. Meist sind die 80, 90 Jahre alt und relativ munter oder für die Heime zu wertvoll um sie dem Paradies zu übergeben. Die Pflegekasse zahlt ja.“

K. setzt das Fernglas an und sondiert die Umgebung. „Nichts“
Nimmt es ab und wendet sich wieder uns zu.
„An diesem Punkt kam ich ins Spiel.“

Wir müssen sehr fragend geblickt haben, dann K. holte tief Luft und spricht dann wie zu kleinen Kindern „Ich machte den Weg frei. Immerhin ging es bei den Erben um die Zukunft. Autos und Urlaubsreisen wollten be- das verdammte Eigenheim abbezahlt werden.“
K. machte eine Pause.

„Mein Slogan war : Erben ist keine Frage der Zeit, sondern des Wollens. – Und die Leute wollten.“
K. lacht wieder leise.

„Mann war das eine geile Zeit. Sie glauben gar nicht wie mir die Leute die Bude eingerannt haben. Beim Geld hört die Verwandschaft auf.“

Ruhe auf dem Hochstand. Wir sind fassungslos. K. ein Auftragsmörder? Was für eine Topgeschichte.
Er scheint unser Gedanken zu erahnen.
„Was schauen Sie so? Die Leute wären eh gestorben. Eher früher als später. Ich hatte einen Ehrenkodex. Mindestalter 80 und Alleinstehend – da hat man genug gelebt und sollte der Zukunft der künftigen Generation nicht mehr im Wege stehen.“

Die Luft scheint plötzlich knapp zu werden auf dem Hochstand. Ich schwitze, der Fotograf nestelt seine Kamera heraus.
„Die lassen wir mal stecken“ meint K. in sehr ruhigem Ton.
Der Fotograf lässt stecken.

„Und dann kam dieses Scheiß Corona.“ K. brüllt es heraus, jede Umsicht vergessend.
„Verdammte Altenseuche. Mein ganzes Geschäftsmodell über Nacht im Arsch! Danke Merkel fürs Kaputtsparen des Gesundheitssystems.“
Ein Zittern geht durch Ks Körper. Unbändige Wut blitzt in den Augen.

„Meine Zielobjekte verabschiedeten sich plötzlich so mir nichts dir nichts ins Jenseits. Mein Telefon stand nicht mehr still – Auftrag um Auftrag hatte sich plötzlich selbst erledigt. Fucking Corona machte den Job billiger und schneller.“

„Das Büro in Bestlage, mein Haus, das Boot, der Jeep – Kosten Kosten Kosten. Und Staatshilfe? Für einen wie mich gab es doch nix.“

K. sinkt in sich zusammen, fast weinerlich meint er „Können Sie sich vorstellen, was Corona für eine Katastrophe für mich war? Heute ein solides Geschäftsmodell, morgen pleite.“

Pause. Noch mehr Pause. Luft holen.

„Und dank der absolut katastrophalen, unfähigen Pandemiepolitik der Bundesregierung ging das Sterben ja munter weiter. Mit jedem Tag verlor ich tausende potentielle Kunden.“

K. sitzt zusammengesunken vor uns. Der große Mann wirkt verloren. Er ist eines der vielen unbekannten Coronaopfer in diesem Land.

Ich zucke zusammen als ein Energiestrom K. erfasst und er sich ruckartig aufsetzt. Er nimmt das Fernglas und fixiert einen Punkt am nördlichen Waldweg.

„Herrlich. Endlich kommt einer“ sagt er, öffnet den Reisverschluß der Langtasche und zieht ein doppelläufiges Gewehr daraus hervor.

„Eigentlich ist das gemacht für Nashörner und Löwen“ sagt er beiläufig, zieht zwei kleine Pfeile mit der Beschriftung J&J aus der Manteltasche klappt die Doppelläufige nach unten und setzt die Pfeilampullen sie ein.

„Ruhe jetzt!“ und so wie er es sagt sind wir bereit genau das zu tun. Man hört bereits das Keuchen des Joggers. Der etwa 30 jährige Mann kommt schnell näher.
„Ideales Alter“ murmelt K. und legt an.

Statt eines Knalls kommt nur ein verzagtes Plopp vom Gewehr.

Lauter ist das nachfolgende Aufschlagen des Körpers auf dem Waldweg. Wir starren noch gebannt auf den leblos daliegenden Mann da ist K. schon hinabgeklettert und nähert sich behende mit schussbereiter Waffe dem Jogger.

Wir kommen langsam hinterher.

K. macht ein Foto mit seinem Handy vom Gesicht des Daliegenden. Dann zieht er den Pfeil aus der Schulter des Mannes und verstaut ihn. Lädt nach. legt das Gewehr daneben ins Gras.

Noch einmal fasst er den Toten an, nimmt dessen Hand, öffnet am Telefon eine App und scannt die Fingerabdrücke.

„Es muß ja eindeutig sein, man will ja wissen, hat es sich gelohnt. Besser ist es natürlich, hat er einen Pass dabei. Aber Jogger …“ er schüttelt den Kopf.
Dann sieht er unsere entsetzten Gesichter.

„Ach – keine Panik. Der schläft nur.“ Er zieht den Jogger auf den weichen Waldboden.
„Der kommt bald zu sich und kann sich an absolut nichts erinnern. Ist ein bischen wie in Men in Black. Im Gegenteil, er wird glauben ein Nickerchen gemacht zu haben. Geiles Zeug in den Ampullen.“

K. richtet sich auf, das Gewehr unter den Arm geklemmt.

„Aber zurück zu meiner Erzählung, als ich dachte alles ist aus kam das Angebot aus Berlin. Ob ich V-Mann werden wolle. Irgend jemand im Verteidigungsministerium hatte mich empfohlen.“

K. strahlt.
„Alte Kontake sind die besten. Natürlich habe ich zugesagt, schließlich ging es um die Sicherheit unseres Landes“.
“Aber ehrlich gesagt ist das Job verdammt gut bezahlt.”
Er schaut noch einmal nach dem Jogger „Ich denke in 10 Minuten wird er wach.“

„Diese Impfunwilligkeit in der Bevölkerung war meine Rettung. Die Zahlen mussten hoch egal wie. Der teuer eingekauft Impfstoff weg. Der Politik geht es hier um das eigene Überleben, da wird nicht lange gefackelt. Also wurden die V-Männer einberufen. V wie Vaccinate. Impfen, Kapiert?“

Wir nicken wie zwei Schulbuben. Er lacht wieder.
„Ich bin ein Vaccinator. Jeder Schuß eine Dosis Johnson&Johnson, der Einmalimpfstoff. Genial. Das Kopfgeld ist nicht schlecht. Ich brauche auch nicht immer das hier.“
Er deutet auf sein Gewehr.

„Wenn die Zielperson im ÖPNV vor dir sitzt ist es nur ein kleiner Stich. Oder im Vorübergehen im Cafe. Zack. Die Leute denken es sei eine Wespe gewesen. Das ist dann natürlich J&J pur. “

Ich frage ob er beliebig impft.
„Aber nein, wir bekommen Listen mit Fotos. Ich habe allerdings schon soviel Erfahrung, ich erkenne einen Ungeimpften auf 100 m Entfernung. Man muss die Leute leider zu ihrem Glück zwingen. Eigentlich wollen doch alle geimpft werden, sie wissen es nur nicht.“

Er seufzt. Dann wird er unvermittelt ernst.
Er streckt die Hand aus.
„Das Aufnahmegerät bitte“
Mit zitternden Händen übergebe ich es.

K. hebt sein Gewehr. „Get ready for your vaccination.“

Es macht zweimal Plopp.

Gestorben wird nimmer

Geschichten aus dem Corona-Alltag

Jens S. ist Bestatter aus Leidenschaft.
Er führt sein Unternehmen “Ruhe endlich” nun schon in sechster Generation. “Gestorben wurde ja schon früher und eine Leiche mag keiner rumliegen haben, das hat mein ururUrurgroßvater früh erkannt”.

Die Idylle trügt.

Als im Jahr 2020 die Sterbezahlen durch Covid19 explodierten traf es S. vollkommen unvorbereitet.
“Ich meine du schaust ja immer was im Dorf so los ist, wer alles in Rente geht oder ein Motorrad kauft, da bekommst du ein Gefühl für das Geschäft. Aber Corona hat auch uns kalt erwischt”

Das nahe Seniorenheim stellte S. vor fast unlösbare Aufgaben.
“Wir haben dann schnell 2 Leute eingestellt, ein weiteres Auto angeschafft und die Kühlkapazitäten erhöht”
Im nahegelegnen Schlachthof mietete S. langfristig 2 Kühlkammern.
“Die stehen natürlich gerade leer, das neue Auto kostet nur Versicherung und fährt nichts ein.”

Schuld gibt S. der Impfstrategie der Bunderegierung. “Wir sind die Impfverlierer. Zuerst die Alten, das war doch klar, dass das schief geht” Nach einer Pause fügt er hinzu: “Für uns”.

S. ist verzweifelt. Die aufgenommenen Kredite drohen ihn zu erdrücken.
“Jetzt kommt noch haufenwiese Astra rein für die Ü60. Wie soll ich da auf meine Kosten kommen?”
S. ist nicht der einzige, die ganze Branche leidet seit der Impfoffensive.
Nur ein Corona-Soforthilfepaket für die Bestatterbranche könnte helfen, so S. “Man kann uns doch jetzt nicht sterben lassen? Wir sind doch ein jahrhunderte alter Teil dieser Kultur.”

Bis sich Berlin entscheidet hofft S. auf gutes Wetter und damit auf die laufende Motorradsaison.
“Man nimmt halt was man bekommt. Du bist grad echt dankbar für jeden.”

Dann blickt er auf den nahen Friedhof.
“Ein Impfzwang wäre der sichere Tod für uns.”

Wasser II

Die Natur braucht es.

Wann immer es scheinbar zu viel regnet hilft dieser Satz.
Denn der Natur tut es wirklich gut, die Böden sind zu trocken, der Grundwasserspiegel sinkt mit jedem Jahr.

Prasselnder Regen auf versiegelte Fläche

Die Natur schlägt zurück.

Das verwenden wir gerne, wenn kanalisierte, versiegelte oder versperrte Naturgewalten alle Hindernisse überwinden und zum tödlichen Schlag ausholen. Wie jetzt aktuell in  Rheinland Pfalz und NRW.
Wassermassen bahnen sich ihren Weg durch Kleinstädte und kein Auto, keine Mauer, nicht einmal ein Haus kann sie stoppen. Alles wird hinweg gespült.
Über 140 Menschenleben forderte diese Flut binnen 24 Stunden.
Das ist furchtbar.

Und furchtbar nützlich.

Bildjournalismus am Limit. Das bringt Klicks.

Politiker steigen in Gummistiefel, Reporter in Wathosen. Showtime.
Ich habe das oft genug mitgemacht in meiner Newszeit.

Die niederbayerische Dreiflüsse Stadt Passau war immer wieder ein Klassiker, auf die Donau war Verlaß.
Hochwasser ist ein Newsevent der Extraklasse. Wo hat man schon Betroffene, Helfer, Verwüstung und hohe Politik auf so einem engen Raum versammelt.
Und dennoch fast vor der Haustüre. Hotels fernab jeglichen Chaos sind oft nur wenige Kilometer entfernt.
Hochwasser sind meist sehr regionale Ereignissen, zwei drei Städtchen erwischt es, der Rest des Landes sitzt auf dem Trockenen und ist medial dabei.
Hochwasser garantiert Quoten, denn niemand hat es in Deutschland weit bis zum nächsten Fluß. Das Elend ist greifbar, schwimmende Sofas, umgekippte Autos und Schlamm, Schlamm, Schlamm.
Genug für die Quotenschlammschlacht der Medien.

Land unter

Die Menschen sind traumatisiert und lassen alles mit sich machen in der Hoffnung auf Hilfe. Lassen Reporter, Fotografen, Kamerateams durch ihre Häuser stapfen und stülpen ihr innerstes nach aussen.

Im positiven Idealfall geht ein Ruck durch die Gesellschaft. Es wird mehr Hilfe mobilisiert, Spendengalas und auch Politiker (m/w/d) setzen Gelder in Bewegung.

Daneben wird instrumentalisiert, aktuell mit der Klimaerwärmung. Die ist schuld an der Katastrophe in Schuld.

Das Eifeldorf Schuld, vom Fluss Ahr umschlungen

Die Klimaveränderung trägt garantiert ihren Teil dazu bei, sie ist aber nur eine Komponente.
Landschaftsversiegelung und massive Bebauung, keine Ausweichflächen sind auch Gründe für das Desaster.
Ich selbst bin in einer Kleinstadt an der Donau groß geworden.
Wir hatten zweimal im Jahr Hochwasser, meist nur über die Wiesen und Felder, manchmal schaffte es die Donau bis in die Stadt hinein.
Für uns Kinder und Jugendliche war das Klasse. Dann baute das THW Stege und der BR kam mit einem Kamerateam.
Irgendwann wurde ein Damm gebaut und es war vorbei.

Allerdings hat es uns bei weitem nie so schlimm erwischt wie aktuell in NRW und RP.
Diese vielen Toten in so kurzer Zeit, das musste ich auch in meiner Newszeit nie erleben. Das ist wirklich Horror und eine neue Dimension.
Die Kraft des Wasser ist unglaublich und wird sträflich unterschätzt. Jeder watende Fliegenfischer kann ein Lied davon singen.
Es gilt, kommt das Wasser, dann lass alles stehen und liegen und schau, dass du irgendwie schnell an Höhe gewinnst. (Das haben wir als Kinder schon gelernt)
Du kannst dein Auto oder deinen Flatscreen nicht mehr retten, nur dein Leben. Dazu kommen die Kälte und der feine Schlamm, die die Kräfte erlahmen lassen.

Enden möchte ich aber mit einer etwas anderen Hochwassererinnerung.
Irgendein Dorf wurde vom nahegelegenen Bach unter Wasser gesetzt. Als wir dort ankamen hatte sich das Wasser bereits wieder ins Bachbett zurückgezogen, ausser in den Kellern, da stand es es noch knietief.
Als ich in einem alten Bauernhaus mit Herumwaten und Drehen fertig war kam ich mit dem Hausherrn ins Gespräch. Der meinte, das Wasser war ruckzuck da, der Bach sei ja ums Eck.
Daraufhin gingen wir in den wirklich schönen Garten mit altem Obstbaumbestand, am Rande des Gartens floß wieder friedlich das etwa 1,50m breite Bächlein. Und ich habe spontan gesagt “Mann ist das schön hier”.
Und der Mann?
Der lächelte und meine “Ja. Wunderschön. Dafür nehme ich schon mal ein Hochwasser in Kauf.” Und das sagte er ohne Ironie.

Wir können nur mit der Natur leben, gegen sie haben wir nicht den Hauch einer Chance.

Wasser

l’eau

Ich weiß jetzt nicht, wer Volvic Touch kennt.
Volvic Touch, das sind 1.5 Liter stilles Mineralwasser mit rote Früchte Geschmack, abgefüllt in eine mehr als hässlichen Plastikflasche.
Ich habe es nicht gekauft, ich bin ihm nur begegnet und begann das Etikett zu lesen.

Bild von congerdesign auf Pixabay

Mein Erfrischungsdrink

“Ich bin Dein Erfrischungsdrink” steht da auf dem Plastiketikett und mein Erfrischungsdrink lobt sich auch dafür, nur wenig Zucker zu enthalten.
Immerhin 35 Gramm pro Flasche.
Was der Zucker im Mineralwasser zu suchen hat ist mir schleierhaft.

Ausserdem erfahre ich auf dem Etikett natürlich noch alle wichtigen Dinge im Plauderton moderner Werber. So ist die Heimat von Volvic Touch die Natur, daneben schützt mein Wasser auch die Artenvielfalt, ist 100% Klimaneutral und die Flasche aus 100% recyceltem Plastik.
Kurz: Man hat das Gefühl, wer Volvic Touch trinkt rettet den Planeten aktiv vor dem Klimakollaps.

Woher Wasser und Aromen kommen, darüber schweigt sich die ansonsten mitteilungsfreudige Flasche aber dann aus.

Wikipedia führt das Département Puy-de-Dôme im Herzen Frankreichs als Abfüllort, was bedeuted, dass mein Volvic bereits gut 900 Kilometer Autofahrt hinter sich hatte, bevor wir uns trafen.

33 Liter

Diesel braucht ein moderner 40 Tonner auf 100 Kilometer.
Mindestens 297 Liter bestes Diesel sind also nötig um 25000 Liter Wasser vom embouteilleur nach Bayern zu transportieren.
787 kg CO2 werden dabei vom Sattelzug freigesetzt um gezuckertes Mineralwasser und recycelten Plastikmüll ausser Landes zu bringen.

1€

kostet der Liter Wasser ungefähr dann im Handel.
Mit und ohne Zucker, aber immer ohne Kohlensäure, dabei wird doch beim Transport genug produziert.
Ein stilles Wasser – so gesund wie sein Ursprung.
An dem wurden im Jahr 2018 2.700.000.000 Liter aus der Erde gepumpt.
Ca. 70% davon geht in den Export, der Großteil ins Vereinigte Königreich und ins wiedervereinigte Deutschland.
Nehmen wir eine Quote von 20%, dann sind das 540.000.000 Liter oder 21600 Sattelzüge und 17.000 Tonnen CO2.

Alles gut

Wir müssen jetzt aber kein schlechtes Gewissen haben.
Denn wenn wir in Deutschland den Diesel mit 15 cent/l mehr besteuern, dann ist alles wieder gut.
Das sagt die Politik, dann kann man guten Gewissens den Franzosen das Wasser wegtrinken und dabei, siehe Etikett, auch noch den Planeten retten.

Der Neid der Welt

Man könnte aber auch auf etwas zurückgreifen um das uns wirklich die ganze Welt beneidet.
Auf unser hervorragendes Trinkwasser.
Wasser das aus dem Hahn in jedem Haus kommt kann mit dem herangekarrten Aqua lässig mithalten.
1000 Liter bekommt man beim lokalen Versorger für 1,50-2 Euro. Quellfrisch.
Und es lässt sich ohne Probleme in leere Volvic Flaschen einfüllen und wer will kann noch 35 Gramm Zucker hinterherwerfen um dem Ganzen einen gewissen Touch zu geben.

 

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Südkorea.

Das Land zählt laut Wikipedia zu den 30 bevölkerungsreichsten Staaten dieser Erde.
Es ist also wuselig da mit 529 Einwohnern pro Quadratkilometer.
Zum Vergleich, in Deutschland tummeln sich durchschnittlich 233 Menschen auf einem Quadratkilometer, in Mecklenburg Vorpommern stehen gar nur 69 in der Landschaft herum.

Für mich ist Südkorea immer wie das Deutschland der 80er – ein technikorientiertes Land, das forsch nach vorne schaut und der Welt zeigt, wo es hingeht.

Die Südkoreaner beherrschen den klassischen Maschinenbau.
Sie sind führend dabei beim Mobilfunk, der Medizintechnik, der Unterhaltungselektronik und dem IoT, dem Internet der Dinge.
Darunter Unternehmen wie LG, Samsung, POSCO, Hynix.
Was Unternehmen aus Südkorea auf den Markt bringen funktioniert, ist technisch up2date und oft wegweisend.

Ein weiteres gutes Beispiel ist die eigentlich sehr klassische Autoindustrie.
Da gibt es Hyundai mit seiner Submarke KIA. Also ähnlich VW und Audi (und Skoda, Seat, Cupra …), aber wesentlich pfiffiger in allen Bereichen.
VW traut sich nicht einmal 5 Jahre Garantie auf seine Autos zu geben wie es Hyundai macht. Sieben Jahre sind es bei KIA.
Wer einen Audi Q4Etron mit dem neuen Ioniq5 von Hyundai vergleicht stellt schnell fest, dass Ingolstadt eines kann – fette, einfallslose Autos bauen.
Das Glück der Ingolstädter ist einfach, dass die vier Ringe noch als Premium gelten und das Auto, das nach dem Kühlergrill kommt, einfach dann so in Kauf genommen wird. Man denkt nicht über die Stoßfänger hinaus.

Der Ioniq5 steckt voller Ideen.

Sind es nun die Relax-Liegesitze um die unumgänglichen Ladeweile mit einen kurzes Nickerchen vergessen zu machen?

Relax Sitze im Ioniq5 – Foto von Hyundai

Sind es die Steckdosen in und am Auto?
Denn Power ist genug da bei der 72 kWh Batterie, auch um einmal eine Bohr-, Kaffeemaschine oder Kreissäge outdoor zu betreiben.
Ist es das optionale Solardach?
Klar es reicht nicht um die Batterie zu laden, aber jeder geschenkte Sonnenstrom ist guter Strom.
Sind es die 8 Jahre Garantie auf das gesamte Fahrzeug?
Oder das futuristische Design?

Der Audi wirkt dagegen erschreckend bieder und einfallslos.

Eingeweihte wissen natürlich, dass die Südkoreaner mit führend sind im Bereich der Wasserstoffantriebstechnologie.
Also Elektromobilität realisieren mit H2 als Energieträger anstelle einer Batterie.
Der Riesenvorteil, H2 ist speicherbar und die Fahrzeuge sind in wenigen Minuten betankt. Aus dem Auspuff kommt Wasserdampf.
Der Hyundai Nexo ist ein H2-SUV.
Demnächst folgt ein Kleinbus, ähnlich dem T6,  mit FuelCell Technik.

LKW mit Brennstoffzelle für die Eidgenossen

In der Schweiz fahren Hyundai Lastwagen mit Brennstoffzelle im Testlauf.
Da wäre hier im Lande unmöglich. MAN hat nix, Mercedes kommt erst.

“Das ist einfach Unsinn”

sagt Deutschlands mächtigster Automanager über Wasserstoff im Auto.
Volkswagen Chef Herbert Diess ignoriert diese Technik vollkommen und er erinnert mich immer an die Manager von Nokia, nach dem Erscheinen des iPhones.
Funfact – Diess kommt von BMW, sein alter Arbeitgeber wird 2022 einen ersten Wagen mit (Toyota) H2/Brennstoffzellentechnik auf den Markt bringen.

Und der Markt wird es richten

In Südkorea herrscht diese Wunderbare Aufbruchstimmung in Verbindung mit dem Willen es möglich zu machen.
Wie die Bundesrepublik damals, als ich Maschbau studiert habe.
Ab den Neunzigern ging es hierzulande innovativ gesehen bergab. Immer mehr Regulierung und Bestandswahrung, der Geist der ehemaligen DDR war eingezogen.
Ein Land, das sich vor allem mit selbst beschäftigte, mit ausufernder Bürokratie.

So gesehen sollte man Kim im Norden in Ruhe werkeln lassen.